Abitur, Altenheim, Aldi: Die wichtigsten Projekte in der Gemeinde Morbach

Kommunalpolitik : Abitur, Altenheim, Aldi: Die wichtigsten Projekte in der Gemeinde Morbach

Eine Wahlperiode geht zu Ende. Fünf Jahre lang hat der Gemeinderat die Entwicklung von Morbach mitgestaltet. Der TV hat sich die wichtigsten Vorhaben aus dieser Zeit nochmal angeschaut.

Welche Projekte in den vergangenen fünf Jahren waren für die Gemeinde Morbach wichtig, welche weniger? Und wurden möglicherweise auch Weichen gestellt dadurch, dass etwas nicht auf die politische Agenda kam?

In Morbach hat in diesem Jahr bereits der zweite Jahrgang an der IGS Abitur gemacht. Zuvor musste eine Oberstufe eingerichtet werden. Dafür waren erhebliche bauliche Veränderungen nötig. 2,8 Millionen Euro haben Kreis und Land in den Neubau einer Mensa mit Bibliothek und zusätzlichen Nebenräumen gesteckt. Sechs weitere Klassenräume wurden für rund 700 000 Euro geschaffen. 

Apropos Infrastruktur: In Morbach hat im Januar dieses Jahres ein Kino seine Pforten geöffnet. Das Kino Heimat hat 30 Kinosessel und ist damit das kleinste in Rheinland-Pfalz. Und es hat seine Nische gefunden: Der Betreiber des Projektes Alfons Schramer kooperiert eng mit dem bekannten Filmemacher Edgar Reitz, dessen Streifen dort auch zu sehen sind. Aber nicht nur die. Es gibt Senioren- und Kinderfilme, Streifen, die internationale Auszeichnungen erhalten haben und Kurzfilme.

Das neue Marienhaus Seniorenzentrum St. Anna mit 94 Plätzen wurde im August vergangenen Jahres in Morbach eröffnet. Die Marienhaus GmbH hat 9,6 Millionen Euro in den Neubau investiert.

Foto: Ilse Rosenschild

Mehr als die Hälfte der gesamten Kaufkraft im Bereich Gesundheits- und Körperpflege hatte der Einkaufsort Morbach früher jährlich verloren. Das änderte sich mit der Ansiedlung einer Filiale der Drogeriemarktkette Rossmann im Oktober 2017 mit einer Verkaufsfläche von 650 Quadratmetern. 1,5 Millionen Euro hatte ein Investor dafür in die Hand genommen. Rossmann hat das Gebäude in unmittelbarer Nähe des Wasgau-Marktes gemietet. Erst kürzlich vergrößert hat das Unternehmen Möbel Schuh um 850 auf 6500 Quadratmeter Verkaufsfläche. Erweiterungen geplant sind zudem bei Aldi, Lidl und dem Baumarkt Schünke.

Das erste Morbacher Boarding House wurde im August 2017 eröffnet. Es bietet acht Apartments mit insgesamt 17 Betten. Gebaut hat es für 1,2 Millionen Euro der Morbacher Unternehmer Roman Knichel, Inhaber des benachbarten Rewe-Marktes. Ein Boarding House bezeichnet einen Beherbergungsbetrieb, der Zimmer oder Apartments mit hotelähnlichen Leistungen vermietet. Auch der Ortskern verändert sich – schon allein wegen des Förderprogramms Stadtumbau des Landes Rheinland-Pfalz, an dem die Kommune seit 2015 teilnimmt. Für ein Gebiet von 11,4 Hektar im Zentralort Morbach selbst stehen insgesamt 2,1 Millionen Euro Fördergeld für Vorhaben zur Aufwertung des Ortsbildes zur Verfügung.

Foto: TV/Michael Reichel

Bereits umgesetzt sind der Abriss des Altgebäudes und die Errichtung des Cafés Risch sowie die Sanierung des Alten Spritzenhauses, wo inzwischen eine Wohngruppe der evangelischen Diakonie untergebracht ist. Parallel dazu hat die Gemeinde ein Programm zur Förderung von Vorhaben zur Verbesserung der Wohnqualität mit Mitteln aus der Windkraft aufgelegt.

Apropos Windkraft: In der Energielandschaft Morbach werden 55 Millionen Euro fürs Repowering ausgegeben. Das Unternehmen Wiwiconsult plant dort, die ursprünglichen 14 Anlagen durch sieben leistungsstärkere zu ersetzen. Bis Herbst sollen alle sieben neue „weiße Riesen“ mit einer Höhe von 230 Metern (zuvor: 140 Meter) stehen. Im Gelände der Energielandschaft sollen zudem ein neues Erdaushublager inklusive Wertstoffhof eingerichtet werden. Die Bauleitplanung läuft.

Geplant ist das Gewerbegebiet „Hinter Kreuz“ bei Gonzerath mit einer Größe von ungefähr 12,8 Hektar. Besonders interessant: Es liegt an der B 269 zwischen Gonzerath und dem Blockhauskreisel. Wer dort künftig produziert, hat eine rasche Verbindung zur B 50 neu inklusive Hochmoselübergang, der noch in diesem Jahr eröffnet werden soll. Weitere Gewerbeflächen – genauer gesagt 23 Hektar – sind im Gewerbepark Humos vorgesehen.

Foto: TV/Christoph Strouvelle

Auch fürs Wohnen werden neue Flächen bereitgestellt. Drei Neubaugebiete sollen laut Bürgermeister Andreas Hackethal „jetzt erschlossen werden“: das dritte Teilgebiet „Auf der Huhf“ in Morbach mit 42 Bauplätzen, das dritte Teilgebiet „Auf der Rau“ in Bischofsdhron mit 18 Bauplätzen sowie „In der Grub“ in Merscheid mit zwölf Bauplätzen. Für das Jahr 2020 sind die Erschließungen von weiteren 52 Bauplätzen in Gonzerath, Morscheid-Riedenburg und Wenigerath vorgesehen.

Die regionale Holzvermarktung wird künftig von Morbach aus gesteuert. Zu diesem Zweck wurde die Holzvermarktungsorganisation Rheinland-Pfalz Südwest, mit Sitz in Morbach gegründet. Die Gebietskulisse erstreckt sich über die Landkreise Bernkastel-Wittlich, Trier-Saarburg sowie die Verbandsgemeinden Birkenfeld und Baumholder. Die Räumlichkeiten werden derzeit in der alten Landwirtschaftsschule hergerichtet.

Auch in Morbach gibt es künftig immer mehr Menschen, die älter werden und in Morbach wohnen bleiben wollen. Ein großer Schritt ist getan: Das neue Altenheim in der Bahnhofstraße ist fertig (siehe oben). In Kooperation mit der VG Bernkastel-Kues und dem DRK fährt seit Sommer 2017 ein Seniorenbus. Die Beförderung ist kostenlos. Das Vorhaben kostet die beiden Verbandsgemeinden zusammen 20 000 Euro. Seit knapp einem Jahr gibt es das ebenfalls von den beiden Kommunen aufgestellte Projekt Mitfahrerbänke. Wer drauf sitzt, möchte mitgenommen werden. Das Fahrziel wird auf einem Schild angezeigt. Bisher lediglich auf dem Balkan – Hoxel, Morscheid-Riedenburg und Wolzburg – gibt es das sogenannte Balkan-Kesselche, das Senioren täglich mit einer warmen Mahlzeit versorgt. Für die Zukunft geplant ist eine Anlaufstelle für Senioren, wo diese unbürokratisch Hilfe in vielen Lebenslagen bekommen sollen.

Gibt es vertane Chancen, Projekte, die nicht angegangen wurden? Etwa beim Thema kommunal betriebener Bestattungswald? Eine Initiative hatte in dieser Sache einen Bürgerentscheid angestrengt. Allerdings stimmten lediglich 22,8 Prozent der Wähler dafür. Im Landkreis Traben-Trarbach soll in Kürze ein Bestattungswald geschaffen werden. Ähnliches ist in Lieser geplant. Doch in der Gemeinde Morbach hat man Friedhofssatzungen überprüft. Unter anderem wurden naturnahe Bestattungsformen eingeführt.

Oder beim Thema Schwimmbadsanierung? Das Morbacher Freibad ist dringend renovierungsbedürftig. Erhebliche Wasserverluste werden registriert. Anstatt der defekten Heizung gibt es eine mobile Ersatzlösung. Eine Treppe ist seit Jahren aus Gründen der Verkehrssicherheit halbseitig gesperrt. Über das Planungsstadium ist die Sanierung bislang nicht hinaus gekommen.

Ein Hemmschuh für die Morbacher Kommunalpolitik ist die Kommunalreform. Bestrebungen, die laut Innenministerium nicht mehr zukunftsfähige Nachbar-VG Thalfang zu fusionieren oder aufzulösen, laufen seit einigen Jahren. Immerhin 15 der 21 Ortsgemeinden wollen in die Einheitsgemeinde Morbach. Während in anderen Kommunen die Fusionen längst erfolgt sind, tritt man im Hunsrück auf der Stelle. Da ist das Land gefordert.

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