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Abschied von Institution: Kaienburg wird abgerissen

 Auf Nimmerwiedersehen, Kaienburg: Der Abriss ist das Ende einer Ära als Gasthaus, in dem auch Stadtpolitik gemacht wurde. TV-Foto: Klaus Kimmling
Auf Nimmerwiedersehen, Kaienburg: Der Abriss ist das Ende einer Ära als Gasthaus, in dem auch Stadtpolitik gemacht wurde. TV-Foto: Klaus Kimmling
Wittlich. "Die Kaienburg wird abgerissen!" Das Gerücht macht seit Tagen die Runde und stimmt ausnahmsweise. Die seit Jahren leerstehende Ex-Institution in Privatbesitz gilt als akut einsturzgefährdet. In den kommenden zwei Wochen soll das geschichtsträchtige Haus mitten in der Stadt verschwinden. Sonja Sünnen

Wittlich. "Das wird in Wittlich wieder zu einem Aufschrei und Angriffen auf die Stadt führen, warum nicht etwas anderes als ein Totalabriss möglich sein soll." Ob Lothar Scherl, CDU, mit seiner Prophezeiung einen möglichen "Schwarzen Peter" für Stadt und Stadtrat vorauseilend gleich an andere weitergeben will? Dass weder Stadt noch Stadtrat auf den Abriss des Gasthauses Kaienburg in der Oberstraße Einfluss haben, macht Bürgermeister Joachim Rodenkirch als Reaktion auf Scherls Vorhersage klar: "Man kann uns nicht für etwas verantwortlich machen, was jemand tut oder unterlässt." Er sagte auch: "Da haben wir keine Aktien im Spiel. Der Privateigentümer hat den Antrag gestellt und wird das Gebäude abreißen. Ursachen sind zum Teil Verkehrssicherungsgründe. Es gibt Handlungsbedarf für den Eigentümer." Das ist der Wittlicher Architekt Hans Krebs. Er sagt auf TV-Nachfrage: "Die Abbrucharbeiten sind laut Bauvertrag in der 17. und 18. Kalenderwoche beginnend vereinbart." Das wäre ab Montag, 22. April. Zum Anlass sagt er: "Ins Gebäude zu gehen ist lebensgefährlich, auch die Verkehrssicherheit ist nicht mehr gegeben."
Bestürzung und Entsetzen


Diese Tatsache und die Folgen beschäftigen auch den Förderverein Wittlicher Kulturgüter. Ortwin Eich sagt, der Verein habe die Nachricht "mit Bestürzung und Entsetzen" aufgenommen. "Der Eigentümer hat von der zuständigen Denkmalbehörde wegen akuter Einsturzgefahr grünes Licht zum Abriss erhalten, ohne Auflagen." Er erinnert daran, dass das Gebäude in die Denkmalliste der Stadt eingetragen sei, in einer Denkmalzone liege und in der 1987 vom Kultusministerium herausgegebenen Denkmaltopographie aufgeführt sei. Der Verein appelliere daher, "alle Möglichkeiten auszuschöpfen, eventuell mit Stadt, Denkmalbehörden und Statikern, die Fassade zu erhalten, wenigstens aber Gewände und Torbogen mit der Inschrift 1805 zu sichern und für einen späteren Wiederaufbau zu erhalten."
Bekannt ist seit Jahren, dass Hans Krebs nach dem Kauf der leerstehenden Immobilie eine städtebauliche Entwicklung auch im Umfeld der Kaienburg im Blick hatte. Von einem Wohngebäude mit Tiefgarage war die Rede. Aktuell sagt er auf die Frage nach der weiteren Entwicklung des Grundstücks nach Abriss: "Es gibt ein Entwicklungsziel, das ich seit Jahren verfolge, künftig wird meine Tochter diese Arbeiten übernehmen." Und abgesehen vom Geschäft: "Was bedeutet eigentlich die ehemalige Kaienburg für den Privatmann Hans Krebs"? Dazu sagte er gestern auf kurzfristige Nachfrage: "Da gibt es sicher viel zu erzählen, aber das sprengt heute meinen Zeitrahmen."
Weiterer Bericht folgt.
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Kaienburg nennen die Wittlicher das Haus, nach der früheren Eigentümerfamilie. Das ehemalige Gehöft wurde 1805 erbaut und war ab 1876 "Bairische Bierbrauerei zur Stadt Wittlich", kurz Brauerei Elsen, seit 1900 war sie Gasthaus. In den Sälen wurde Stadtgeschichte geschrieben: Dort waren Konzerte von Philharmonischer Gesellschaft bis Jazzclub, Karnevalssitzungen der Blauen und Roten Funken, später der legendären Bänkelsänger, Tennis-, Knollen- und Sprudelbälle, Modenschauen und Tanzkurse. sos