Abschottung hilft ausstiegswilligen Gefangenen

Abschottung hilft ausstiegswilligen Gefangenen

Im Kern geht es in der Drogen abstinenzabteilung im Wittlicher Gefängnis darum, die Therapiebereitschaft von Gefangenen mit Suchtproblemen zu fördern - und tatsächlich ihre Abstinenz sicherzustellen.

Wittlich. Der Hintergrund: Die Zahl der Gefangenen mit Drogenproblemen steigt stetig, derzeit liegt sie bei 70 Prozent. Vor allem Amphetamine, Haschisch und Opiate werden konsumiert. Auch hinter Gittern. Selbst strenge Kontrollen können nicht verhindern, dass Drogen in den Knast gelangen. Gefängnisleiter Robert Haase: "Wir können nicht alle Körperöffnungen eines Gefangenen, der vom Freigang zurückkehrt, kontrollieren, das geht nur bei begründetem Verdacht."
Kleinkinder würden vorm Besuch im Gefängnis frisch gewickelt, Pakete kontrolliert. Doch müsste man, um sicher zu gehen, alle Schokoriegel zerstören. Den Kontakt nach draußen zu unterbinden, ist auch keine Lösung. Denn er gehört zum Konzept der Resozialisierung dazu. Ein gewisses Risiko wird also in Kauf genommen. Dafür gehören Urinkontrollen zum Alltag. 2009 gab es laut Abteilungsleiter Frank Bochmann einen traurigen Rekord: Ein Zehntel der rund 800 Kontrollen war positiv. Das gab den Ausschlag, die Abstinenzabteilung, deren Konzept maßgeblich von Sozialarbeiterin Elke Schmitz vorangetrieben wurde, ins Leben zu rufen. 28 Gefangene leben freiwillig in dieser Abteilung, größtenteils isoliert von den übrigen Insassen. Ein Häftling, der wegen eines bewaffneten Raubüberfalls unter Drogeneinfluss zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt wurde, sagt: "Hier hat man eher seine Ruhe und hört nicht immer Gespräche über Drogen." Doch wirklich in Ruhe gelassen werden die Inhaftierten in der Abstinenzabteilung nicht. In einer von Schmitz betreuten Drogengruppe setzen sie sich mit ihrer Suchtkarriere auseinander. Beim Kochen, Backen und anderen teils angeleiteten Aktivitäten wie Sport lernen sie soziales Miteinander und sinnvolle Freizeitgestaltung. Für zwei Stunden am Tag sind die Zellentüren geöffnet, dann können sich die Gefangenen in Gruppenräumen treffen. Dieser sogenannte Aufschluss ist ein Novum in der Erwachsenenstrafanstalt. Der Erfolg scheint den Initiatoren der Abstinenzabteilung recht zu geben: Trotz mannigfacher Urinkontrollen gab es in eineinviertel Jahren lediglich zwei positive Kontrollen. mai

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