Achim Lohner erzählte über seinen Weg vom Bäckergesellen zum Unternehmer

Wirtschaft : Erfolgreich mit der Eins des kleinen Mannes

Achim Lohner erzählte bei der Vortragsreihe „Die Berufsschule Bernkastel-Kues trifft...“ über seinen Weg vom Bäckergesellen zum Unternehmer. Seine Fachgeschäfte betreibt er an vielen Orten in der Region.

Das passte! Die Schulband der Berufsbildenden Schule (BBS) Bernkastel-Kues empfing Achim Lohner mit Bakerman des dänischen Popduos Laid Back. Ganz so entspannt, wie in dem Lied verlief die Karriere des erfolgreichen Bäckers allerdings nicht. Lohner erzählte im Rahmen der Vortragsreihe „Die Berufsschule Bernkastel-Kues trifft...“, mit der jungen Menschen laut Initiator Eric Westerheide, Sparkassen-Vorstand und Vorsitzender des BBS-Fördervereins, vor mehreren Hundert Zuhörern, wie aus dem Acht-Mann-Betrieb ein Unternehmen mit heute fast 2000 Mitarbeitern wurde. „Ich musste etwa 800 000 Mark Schulden übernehmen“, erklärte Lohner die Lage, als er 1976 nach dem plötzlichen Tod seines Vaters den Familienbetrieb in Cochem übernahm. „Mehr als 50 Prozent des Umsatzes ging an Zinsen weg. Eigentlich war es ein unmögliches Unterfangen zu überleben.“ Hätte die Leitung eines regionalen Kreditinstituts nicht an ihn und seine Ideen geglaubt, die Großbäckerei mit seinem Namen gäbe es heute wohl nicht.

Lohners Weg war von Anfang an nicht einfach, geradlinig und krisenfrei. „Es sind keine Krisen. Es sind Herausforderungen, die euch voranbringen“, rief der 71-Jährige den Berufsschülern unter seinen Zuhörern zu. Es sei im Leben meist wie bei der Echternacher Springprozession: Zwei Schritte vor, einer zurück. „Die gefährlichsten Zeiten sind, wenn man drei Schritte vorankommt und nicht weiß, was dann passiert“, sagte Lohner. So erging es ihm, als nach den ersten Filialöffnungen und der Übernahme einer Mayener Großbäckerei trotz des Ausbaus des Stammhauses und auch des Umzugs nach Hambuch (Kreis Cochem-Zell) die Produktion vergrößert werden musste. In Polch (Kreis Mayen-Koblenz) kaufte Lohner Mitte der 1990er Jahre ein 50 000-Quadratmeter-Grundstück. „Damals habe ich gedacht: Was hast du da gemacht!“, erzählte er. Die 5500 Quadratmeter große Backstube von damals ist mittlerweile auf 12 000 Quadratmeter gewachsen. Aus 76 210 D-Mark Umsatz 1976 werden dieses Jahr mehr als 100 Millionen Euro.

Lohner unterstrich die Aussage von BBS-Schulleiter Willi Günther: „Man ist nicht allein erfolgreich.“ „Ohne unsere Mitarbeiter würde ich wahrscheinlich noch allein in Cochem in der Oberbachstraße in der Backstube und meine Frau hinter der Ladentheke stehen“, sagte Lohner.  Sein Werdegang bestätigt auch die Meinung des Kreisbeigeordneten Alexander Licht, dass Erfolg im Beruf auch ohne Abitur möglich ist. „Wenn es stimmt, dass die Drei die Eins des kleinen Mannes ist, dann war ich auf der Volksschule doch nicht so schlecht“, witzelte Lohner. Anders als die Schule machte ihm die Bäckerlehre Spaß. Backen ist Lohners Leidenschaft, die ihn bei aller Büroarbeit nie losgelassen hat, sagt er: „Wir haben im Garten einen Holzbackofen. Im Sommer backen wir Brot mit der Nachbarschaft.“

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