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Acht Geschwister in Kesten sind zusammen 700 Jahre alt.

Kesten : Acht Geschwister an der Mosel bringen es auf 700 Jahre

Sie halten zusammen wie Pech und Schwefel. Und sie feiern gern: Acht Geschwister aus Kesten – zwischen 76 und 97 Jahre alt – wollten 2020 ihren 700. Geburtstag feiern. Doch dann kam Corona. Am Sonntag wird der jüngste von ihnen 77. Jetzt hoffen sie, dass sie das Jubiläum nachholen können, wenn auch mit ungerader Zahl.

1988 luden sie zu ihrem „500-Jahr-Geburtstag“ ein und 1999 zu ihrem 600. – mit einer Modenschau, für die ihre Nichten in alte Kleidungsstücke der Verwandten schlüpften. 2020 wollten die acht Kestener Geschwister Steffen ihren 700. Geburtstag feiern. Doch die Corona-Pandemie verhinderte das.

Gisela Beer, seit dem Tod von Schwester Josefine Greweling die Drittälteste der ursprünglich neun Geschwister, ist aber zuversichtlich, das Fest nachholen zu können: „Sobald es geht – irgendwann im Hof.“ Denn der ist großzügig und gemütlich, wie auch die Besucher des Kestener Straßenfestes wissen. Sohn Michael, der das Familien-Weingut Jacob Steffen Erben heute betreibt, wohnt mit seiner Familie direkt gegenüber.

Allerdings stehen noch diesen Monat die nächsten Geburtstage der zwischen 76 und 97 Jahre alten Geschwister an. Am 10. Januar wird Ulrich Steffen 77, womit es dann alle Geschwister auf zusammen 701 Jahre bringen werden, und Gisela wird am 24. Januar 92. Daher werden sie – wann auch immer im Lauf des Jahres – wohl kein rundes Jubiläum feiern, sondern ihr bis dahin tatsächliches gemeinsames Alter von 700 und einem Jahr.

Gesprächsstoff gibt es reichlich bei Familienfesten der fünf in Kesten lebenden Geschwister. Die anderen drei hat es nach Wittlich, Monheim am Rhein und Hannover verschlagen. Wird gefeiert, kommen  etwa 100 Personen aus dem engsten Familienkreis zusammen. Otto, der Älteste, hat zwar keine Kinder. Er war nie verheiratet und sei damit „der Einzige, der gehört hat“, wie er verschmitzt erklärt. Denn ihre Mutter habe ihnen immer ans Herz gelegt: „Bleibt schön zusammen!“ Die Zahl der Nachkommen von Schwester Helene Bastgen (93) ist dafür  um so etwas größer. Sie ist stolz auf ihre acht Kinder, acht Enkel und zwölf Urenkel.

Otto, Josefine, Helene und Gisela waren als die vier Ältesten mit den meisten Aufgaben im Elternhaus und im Weingut der Familie betraut. „Für mich war keine Arbeit mehr da“, erzählt Hildegard Quappe (90), die nur anderthalb Jahre jünger als Gisela ist, aber nicht zu den „Großen“, sondern zu den „Kleinen“ zählte. Doch dafür kam sie ganz schön rum. Von der Schulzeit im Internat in Diedenhofen, dem seit 1944 wieder französischen Thionville, bis zu Arbeitsstellen in England und Chile. Dort leitete sie ein Schullandheim. 1973 kehrte sie nach 13 Jahren mit ihrer Familie zurück, arbeitete in Wolfsburg und lebt seit 1992 wieder in Kesten. Auch Ulrich arbeitete einige Jahre in Südamerika, als Chemiker in Brasilien.

Ihre Schwestern Josefine, die Pension und Gastwirtschaft betrieb, und Maria Friderichs (86) blieben in Kesten. Maria lebt heute im Elternhaus ihres Großvaters. Als junges Mädchen zog sie auf Wunsch ihres Vaters und seines kinderlosen Bruders zu Onkel und Tante, die sie später versorgte. Hätte sie frei entscheiden können, wäre sie lieber in ihrer Großfamilie geblieben.

Dem guten Zusammenhalt der Geschwister schadete das aber nicht. Sie verstehen sich so gut wie eh und je und alle sprechen nach wie vor Kestener Dialekt. Auch die drei, die außerhalb leben: Ulrich, Drogistin Inge Kaspar (84) und in Hannover Marie-Theres Bohr (83).

Das Foto von 1946 zeigt die komplette Familie mit den Eltern Katharina und Jacob Steffen inmitten ihrer Kinder Otto, Josefine, Helene, Gisela, Hildegard, Maria, Inge, Marie-Theres und Ulrich (ihrem Alter nach genannt). Foto: TV/privat

Dass sie nun wegen Corona nicht feiern konnten, nehmen alle gelassen. Sie seien ja bescheiden aufgewachsen und hätten allerhand erlebt in all den Jahrzehnten. Einschließlich der Bombardierungen ihres Dorfes, woraufhin sie nach Monzel flohen. Das Bild des  Kinderwagens mit ihrem kleinen Bruder, der fast verschüttet wurde, sehen sie bis heute vor sich. „Jammern nur wegen Corona“ ist daher für die Kestener Geschwister Steffen nicht angesagt.