Acht Stunden Gardetanz in Piesport

Gardetanz : Acht Stunden Gardetanz in Piesport

Während die meisten Leute auf dem Liegestuhl in der Sonne badeten, Eis essen gingen oder bei voll aufgedrehter Klimaanlage den Tag im Eigenheim verbrachten, wurde in Piesport getanzt, was das Zeug hält.

Denn dort fand das Qualifikationsturnier zu den Landesmeisterschaften der Rheinischen Karnevals-Kooperation in der Moselhalle statt. Inspiriert von ihrer Lage an der Mosel-Loreley, entschied sich der Ausrichter und letztjährige deutsche Vizemeister, der Karnevalsverein „Mir sen’se“ Piesport, ihrem Turnier den Namen Mosel Loreley Cup zu geben. Dabei bietet es für ambitionierte Vereine die Möglichkeit, sich für die Landesmeisterschaften zu qualifizieren, dessen Teilnahme notwendig für die Deutsche Meisterschaft ist, die in diesem Jahr in Aachen stattfindet.

Der Piesporter Verein selbst jedoch hatte die Qualifikation zur Landesmeisterschaft bereits geschafft und konnte sich somit ohne Eigenteilnahme auf die Organisation des Events konzentrieren.

Die Schirmherrschaft hatte  der Präsident der Rheinischen Karnevals-Kooperation, Hans Meyer übernommen, der das Amt seit über sechs Jahren innehat. Er ist „durch und durch Karnevalist“. Vor allem „Brauchtum und Tradition“ spielen für ihn eine Rolle, doch vor der Zukunft verschließe man sich keinesfalls. So seien ebenfalls Themen wie neue Pläne zur Verletzungsprävention oder der Digitalisierungsprozess in der Karnevals-Kooperation von Belang.

Bei Außentemperaturen von mehr als 30 Grad Celsius dauerte es nicht lange, bis sich auch die Halle aufheizte. Das stellte Athleten vor große Herausforderungen.  „Ich zolle meinen größten Respekt vor dieser Leistung“, sagt Meyer.

Beim professionellen Gardetanzsport wird in der Bewertung auf jedes Detail geachtet. So gibt es eine Vielzahl von Kategorien, in denen die Teilnehmer des Mosel-Loreley Cups vor den Augen von insgesamt acht Wertungsrichtern viele Punkte erreichen können. Es sind offensichtliche Kriterien wie Synchronität, Choreographie, Schwierigkeitsgrad, Exaktheit der Bewegung und Gesamteindruck, doch auch für Laien weniger bekannte Aspekte wie  Temperament und Ausstrahlung fließen in die Bewertung mit ein.

 Dabei variieren die Maßstäbe je nach Disziplin. Beispielsweise wird in Solodarbietungen deutlich mehr Wert auf akrobatische Elemente gelegt als in den Gruppentänzen.

Bei einer derart genauen Beurteilung stehen die Tänzer unter hohem Druck. „Vor dem Auftritt bin ich immer nervös, aber wenn ich auf der Bühne stehe, vergesse ich alles um mich herum“, erzählt ein junges Tanzmariechen, das den Sport bereits seit dem vierten Lebensjahr ausübt.

Allgemein gehören der Rheinischen Karnevals-Koordination ungefähr 1400 Vereine an. Darunter seien auch viele junge Leute zu finden. Hans Meyer sagt: „Unsere Jugend lebt.“ Derzeit gäbe es etwa 44 000 Jugendliche, die im karnevalistischen Tanzsport involviert sind. Demnach ist die Zukunft für den Sport gesichert.

Nach acht Stunden tänzerischer Darbietungen verschiedenster Art ging der der Mosel-Loreley Cup  zu Ende. Insgesamt wurden die Gewinner von zehn Disziplinen gekürt.

Der Karnevalsverein Rot-Weiß Reisbach (Saarland) gewann in der Kategorie der weiblichen Senioren. Die Gewinner dürfen sich  nur kurz auf ihren Lorbeeren ausruhen, denn bald müssen sie ihr Können erneut unter Beweis stellen, bis schließlich feststeht, wer in diesem Jahr Deutscher Meister wird.

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