Adieu Edelsteinstadt, bonjour Eifel

Adieu Edelsteinstadt, bonjour Eifel

Als Schüler wollte er zur Kriminalpolizei. Das hat Roland Maurer geschafft: Seit 39 Jahren ist er bei der Polizei und jetzt neuer Kripochef in Wittlich. In seiner Karriere spielt ein berühmter Edelstein eine Rolle. Darüber spricht er mit TV-Redakteurin Sonja Sünnen.

Bitte erklären Sie mal, was Sie mit dem Prince of Burma verbindet! Roland Maurer: Ein hochintensives und -spannendes Ermittlungsverfahren im Jahr 2007, das in besonderem Maße die internationale polizeiliche Zusammenarbeit der Polizeibehörden in Italien, Österreich und Deutschland erforderte. Ein deutscher Edelsteinhändler war in Mailand im Rahmen eines typischen Rip-Deals ausgeraubt worden (Betrüger und Diebe täuschen Kaufwunsch vor, Anmerkung der Redaktion). Nach Anzeige der Straftat bei der Kripo in Idar-Oberstein leiteten die Beamten sehr umfangreiche und aufwendige Ermittlungen ein, die schließlich Wochen später zur Tatklärung führten. Neben der Festnahme mehrerer Täter in Villach in Österreich im Beisein der Kripobeamten aus der Edelsteinmetropole konnte der geraubte Prince of Burma, ein Riesenrubin mit geschätztem Wert von 3,2 Millionen Euro, sichergestellt und dem Geschädigten zurückgegeben werden. Nun denn, adieu Edelsteinstadt, bonjour Säubrennerstadt Wittlich: Was ist der für Sie auffälligste Unterschied?Maurer: Die Region Idar-Oberstein/Birkenfeld erscheint überschaubarer, der Bereich Wittlich hingegen deutlich weiträumiger.Mit 17 hat man noch Träume: Sie gingen zur Polizei: Wollten Sie zu den Guten gehören …?Maurer: Schon zu früher Schulzeit entwickelte ich eine Affinität für die Kriminalitätsphänomene Rauschgift und Mord. Wohl deshalb ging ich zur Polizei und dort möglichst schnell zur Kripo. Mit 56 Jahren und so vielen beruflichen Stationen wird man vermutlich zum Realisten: Was haben Sie über das Böse im Menschen gelernt, warum sind Sie bei der Polizei geblieben?Maurer: Realist war ich eigentlich immer, überrascht hat mich deshalb im Berufsleben relativ wenig. Vielleicht wegen der häufig erlebten Spannung war ein Berufswechsel für mich nie Thema.Wenn man dauernd mit Mord, organisierter Rauschgift- und Gewaltkriminalität und so fort zu tun hat: Was schaut man im Fernsehen: Eher Tatort, Rosamunde Pilcher, Natursendungen?Maurer: Tatortfilme erscheinen zumindest in Teilen oft realitätsfern, interessieren mich daher weniger. Rosamunde Pilcher - na ja, zu viel der heilen Welt. Ich bin eher ein Naturmensch mit weniger Fernsehen. Inwieweit hat bei Ihnen auch schon Kommissar Zufall eine Rolle gespielt?Maurer: Unvergesslich bei der Aufklärung eines Tötungsdeliktes. Ein junger Aushilfstankwart war brutal erschossen worden. Der Täter war zunächst nicht zu ermitteln. Zufällig geriet er Wochen später aus anderem Anlass in eine Polizeikontrolle. In seinem Wagen führte er eine Schusswaffe mit - eine illegale Waffe, die nirgendwo registriert war. Es handelte sich um die von uns seit dem fraglichen Mord fieberhaft gesuchte Tatwaffe. Der Rest war dann Routine. Dieses "Quäntchen Glück" gehört einfach dazu, sowohl im Berufs- als auch im Privatleben. Sie scheinen ja nicht nur im Beruf Ausdauer zu haben bei Hobbys wie Jogging, Radfahren, Fußball. Wann haben Sie denn dafür Zeit?Maurer: Die Zeit ist natürlich knapp, man muss sie sich deshalb einfach nehmen, sich mitunter dazu zwingen. Letztlich lohnen sich sportliche Aktivitäten immer, sorgen für die notwendige physische und psychische Entspannung. Oft reicht mir schon eine intensive halbe Stunde, den Kopf frei zu kriegen. Was glauben Sie: Gibt es im Leben eine Art "ausgleichende Gerechtigkeit"?Maurer: Die gibt es ganz sicher - andererseits vielleicht viel zu wenig. Extra

Roland Maurer, neuer Leiter der Kriminalinspektion Wittlich, war von 2003 bis zum Wechsel nach Wittlich Leiter der KI Idar-Oberstein. Die KI Wittlich ist unter anderem zuständig für den Eifelkreis Bitburg-Prüm. Er lebt mit seiner Familie im Landkreis Bad Kreuznach. sos

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