Ärger mit Sperrmüllplünderern
Wittlich · Im gesamten Kreis wird der Sperrmüll an wenigen festen Terminen im Jahr abgefahren. Das ist für die Abfuhrunternehmen sinnvoll, denn auf einen Schlag kann viel Müll gesammelt werden. Die großen Sperrmüllansammlungen locken aber auch Sammler an, die die Sammelorte dann durcheinanderbringen. Das ärgert TV-Leser Hans-Günther Heinz.
Wittlich. "Ich beobachte das seit drei Tagen und habe 20 Kleintransporter mit ausländischen Kennzeichnen gesehen. Die Fahrer steigen aus, wühlen die Sperrmüllhaufen durcheinander und suchen wertvolle Sachen. Danach sieht es furchtbar aus auf der Straße." Hans-Günther Heinz ist verärgert.Gefährliche Situation: Der Anwohner der Koblenzer Straße in Wittlich beobachtet immer wieder, dass vor dem Termin der Abfuhr des Sperrmülls unbekannte Leute Sachen aussortieren und anderes liegen lassen. "Das ist gefährlich für Fußgänger und Autofahrer, wenn die Sachen wild verteilt herumliegen," beschwert sich Heinz. Man müsse sich schämen, wenn man durch die Stadt gehe. Er hat das im Wohngebiet am Rollkopf, der Danziger Straße und der Kolberger Straße ebenso beobachtet wie in der Neustraße in der Innenstadt. In einem Brief an den Bürgermeister der Stadt Wittlich, Joachim Rodenkirch, fordert Heinz diesem Missstand umgehend entgegenzuwirken. Die Stadt reagiert: Die Stadt hat bereits einen Tag später geantwortet und verweist darauf, dass sowohl die Stadt, vertreten durch das Ordnungsamt wie auch die für die Abfallentsorgung zuständige Kreisverwaltung daran arbeiten, das Sammlerunwesen mit Kontrollen einzudämmen. Alle diese Maßnahmen hätten jedoch nur ein geringes Abschreckpotenzial. Die bestehenden Verträge mit den Entsorgern laufen bis 2016. Sperrmüll auf Abruf: Dann soll diskutiert werden, ob man in Zukunft nicht ein Modell "Sperrmüll auf Abruf" einführen soll, bei dem mehrmals im Jahr Sperrmüll abgeholt werden soll. Ein solches Modell gibt es zum Beispiel in Trier, wo bis zu zwölf Mal im Jahr Sperrmüll abgefahren wird. Anwohner können anrufen und ihren Sperrmüll anmelden. Dann werden diese Anrufe gesammelt und monatliche Abfuhren organisiert. Kleine Müllmengen unattraktiv: Wie Wittlichs Pressesprecher Jan Mußweiler dem TV mitteilt, begrüße die Stadt eine solche Regelung. Denn dann würde es für Müllsammler unattraktiv zu kommen, weil die Sperrmüllmengen kleiner würden. Mike Winter von der Kreisverwaltung erklärt dazu auf TV-Nachfrage: "Bereits in der vergangenen Woche haben zwei Mitarbeiter der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich Kontrollen in der Stadt Wittlich durchgeführt." Bei den Kontrollen wird überprüft, welche Gegenstände gesammelt worden sind. Sondervorschrift Elektrogeräte: Wurden zum Beispiel Elektroaltgeräte gesammelt, so werden diese sichergestellt, denn Altgeräte dürfen ausschließlich durch öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger, Vertreiber oder Hersteller erfasst werden. Diese Vorschrift macht Sinn. Elektrogeräte enthalten oftmals Rohstoffe, insbesondere auch seltene Rohstoffe, die im Rahmen eines geordneten Entsorgungsverfahrens einer Wiederverwendung zugeführt werden können. Nicht als Diebstahl verfolgt: Die Mitnahme von sonstigem Sperrmüll werde hingegen von der Kreisverwaltung nicht als Diebstahl verfolgt. Das wird so begründet: Nach Paragraf 9 der Abfallwirtschaftssatzung des Landkreises geht der Abfall mit dem Verladen auf den Abfuhrwagen in das Eigentum des Landkreises über. Die Personen, die den Sperrmüll zur Abholung bereitgestellt haben, wollten sich dessen bewusst entledigen. Bedürftige Menschen: Zwar heißt es auch in dieser Satzung, dass Unbefugte bereit gestellte Abfallbehältnisse oder Abfälle nicht durchsuchen dürfen. Jedoch stellen manche Bürger sogar in der Absicht, dass bedürftige Menschen noch den einen oder anderen brauchbaren Gegenstand finden, frühzeitig vor dem eigentlichen Abfuhrtermin das Material zur Abholung bereit. Kreisverwaltung duldet das: "Deshalb duldet die Kreisverwaltung in gewissem Umfang, dass private Sperrmüllsammler unterwegs sind, " so Mike Winter.Heinz ist mit diesen Antworten nicht zufrieden. Er fordert mehr: "Das sind gut gemeinte Vorschläge, dem Chaos entgegenzuwirken, wenn sie denn realisiert werden. Man müsste die Sammler vor Ort stellen und sie mit ihren Taten konfrontieren. Inflagranti erwischen: Die räumen ja auch noch auf Parkplätzen, zum Beispiel am Rommelsbach in mehreren Fahrzeugen um. Da müsste man sie inflagranti stellen und verwarnen beziehungsweise bestrafen. Wenn die einmal verwarnt werden, haben wir Ruhe und die kommen nie wieder." Meinung
Mit Härte durchgreifenEs ist verständlich, dass das Sperrmüllsammeln in gewissen Maßen locker gesehen werden kann. Der eine Nachbar braucht vielleicht noch ein Regal für die Garage und wird nebenan fündig. Aber wenn das Sperrmüllsammeln bandenmäßig betrieben wird - und viele Indizien sprechen dafür - dann ist es höchste Zeit, mit der entsprechenden Härte durchzugreifen. Wenn sich unter den professionellen Müllsammlern herumspricht, dass die Polizei im Kreis Verwarngelder einkassiert, kehrt vielleicht endlich Ruhe ein. hp.linz@volksfreund.de