Ärger über Kreistagsvotum

Der Kreis möchte zum jetzigen Zeitpunkt kein Geld in eine Schule stecken, deren Bestand auf Dauer gefährdet sein könnte - und übernimmt deshalb die Trägerschaft der Thalfanger Realschule plus nicht. Der TV hat sich bei den Politikern vor Ort umgehört.

"Bedauerlich und nicht nachvollziehbar": Mit Unverständnis reagieren die Politiker der Verbandsgemeinde (VG) Thalfang auf den Beschluss des Kreistags, die Trägerschaft der Erbeskopf-Realschule plus zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu übernehmen.

Der Grund für die Entscheidung des Kreistags sind hohe Sanierungskosten von insgesamt etwa 8,4 Millionen Euro für das Schulgebäude (der TV berichtete). Auf diesen könnte Bernkastel-Wittlich sitzen bleiben, sollte die VG Thalfang im zweiten Schritt der Kommunalreform bis 2019 in einen anderen Kreis wechseln, befürchtet der Kreistag.

Das sagt der Bürgermeister: Die Entscheidung sei für die VG ein Rückschritt, sagt Bürgermeister Hans-Dieter Dellwo. Nun seien die Gremien der VG gefordert, "schnell eine sachgerechte und zeitnahe Umsetzungs- und Finanzierungsvariante" zu finden - angesichts der bereits eingetretenen Verzögerungen (siehe Extra).Der Schulstandort Thalfang steht für ihn als "existenzielle Infrastrukturgrundlage" außer Frage. Das sagt die SPD: Die VG werde und müsse nun die richtigen Signale für die Schule setzen, sagt auch Fraktionsvorsitzender Detlef Jochem. Seine Fraktion bedaure den Entschluss des Kreistags, "weil wir versucht haben, dem Kreis bei der Kommunalreform den Rücken zu stärken". Jochem spielt damit auf die Entscheidung des VG-Rats von Juni an. Damals hatte sich der Rat einem Kreistagsbeschluss angeschlossen, der sich gegen Gebietsänderungen ausgesprochen hatte.

Das sagt die CDU: Fraktionsvorsitzender Winfried Welter hat die Entscheidung ebenfalls mit Bestürzung zur Kenntnis genommen. Nun müsse intern geklärt werden, wie die Fraktion weiter vorgehe.

Das sagt die FDP: "Es ist bedauerlich. Wir hatten einen eindeutigen Beschluss gefasst und sind davon ausgegangen, dass der Kreis die Schule übernimmt", sagt Fraktionsvorsitzender Werner Breit. Für ihn zählt das Argument des Kreistags nicht. "Wir werden nach 2014 auch über die Kreise reden müssen, da weiß niemand, wie es weitergeht." Es gelte nun, zum Wohl der Kinder eine vernünftige Lösung für die Schule zu finden.

Das sagt die FWG: Auf eine schnelle Lösung pocht auch FWG-Fraktionsvorsitzender Richard Pestemer. Seiner Meinung nach werden die Auseinandersetzungen um die Gebietsreform nun zulasten der Schüler ausgetragen. "Klar ist aber, dass die Sanierung der Realschule plus keinen weiteren Aufschub erlaubt, gleich wie sich die Kommunalreform bezogen auf die VG Thalfang und den Kreis Bernkastel-Wittlich auswirkt."Extra

Mit der Sanierung der Erbe s kopf-Realschule plus in Thalfang befasst sich die Kommunalpolitik konkret seit etwa sieben Jahren. Fehler bei der Vergabe der Architektenleistung sowie Diskussionen um die Kosten, die abgespeckt werden mussten, hatten sie hinausgezögert. Nun ist laut Verwaltung geplant, die Schule in einem ersten Bauabschnitt innen zu sanieren, so dass moderne Räume entstehen. Um die Brandschutzauflagen zu erfüllen, sollen neue Fluchtwege geschaffen werden. Zudem erfolgt die Schadstoffsanierung, da in der Raumluft polychlorierte Biphenyle (PCB) festgestellt worden waren. Die Kosten liegen bei 5,45 Millionen Euro. Ein Förderantrag liegt laut VG-Sprecher Michael Suska derzeit beim Land. Es werden Zuwendungen von 1,9 Millionen Euro erwartet. In einem zweiten Bauabschnitt soll das Gebäude für drei Millionen Euro nach außen wärmegedämmt werden. hsc