Ärger um die Cusanus-Hochschule in Bernkastel-Kues

Bildung : Ärger um Cusanus-Hochschule: Politiker bleibt Empfang fern

Hochschul-Streit: Politiker Alexander Licht wird heute nicht zum Empfang in Bernkastel-Kues kommen. Die neue Ausrichtung der Cusanus-Hochschule lasse sich nicht mit dem Namensgeber vereinbaren, sagt er. Das seien „alte Kamellen“ entgegnet Hochschul-Präsident Reinhard Loske.

Vor dem Wechsel des Präsidiums der Cusanus-Hochschule in Bernkastel-Kues kam es zu schwerwiegenden Verwerfungen zwischen der philosophischen und der ökonomischen Fakultät der Schule. Professor Harald Schwaetzer, einer der Gründer der Hochschule, trat von seinem Amt zurück. Ihm folgten weitere Dozenten der Philosophie und Studierende (der TV berichtete mehrfach).

Heute ist ein Empfang, mit dem der Einzug in das neue Hochschulgebäude im Hotel Drei Könige gefeiert werden soll. Dazu hat der neue Präsident der Schule, Professor Reinhard Loske, ein ehemaliger Bundestagsabgeordneter der Grünen und Umweltexperte, eingeladen.

Aber nicht alle eingeladenen Gäste werden kommen. Alexander Licht, Mitglied des Landtags (CDU) und Vorsitzender der Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte, teilt dem Volksfreund mit, dass er und weitere regionale Politiker an dem Empfang nicht teilnehmen werden. Licht zählt ebenso wie Harald Schwaetzer zu den Gründern der noch jungen Hochschule, die im Jahr 2015 ihre Zulassung vom Wissenschaftsministerium erhalten hat.

Licht begründet das unter anderem mit dem Text des Einladungsschreibens, dem ein zweiseitiger Brief beigefügt war. Darin wird die Ausrichtung der Schule für die Zukunft skizziert. Auch auf den Konflikt zwischen Ökonomen und Philosophen geht das Schreiben ein. Demnach sei das Interesse potenzieller Studierender für Philosophie zu gering und die finanziellen Spielräume seien zu eng, um die bislang gleichrangige Gewichtung von Philosophie und Ökonomie zu erhalten. Der Schwerpunkt der Cusanus-Forschung und der „spirituellen Philosophie“ werde deswegen nicht mehr in gleicher Weise weiter existieren können.

Das sieht Alexander Licht nicht so. Aus seiner Sicht ist die Gleichberechtigung von Philosophie und Ökonomie eine Grundvoraussetzung für die Existenz der Hochschule, wie er erläutert.

 In den vergangenen Wochen gab es mehrere Gespräche über diesen Streit, denn die Schule wird von der Stadt Bernkastel-Kues und der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues unterstützt. Licht sagt: „Auch der Besuch des neuen Präsidenten mit Silja Graupe beim Ältestenrat der Stadt und der Verbandsgemeinde hat eher zu einer weiteren kritischen Betrachtung geführt als Entlastung zu bringen.“ Vorstand und Bürgermeister seien „getäuscht und mit manipulierten Entscheidungen konfrontiert worden“. Licht: „Deshalb kann ich derzeit nicht als Freund noch als Unterstützer der Hochschule einer solchen allgemeinen Einladung folgen.“

In der Einladung werde dazu aufgefordert, „einen neuen Weg“ mit zu gehen. Dazu sagt Licht: „Dass dieser neue Weg an der eigenen Hochschulordnung vorbei, das heißt ohne die Einbindung des Senats, geschweige denn der kommunalpolitischen Entscheidungsträger vor Ort, vorbereitet wurde, bezeichne ich als einen großen Vertrauensbruch gegenüber der Region. Ob eine inhaltliche Neuausrichtung einer Hochschule mit dem Bruch der kompletten Fakultät der Philosophie, mit Lokalpolitikern zu diskutieren gewesen wäre, bleibt sicher strittig.“

Bei der Erst-Akkreditierung der Hochschule, also der Genehmigung des Landes, eine solche zu betreiben, sei die starke Verknüpfung mit Cusanus als Namensträger und eine gewollte starke Verknüpfung mit der Region eine wichtige Komponente gewesen. Dieser „neue Weg“ jedoch trage, so Lichts Sichtweise, zur Gefährdung einer anstehenden Akkreditierung als zu ihrer Sicherung bei. Reinhard Loske reagiert auf diese Vorwürfe. Dem TV gegenüber sagt er: „Ich verstehe nicht, warum der Abgeordnete Licht diesen positiven Prozess nun durch das Hervorholen ,alter Kamellen’ zu stören versucht. Ich glaube auch nicht, dass diese Haltung für die Stadtöffentlichkeit von Bernkastel-Kues repräsentativ ist. Ich habe allergrößtes Interesse an der Einbindung der Hochschule in der Region. Wir fühlen uns der Region verbunden und wollen mit dem Projekt „Offener Hörsaal“ Stadt und Region mit einbeziehen.“ Alle Gespräche mit der Stadt und lokalen Gremien seien bislang harmonisch und konstruktiv verlaufen. Das Fach Philosophie soll demnach in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, aber nicht als „reine Philosophie des Geistes“. Vielmehr würden die Schwerpunkte auf Ökonomie, sozialer Verantwortung und Gesellschaftsgestaltung liegen, an denen sich die Bachelor- und Masterstudiengänge ausrichten.

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