AfD in Wittlich zum zweiten Mal vor die Tür gesetzt

Lokalpolitik : AfD in Wittlich zum zweiten Mal vor die Tür gesetzt

Nach dem Gasthaus Daus darf die Partei nun auch nicht mehr im Gasthaus Zur Breit tagen. Der Kreisverband ist entsetzt und beschuldigt einen Unternehmerverband, den Gastwirt unter Druck gesetzt zu haben.

Eine üble und in gewisser Weise auch peinliche Überraschung erlebten die Mitglieder des AfD Kreisverbands Bernkastel-Wittlich in Begleitung einiger Bürger, als sie zum jüngsten Treffen des Kreisverbands am Freitag, 28. Juni, im Gasthof Zur Breit in Wittlich eintrafen. Dort teilte ihnen Gastwirt Klaus Kreutz, stellvertretender Geschäftsführer, mit, dass ihr Treffen die letzte Zusammenkunft des AfD-Kreisverbands auf der Breit sein werde. Für den AfD-Kreisverband und insbesondere Vorsitzende Brigitte Hoffmann war das ein echter Tiefschlag: „Seit 2016 und nunmehr drei Jahren tagen wir im Gasthaus Zur Breit. Es gab nie irgendwelche Vorfälle, keine Randale, keine Gegendemos, und zu unseren monatlichen Treffen kommen auch Bürger. Wenn wir keine angenehmen Gäste wären, könnte man diese Entscheidung ja nachvollziehen, aber zu unseren Veranstaltungen kommt ein ganz normales Publikum.“
Die Beendigung der Zusammenarbeit sei ihr vom Gastwirt, den sie in keiner Art und Weise kritisieren wolle, im freundlichen angenehmen Ton kommuniziert worden, sagt Hoffmann. „Bei einem anderen Gespräch mit der Familie der Gastwirte habe ich nämlich den wahren Grund erfahren.“

Anschuldigung Wie Hoffmann behauptet, sei der Gastwirt vom Unternehmernetzwerk BNI Koblenz-Trier dazu gedrängt und unter Druck gesetzt worden, die Zusammenarbeit mit der AfD zu beenden. Gastwirt Klaus Kreutz bestreitet diese Behauptung der AfD-Kreisvorsitzenden nicht und sagt – ohne Details zu nennen: „Es hat da irgendwo eine E-Mail vom BNI gegeben.“

Nach Angaben des AfD-Landtagsabgeordneten Michael Frisch hat der BNI ihm gegenüber die Vorwürfe abgestritten. Er bezweifelt dies jedoch, da der Rauswurf aus heiterem Himmel kam.

„Das schränkt uns und unser Recht auf Versammlungsfreiheit ein. Wenn wir uns nirgendwo treffen können,  können wir den Laden auch sofort dichtmachen“, sagt er.

Dazu kommt: Es ist nicht das erste Mal, dass der AfD-Kreisverband hinauskomplimentiert wurde. „Gleiches ist uns vor drei Jahren in einer Gastwirtschaft in der Wittlicher Innenstadt passiert, wo wir uns regelmäßig getroffen hatten. Da war der Gastwirt ebenfalls von anderer Seite dahingehend bearbeitet worden, uns nicht länger zu bewirten, was ihm schlaflose Nächte bereitet hat. Er hat darauf ganz sensibel reagiert.“
Für die Gastwirte, sagt Hoffmann, die von Dritten unter Druck gesetzt würden, weil sich ihre Partei dort treffe, wolle sie eine Lanze brechen: „Es ist purer Stress für die Gastwirte, die uns immer neutral behandeln wollten, wenn sie von Verbänden, der Politik oder Gewerkschaft unter Druck gesetzt werden, sich zu positionieren und uns die Zusammenarbeit aufzukündigen.“
Darüber hinaus gehe es ihr jedoch nicht nur um die eigene Partei. „Wenn eine andere Partei so stigmatisiert würde, dann würde ich genau so reagieren.“ Sie erwarte vom BNI sowohl eine Entschuldigung bei der Partei als auch bei Gastwirt Kreutz.

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BNI Aber hat das Unternehmernetzwerk BNI denn überhaupt Einfluss auf den Gastwirt genommen und ihn dazu gedrängt, die AfD vor die Tür zu setzen, wie es von Seiten der Partei behauptet wird? „Nein“, sagt Peter Blum, Geschäftsführer des Unternehmernetzwerkes BNI Koblenz-Trier. „Wir haben bloß unsere Termine im Gasthaus Zur Breit aufgekündigt, weil niemand mehr zu unseren Veranstaltungen kommen mochte.

Anmeldungen blieben aus. Wie uns von Mitgliedern zurückgespielt wurde, wird vermutet, dass es daran liegt, dass die AfD dort mittlerweile ihr Stammlokal hat.“ Da er den Gastwirt, der ihn gefragt habe, weshalb der BNI nicht mehr kommen wolle, nicht habe im Unklaren lassen wollen, habe er ihm reinen Wein eingeschenkt: Blum: „Ich habe ihm die Wahrheit gesagt, dass wir vermuten, es könne mit der AfD zusammenhängen, die dort ebenfalls tagt. Ich wollte ja nicht, dass er denkt, er hätte etwas falsch gemacht oder das Essen sei schlecht gewesen, was ja nicht zutrifft, weil wir dort immer sehr gut bewirtet worden sind.“

Allerdings habe er dem Gastwirt nie dazu geraten oder ihn gar gedrängt, die AfD vor die Tür zu setzen. „Wir nehmen keinen politischen Einfluss, und wir würden uns niemals erlauben, einem Gastwirt zu sagen, welche Gäste er zu bewirten hat und welche nicht.“ Von daher werde er sich auch nicht bei der AfD entschuldigen, sagt Blum.

Gastwirt Der TV hat Gastwirt Klaus Kreutz zu seiner Entscheidung, die AfD künftig nicht mehr zu bewirten, um eine Stellungnahme gebeten: Auch wenn er nicht mehr im Wortlaut wiedergeben kann, was in der E-Mail des BNI gestanden habe, sagt Kreutz: „Wir haben schon des öfteren E-Mails und Kommentare von Gästen bekommen, die es gestört hat, dass die AfD hier tagte. Irgendwann ist man gezwungen zu handeln.“ Das Gasthaus Zur Breit sei ein familienfreundlicher und bei Kindern beliebter Gasthof. Die AfD stehe in der Öffentlichkeit oftmals in einem negativen Licht, sagt Kreutz. Da sehe er die Gefahr, dass Tagungen der Partei in seinem Gasthaus auch auf die Breit kein gutes Licht werfen würden. Bei einigen Gästen würde die AfD negative Assoziationen hervorrufen, meint der Gastwirt.  „Da sitzt man als Gastwirt in der Zwickmühle und wird unter Zugzwang gesetzt.“

Eigentlich habe er mit Politik nichts am Hut, sagt er, „aber irgendwann war das Fass voll. Zusätzlich hat mein Vater noch einen Schlaganfall erlitten. Da kamen viele Dinge zusammen. Und ich musste im Sinne unseres Geschäfts handeln.“

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