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Afrikanische Schweinepest rückt näher

Gesundheit : Afrikanische Schweinepest: Der Mensch verbreitet die Seuche

Die Schweinepest rückt näher. Ihr Ausbruch im Kreis könnte gravierende Folgen haben.

In Belgien, an der Grenze zu Luxemburg, wurde zum Stichtag 21. Oktober 2019 bei 3999 getesteten Wildschweinen in 827 Fällen die Erreger der Afrikanischen Schweinepest (ASP) nachgewiesen. Das Gebiet liegt im äußersten Südwesten Belgiens in der Wallonie und grenzt an Luxemburg. Zuletzt wurde dort am 7. November ein positiv getestetes Wildschwein gefunden. Die ersten Fälle wurden schon vor über einem Jahr festgestellt. Schutzzäune und sogar der Einsatz der belgischen Armee sollen die Seuche eindämmen, der gesamte Wildschweinbestand muss dafür dezimiert werden.
Am 15. November informierte der polnische Veterinärdienst über die Feststellung von ASP bei einem Stück Unfallwild in der Gemarkung Lebus, 80 Kilometer von Brandenburg entfernt. Die nächst gelegene Seuchenzone ist von dort 300 Kilometer entfernt, sie liegt im äußersten Osten Polens. Auch bei Lebus wurde nun ein Zaun mit 36 Kilometer Länge in einem Radius von fünf Kilometer um die Fundorte errichtet. Auch hier sind die polnischen Streitkräfte bei der Durchsuchung des Gebiets beteiligt.

Am 2. Dezember wurden weitere Fälle von ASP in der Gemarkung Nowolski gemeldet, diese Fälle sind nur noch 40 Kilometer von Deutschland entfernt.
Diesen aktuellen Überblick bietet die Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich, deren Veterinär-Abteilung die Entwicklung der Seuche in Europa beobachtet und die Entscheidungsträger auf dem Laufenden hält. Was ist so gefährlich an der Afrikanischen Schweinepest und welche Vorkehrungen gibt es, um sie einzudämmen?

ASP ist eine anzeigepflichtige Tierseuche, von der Wild- und Hausschweine betroffen sind. Nach einer Infektion entwickeln die Tiere innerhalb weniger Tage hohes Fieber, es kommt zu Blutungen und Hustenanfällen. Die Todesrate beträgt knapp 100 Prozent. Eine Impfung ist nicht möglich. Die Seuche ist für den Menschen ungefährlich.

Die Übertragung erfolgt über direkten Kontakt, aber auch über verseuchte Fleischwaren wie Salami oder Schinken, in denen das Virus bis zu sechs Monate überleben kann. Darin sieht Jutta Alt, Fachbereichsleitung Veterinärdienst der Kreisverwaltung, auch einen Grund für die sprunghafte Ausbreitung der Seuche. Denn ihr eigentliches Zentrum innerhalb Europas ist das viel weiter entfernte Rumänien. Dort ist die Seuche, wie auch in Bulgarien, schon auf die Hausschweine übergesprungen.

In den drei Monaten von September bis November sind in Rumänien 381 ASP-Fälle bei Hausschweinen gemeldet worden, 153 Wildschweine waren betroffen, wie die Kreisverwaltung mitteilt. Ursache sei die in Rumänien noch weit verbreitete Hinterhofhaltung von Hausschweinen.

Ein aus dieser Gegend stammendes, infiziertes Salamibrot, das an einem Rastplatz weggeworfen wird, könne demnach ausreichen, um auch Hunderte Kilometer entfernt ASP auszulösen. Alt: „Die Seuche kann durch ganz Europa verschleppt werden und es ist der Mensch, der sie verschleppt.“

Sollte ASP im Landkreis nachgewiesen werden, dann tritt ein Notfallplan in Kraft, der mit den Nachbarlandkreisen abgestimmt ist. Das Gebiet wird dann weiträumig abgesperrt und die Zwangskeulung von Hausschweinen in dem Bereich wird behördlich angeordnet. Ziele dieser Maßnahmen ist die Eindämmung der Seuche.

Das hat freilich einen hohen Preis: Die Kosten dieser Maßnahmen würden sich auf rund 100 000 Euro belaufen - pro Woche. „Wenn dieser Fall wirklich eintreten sollte, dann ist unser Haushalt für 2020 hinfällig,“ sagte Landrat Gregor Eibes in der jüngsten Kreistagssitzung dazu.