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Ahmadiyyah-Muslime setzen sich für Gewaltfreiheit ein

Gesellschaft : Muslime setzen sich für Gewaltfreiheit ein

Mit Informationskampagnen und einem Spendenlauf wollen Gläubige aus Wittlich über ihre Religionsgemeinschaft informieren. Außerdem gibt es Pläne für eine Moschee in Trier.

Die Ahmadiyyah Muslim Jamaat Gemeinde zählt weltweit zu den kleinsten muslimischen Gemeinden. Bundesweit hat sie rund 45 000 Mitglieder, in Wittlich leben rund 100 davon, die die Moschee in Wittlich-Wengerohr besuchen. Zum Vergleich: Die Gesamtzahl der Muslime in Deutschland wird auf zirka 4,7 Millionen geschätzt. Der Vorsitzende der Wittlicher Gemeinde, Kasim Dalkilic, erläuterte gemeinsam mit Noman Khalid von der Moschee in Koblenz und dem Imam Javaid Iqbal in einem Pressegespräch eine neue Informations-Kampagne, die seine Religionsgemeinschaft in den nächsten Wochen starten will.

„Die Loyalität der Muslime in Deutschland wird immer wieder infrage gestellt. Manche Leute haben Angst vor dem Islam, was dazu führt, dass die Muslime nicht als Teil Deutschlands betrachtet werden,“ sagt Noman Khalid. Dabei verweist er auf die Vielzahl der Terroranschläge, die in den vergangenen Jahren im Namen des Islam verübt worden sind. Davon grenze sich die Ahmadiyya-Gemeinde auf das Schärfste ab, denn das Motto seiner Religionsgemeinschaft laute „Liebe für alle, Hass für keinen!“. In den nächsten Monaten wird es deshalb Info-Flyeraktionen und Infostände in Wittlich und in den Ortsbezirken geben (Termine siehe Extra) im Rahmen der Infokampagne „Wir sind Deutschland“. Ein erster Höhepunkt dieser Kampagne wird der Charity Walk am 19. Mai sein, der an der Hamd Moschee in der Werkstraße in Wittlich-Wengerohr startet und dessen Schirmherr Wittlichs Bürgermeister Joachim Rodenkirch ist. Der Erlös geht an den Kinderschutzbund.

Die Loyalität zu dem Land, in dem man lebt, ist für Ahmadiyya-Muslime gesetzt. Das erklärt Noman Khalid: „In Kapitel 4, Vers 60 ist im Heiligen Koran befohlen, dass man Gott und seiner Regierung gehorchen soll. Wenn eines davon nicht zutrifft, dann ist das gegen den Koran.“ Die Liebe zum Heimatland sei ein Teil des Glaubens. Dennoch gebe es Terror und Gewalt im Namen der Religion, was für seine Religionsgemeinschaft nicht gelte. „Wir sind eine Reformbewegung des Islam, die den Islam von alten Verkrustungen befreien und die ursprünglichen Werte wiederbeleben soll,“ sagt Khalid. Die Trennung von Religion und Staat, die Gleichberechtigung von Frau und Mann und der absolute Verzicht auf Gewalt zählten dazu.

Die Ahmadiyya-Gemeinschaft finanziere sich aus Spendengeldern und eigenen Geldern. Das liegt auch daran, dass die Ahmadiyya einen besonderen Status in der muslimischen Welt haben. Sie glauben an die Auslegungen des Koran und die Offenbarungen von Hadrat Mirza Ghula Ahmed, der die Gemeinschaft in 1880er Jahren in Britisch-Indien (heutiges Pakistan) gegründet hat. Damit haben sie ein in der gesamten Gemeinschaft anerkanntes Oberhaupt, dessen Kalifat als rein spirituell und nicht als weltlich betrachtet wird. Aktueller religiöser Führer ist Mirza Masrur Ahmad, er ist der fünfte Kalif der Gemeinschaft, und lebt in Großbritannien.

Manche anderen Muslime lehnen daher die Ahmadiyya-Lehre ab. In gewissen islamischen Ländern werden die Gemeinden der Ahmadiyya demnach bekämpft und verboten - wie auch in Pakistan, dem Herkunftsland der Religion. Wie Kasim Dalkilic von der Wittlicher Gemeinde erklärt, gibt es aber weltweit in vielen Ländern kleinere Gemeinden der Ahmadiyya, sogar in Israel. Javaid Iqbal, Imam der Gemeinde in Wittlich-Wengerohr, fügt hinzu, dass die Imame der Ahmadiyya Gemeinde in Deutschland und nicht im Ausland ausgebildet werden.

Welche weiteren Pläne hat die Ahmadiyya-Gemeinde noch in der Region? Kasim Dalkilic weist darauf hin, dass es auch in Trier viele Gemeindemitglieder gibt, die momentan noch im Trier-Norder Bürgerhaus zusammenkommen. Deshalb sei geplant, auch in Trier eine Moschee zu bauen. In Anbetracht der hohen Immoblienpreise sei die Lage dabei nicht so wichtig, ein Standort in einem Gewerbegebiet sei durchaus denkbar. Das passe auch in das sogenannte „100-Moscheen-Projekt“ der Ahmadiyya-Gemeinde. Demnach sollen in Deutschland langfristig insgesamt 100 Moscheen gebaut werden.