Aktenberge erdrücken Landwirte

WITTLICH. Es gibt viel Themen, die den Landwirten auf den Nägeln brennen. Entsprechend lebhaft gestaltete sich die Diskussion bei der Dreikönigstagung des Kreis-Bauern- und Winzerverbandes rund um den Vortrag von Landwirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage. Er referierte zum Thema "Landwirtschaft in Rheinland-Pfalz zwischen Bürokratismus und Unternehmertum".

Zu Beginn der Versammlung wurden die Bauern und alle Ehrengäste erst einmal zur Kasse gebeten. Die Sternsinger der Gemeinde St. Bernhard, in deren Jugendheim das Treffen stattfand, brachten ein Ständchen und sammelten anschließend Geld für Kinder in Not. Dann ging jedoch direkt ums Thema "Landwirtschaft". Landrätin Beate Läsch-Weber unterstrich bei ihrem Grußwort die besondere Bedeutung und Qualität der regionalen Produkte, die es zu erhalten und zu fördern gelte. Diesen Gedanken griff auch Michael Horper, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Bitburg-Prüm, der in Vertretung von Leo Blum auch für den Bauernverband Rheinland-Nassau gekommen war, auf. Er sprach von der besonderen Vielfalt der landwirtschaftlichen Produkte in Rheinland-Pfalz, die von Tabak über Milch, Fleisch, Getreide, Wein und nachwachsende Rohstoffe reichen.Milchqote, Hygiene und Flurbereinigung

"Muss man alles regeln, die Menschen entmündigen?" Dieser Frage ging Minister Hans-Artur Bauckhage in seinem Vortrag nach. "Wenn es um die Landwirtschaft und den ländlichen Raum geht, führt kein Weg an der gemeinsamen europäischen Agrarpolitik vorbei", räumte Bauckhage ein. Die Umstellung von Tier- und Flächenprämien hin zu einem produktionsunabhängigen Bewirtschaftungsgeld habe für die Landwirte noch mehr Bürokratismus und mehr Vorschriften, aber weniger Geld gebracht, sagte er. Dennoch stehe Rheinland-Pfalz bei der Auszahlung der Prämien im Vergleich zu anderen Ländern gut da. Am 28. Dezember 2005 hätten rund 15 300 rheinland-pfälzische Bauern 129 Millionen Euro erhalten. Manfred Zelder, der Vorsitzende des Bauern- und Winzerverbandes Bernkastel-Wittlich, relativierte diese Zahl und verglich sie mit den 80 Millionen Euro, die die Sanierung des Stadions in Kaiserslautern koste. "Nicht Subventionen, sondern Ausgleichszahlungen", nannte er die Prämien, die für die Landwirte ein Ausgleich für die "Preissenkungen, die man uns zugemutet hat" sein sollten. In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass es eine Vielzahl von Themen gibt, die die Landwirte im Kreis Bernkastel-Wittlich bewegen. Ob Milchquote, Förderung in den neuen Bundesländern, die nach Meinung vieler Bauern im hiesigen Bereich, zu hoch ist, nachwachsende Rohstoffe, Flurbereinigung, Hygieneverordnung, Bauckhage musste sich vielen Fragen stellen. Er sprach sich dafür aus, die Kontrollen im Bereich des Hygienepaktes maßvoll zu gestalten. "Den aktiven Landwirten darf nicht jegliche Motivation genommen werden". Auch die Beschäftigung von Saisonarbeitskräften, die mittlerweile für die Landwirte und Winzer teurer und mit mehr Bürokratismus verbunden ist, wurde angesprochen. Insgesamt war von einer pessimistischen Grundstimmung aber nicht viel zu spüren. Bauckhage sprach von einem ereignisreichen Jahr für die Landwirte. Hubertus Klein, der stellvertretende Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Bernkastel-Wittlich, brachte es mit seinem humorigen Schlusswort auf den Punkt: "In der Milchwirtschaft ist nicht alles Butter, aber auch nicht alles Käse."