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Aktenzeichen XY ungelöst bringt neue Spuren

Aktenzeichen XY ungelöst bringt neue Spuren

Ein Klassiker im deutschen Fernsehen ist die ZDF-Sendung Aktenzeichen XY ungelöst. In der jüngsten Sendung war ein Fall der Kriminalpolizei Wittlich Thema: Der Überfall auf ein Ehepaar an einem Parkplatz bei Sehlem. Ob unter den Hinweisen eine heiße Spur ist, müssen die Ermittler jetzt prüfen.

Wittlich. Extraschicht bis Mitternacht. "Wir hatten mit drei Mann alle Hände voll zu tun", sagt Ferdinand Schwind, Pressesprecher der Kriminalpolizei Wittlich zum Sondereinsatz: Die ZDF-Kultserie Aktenzeichen XY ungelöst stellte in ihrer 478. Sendung einen Fall der Wittlicher Ermittler vor: Im Juni war auf einem Parkplatz an der L 141 bei Sehlem ein Paar, das aus Luxemburg kam, von falschen Polizisten ausgeraubt worden (der TV berichtete).
Hinweise auch aus dem Ausland


Nachdem Rudi Cerne und sein Team das jetzt auf die Bildschirme schickten, klingelte das Telefon der Kripo. 30 Anrufe gingen ein, davon 23 zum Raub. "Alles Hinweise, die jetzt noch überprüft werden, teils zu den beiden gesuchten Männern, die manche auf den Phantombildern erkannt haben wollen, andere zum Fahrzeug der Täter", sagt Ferdinand Schwind. Die Tat liegt ein halbes Jahr zurück, ging durch die Presse, doch die Rekonstruktion im Fernsehen hat immer eine andere Qualität. "Wenn so ein Film kommt, macht es bei manchem ,klick\'", sagt Schwind. Und zum allgemeinen Erfolg der Sendung: "Ich denke, sie ist so erfolgreich, weil sie real ist. Es ist ja das Leben, das da gezeigt wird."
Isabella Scholz, Pressesprecherin der Fernsehreihe, meldet zusätzliche zehn Anrufe im Studio. Sie sagt auf die Frage, warum wohl auch bei lange zurückliegenden Taten manchmal eine Aufklärung die Folge ist: "XY konnte ja schon mehrfach sehr alte Fälle aufklären, etwa den Mordfall Lolita Brieger. Ein Grund kann die psychische Belastung des Täters oder der Mitwisser, Zeugen sein. Je länger man das Wissen über ein Verbrechen mit sich herumträgt, desto schwieriger wird es, damit zu leben."
Im spektakulären Fall Lolita Brieger war das so: Die Frau war 1982 verschwunden, ihre Leiche 2011 entdeckt worden - dank Aktenzeichen XY. Ein Mann meldete sich, der bei der Beseitigung der Leiche geholfen hatte. Des Mordes wurde der Ex-Freund verdächtigt. Aber: Er hatte seine Freundin 1982 zwar getötet, doch der Totschlag war verjährt.
Für die Wittlicher Kripo ist es sowieso nicht das erste Mal, dass sie dem ZDF Stoff liefert. Ferdinand Schwind erinnert sich an drei Fälle. Bei einem ging es um die Vergewaltigung einer Frau im Eifeldorf Seiwerath 2007. Kriminalhauptkommissar Roland Kirsch weiß mehr dazu: Damals wurde der erste große DNA-Test in der Eifel gemacht, rund 600 Männer überprüft (der TV berichtete). Auch ein Fall fürs Fernsehen. Roland Kirsch sagt: "Wir bekamen eine Mitteilung, dass der Fall interessiert. Eine Reporterin kam nach Wittlich, wir haben die Details besprochen." Er ist dann 2011 nach München zur Sendung gereist: "Das war eine super Erfahrung. Das erlebt man nur ein Mal im Polizeileben. Das ist schon interessant: Plötzlich geht eine Lampe auf Rot, und man ist auf Sendung und weiß nicht, wie viele Millionen Menschen zuschauen und vielleicht helfen beim Ziel, den Fall zu klären."
5,6 Millionen Zuschauer sahen die zurückliegende Ausstrahlung laut meedia.de. Sie war demnach Tagessieger mit dem gleichzeitig laufenden Thriller der ARD.
Ob mit Zuschauerhilfe die beiden Täter gefasst werden können, die das Paar ausgeraubt haben, bleibt abzuwarten. Ferdinand Schwind sagt: "Wir haben jetzt noch einige Tage Arbeit. Die Hinweise kamen kreuz und quer aus dem Bundesgebiet, auch aus Frankreich und Luxemburg."
Im Fall der Vergewaltigung konnte der Fernsehklassiker nicht helfen. Roland Kirsch sagt: "Der Täter ist bis heute nicht gefunden worden."