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Aktive verlassen scharenweise die Thalfanger Feuerwehr

Aktive verlassen scharenweise die Thalfanger Feuerwehr

Bürgermeister Hüllenkremer will drei Thalfanger Feuerwehrleute aus der Wehr entfernen. Sie hatten im Januar ihre Funktion als Gerätewart aufgegeben und sich in einem Volksfreund-Artikel kritisch geäußert. Zahlreiche Aktive verurteilen das Verhalten von Wehrleitung und Verwaltung und haben ebenfalls um ihre Entpflichtung aus der Feuerwehr gebeten.

Thalfang. Bei der Thalfanger Feuerwehr brennt es lichterloh. Nach TV-Informationen haben bis zu 30 der 52 Aktiven der Stützpunktwehr Thalfang und der Löschgruppe Bäsch bei der Verwaltung ihre Entpflichtung eingereicht. Der Grund: Die Aktiven wollen ihre Solidarität gegenüber drei Kameraden deutlich machen, gegen die Bürgermeister Marc Hüllenkremer ein Entpflichtungsverfahren eingeleitet hat. Das bedeutet: Hüllenkremer will drei langjährig Aktive aus der Thalfanger Feuerwehr hinauswerfen. Auf eine TV-Anfrage äußert sich der Bürgermeister nur zurückhaltend und verweist darauf, dass es sich um Personalangelegenheiten handele und deshalb zum Schutz aller Beteiligten derzeit keine Stellungnahme erfolge. Hüllenkremer sagt, dass sich die Bevölkerung der VG derzeit um eine Einsatzbereitschaft der Wehren nicht sorgen müsse.
Was ist passiert? Im Januar berichtete der TV erstmals über Unstimmigkeiten bei der Thalfanger Feuerwehr. Damals äußerten Aktive Kritik am Führungsstil von Wehrleiter Roland Sommerfeld, der allen Wehren der VG Thalfang vorgesetzt ist. Zudem gab der Wehrführer, der die Thalfanger Stützpunktwehr leitet, die Leitung einer Übung ab, da seiner Meinung nach bei einem anschließenden Ernstfall nicht mehr genügend Atemschutzgeräte zur Verfügung gestanden hätten. Einige Geräte hätten zuvor wegen fehlender Ersatzteile nicht repariert werden können. Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits sieben der acht Gerätewarte diese Funktion niedergelegt. Laut Sommerfeld konnten die Stellen im Februar 2014 neu besetzt werden.

Nach TV-Informationen soll sich Folgendes zugetragen haben: Am Abend der Übung hätten sich mehrere Aktive im Internet innerhalb einer geschlossenen Gruppe eines sozialen Netzwerks Luft über ihren Frust gemacht. Dabei hätten sie unter Alkoholeinfluss Wehrleiter Sommerfeld persönlich angegriffen. Sie sollen die Vorgänge in der Thalfanger Wehr mit der Nazi-Diktatur verglichen und in diesem Zusammenhang ein Bild von Adolf Hitler gezeigt haben. Der Thalfanger Wehrführer sei an dieser Kommunikation beteiligt gewesen und habe sein Amt zur Verfügung gestellt. Die acht Mitglieder der geschlossenen Internetgruppe sind offenbar zu Einzelgesprächen ins Rathaus einbestellt worden. Sowohl auf Seiten der Verwaltung als auch auf der der Aktiven sollen Anwälte an den Gesprächen teilgenommen haben. Mit dabei war auch Kreisfeuerwehrinspekteur Willi Herres.

Im Anschluss an die Gespräche habe Hüllenkremer die Entpflichtungsverfahren gegen drei Aktive eingeleitet. Dabei soll es sich um die Feuerwehrleute handeln, die in dem TV-Artikel vom Januar zitiert worden waren und die sich dabei öffentlich über Probleme bei der Feuerwehr geäußert hatten. Zudem übergab die Verwaltung die Inhalte der Internet-Gesprächsgruppe an Polizei und Staatsanwaltschaft, um prüfen zu lassen, ob es sich dabei um Volksverhetzung oder Verbreitung nationalsozialistischer Propaganda handele. Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit den Sachverhalt.

Die drei Aktiven, gegen die der Bürgermeister das Entpflichtungsverfahren eingeleitet hat, wehren sich mit Hilfe eines Anwalts gegen ihren Ausschluss.Extra

Die Entpflichtung von Aktiven der Feuerwehr ist im Landesbrand- und Katastrophenschutzgesetz geregelt: §12, Abschnitt 5: Der Bürgermeister kann die ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen aus wichtigem Grund nach Anhörung des Wehrleiters, in Ortsgemeinden auch des Ortsbürgermeisters und des Wehrführers, entpflichten; mit der Entpflichtung endet die Zugehörigkeit zur Feuerwehr. cstStimmen


Marc Hüllenkremer, Bürgermeister der VG Thalfang, möchte sich derzeit nicht zu den Personalangelegenheiten innerhalb der Feuerwehr äußern. Er teilt mit, dass er in Gesprächen mit der Feuerwehr seit mehreren Wochen für etwaige Irritationen und Probleme Lösungsmöglichkeiten erarbeite, bei denen auch externe Sachverständige beteiligt seien.Er gehe davon aus, dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen Feuerwehrkameraden gewährleistet sei. Die Bevölkerung der VG müsse sich um die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr nicht sorgen. Wie viele Feuerwehrleute bei der Verwaltung um ihre Entpflichtung gebeten haben und wie er damit umgehen wolle, sagt er nicht. Desgleichen lässt er offen, ob das Verhältnis zwischen den Parteien gestört sei und welche Schritte die Verwaltung plane. Roland Sommerfeld, Wehrleiter der VG Thalfang, spricht von einer Lagerbildung innerhalb der Feuerwehr. Er sagt, man habe die Aktiven für diesen Freitag zu einem Gespräch eingeladen, bei dem vieles diskutiert werden soll. Weiter will er sich wegen des laufenden Verfahrens nicht äußern. Willi Herres, Kreisfeuerwehrinspekteur, war bei der Anhörung der Teilnehmer der Internetgruppe dabei und hat deutlich gemacht, dass die verbalen Angriffe auf den Wehrleiter unangemessen sind. Er hat Hüllenkremer empfohlen, mit allen Beteiligten über die Vorgänge zu reden und ihnen für die verbalen Entgleisungen eine Abmahnung auszusprechen. Von einer Entpflichtung hatte er abgeraten, da diese eine Sogwirkung auslösen könne. Ein Verharren auf Standpunkten sei der Feuerwehr nicht dienlich und werde vom Bürger nicht verstanden. Herres bedauert, dass er erst durch die Presse vom Massenaustritt erfahren hat. Frank Hachemer, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes, sagt, es sei verheerend, wenn ehrenamtliche Feuerwehrleute nicht mit der Leitung harmonieren. Hachemer war bereits zu Gesprächen in Thalfang und ist auch bereit, zwischen den Parteien zu vermitteln. Christian Kruchten, Rechtsanwalt aus Hermeskeil, vertritt die drei zwangsentpflichteten Männer und will sich wegen des laufenden Verfahrens nicht äußern. Ingo Hromada, Staatsanwaltschaft Trier, bestätigt, dass wegen der Kommunikation im sozialen Netzwerk eine Anzeige eingegangen sei. Die Strafbarkeit des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen setze voraus, dass die Tat öffentlich begangen worden sei. Ob vorliegend die Kommunikation innerhalb eines sehr eng begrenzten Teilnehmerkreises dieses Merkmal erfülle, bedürfe eingehender, noch nicht abgeschlossener Prüfung. Das Schwergewicht der Vorwürfe liege im Bereich der Beleidigung. cstMehr zum Thema

 Bleibt die Einsatzkleidung künftig hängen, wenn es brennt? Zahlreiche Aktive haben um ihre Entpflichtung gebeten. TV-Foto: Christoph Strouvelle
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