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Albert Klein, Erster Beigeordneter der Stadt Wittlich, tritt ab

Kommunalpolitik : Abschied nach 45 Jahren Lokalpolitik

Albert Klein (72), der 20 Jahre Erster Beigeordneter der Stadt Wittlich war, blickt im TV auf seine lange Amtszeit zurück.

Fünf Bürgermeister hat Albert Klein als Stadtratsmitglied und später als Erster Beigeordneter der Stadt Wittlich erlebt. Seit 1974 hat er die Wittlicher Lokalpolitik mitgestaltet, 20 Jahre davon als Erster Beigeordneter und somit formale Vertretung des Bürgermeisters. Zur Kommunalwahl im Mai trat der 72-Jährige, der seit 1969 CDU-Mitglied ist, nicht mehr an, „weil ich mir immer einen selbstbestimmten Abschied gewünscht habe und es so besser ist, als wenn man dazu gedrängt wird.“ Der Stadtrat wählte vergangene Woche seine Parteikollegin und Landtagsabgeordnete Elfriede Meurer zur Ersten Beigeordneten.

Die Politik habe ihn immer interessiert, sagt der studierte Förderschullehrer und pensionierte Schulleiter Klein. „Schon mein Vater war in der CDU und mein Bruder war JU-Vorsitzender. Durch die Familientradition und die christliche Prägung kam da gar keine andere Partei infrage.“

Als Klein 1974 im Alter von 28 Jahren zum Stadtrat gewählt wurde, habe in dem Gremium noch ein anderer Wind geweht als heute, erinnert sich Klein. „1974 sah sich die SPD noch als klare Oppositionspartei. Sämtliche Vorschläge der Mehrheit – damals hatte die CDU noch eine Zwei-Drittel-Mehrheit – wurden abgelehnt. Nach Begründungen suchte man erst später.“ In diesen Zeiten habe im Stadtrat noch eine sehr vergiftete Atmosphäre geherrscht, die von der Sachorientierung, welche man heute von den Fraktionen gewohnt sei, noch weit entfernt gewesen sei. „Der Umgangston war rauer, polemischer und wenig sachorientiert. Es wurde viel herumgestritten. Vom Umgang miteinander ging es da manchmal bis ins Persönliche hinein.“ Heute herrsche im Stadtrat dagegen Harmonie und Sachorientierung.

Als Erster Beigeordneter hat Klein vier Wahlperioden und damit 20 Jahre in der zweiten Reihe dem jeweils amtierenden Bürgermeister sowie den Ausschüssen beratend zur Seite gestanden. Neben der formalen Abwesenheitsvertretung des Bürgermeisters, der Wahrnehmung von Terminen und Überbringung von Gratulationen sah Klein seine Hauptrolle als Ratgeber. „Auch in der zweiten Reihe gab es damit wichtige Aufgaben zu erfüllen. Und wenn man lange im Geschäft ist, wird man natürlich oft gefragt: ‚Was hältst du davon?’“ Als beratendes Mitglied nahm der Erste Beigeordnete Klein innerhalb der letzten 20 Jahre selbstverständlich auch auf sämtliche Ausschüsse der Stadt Wittlich Einfluss. „Als beratendes Mitglied in allen Ausschüssen konnte ich zwar nicht mit abstimmen, aber das ist auch nicht immer das Wichtigste.“

Eine andere Aufgabe des Ersten Beigeordneten, sagt er, sei für ihn immer gewesen, dem Bürgermeister einen gewissen Flankenschutz zu bieten. „Wir haben in Gremien auch schon gute Polizei, böse Polizei gespielt. Ich bin heftig in die Diskussion reingegangen und der Bürgermeister konnte schlichten.“ Er sei immer gerne dabei gewesen und habe viele wichtige Entscheidungen für die Stadt Wittlich mitdiskutiert. „Die Lokalpolitik hat mich immer erfüllt und ich war immer an der Entwicklung der Stadt Wittlich interessiert.“ Wurde ihm sein politisches Ehrenamt neben seinem Beruf als Lehrer und Schulleiter denn niemals zu viel? „Für mich war das immer positiver Stress. Ans Aufhören habe ich deshalb nie gedacht.“

Lief denn nie mal was schief? Oder ist er im Stadtrat nicht doch schon mal an die Decke gegangen?  „Im Großen und Ganzen ist meiner Meinung nach in der Zeit, in der ich dabei war, nichts falsch gelaufen. Die getroffenen Entschlüsse tragen Früchte. Mit Wittlich geht es vorwärts. Was will man mehr?“ An den abgeschlossenen Projekten von der Sanierung der Plätze in der Innenstadt über die Umgestaltung des Lieserufers bis hin zu den anstehenden Großprojekten wie der Ansiedlung eines Hotels und Kinos könne jeder sehen, „dass es in Wittlich nicht rückwärts geht.“ Die Stadt erlebe derzeit eine Blütezeit, wie sie es noch nie erlebt habe, meint Klein. „So viele Einwohner, Arbeitsplätze und auch Gewerbesteuereinnahmen hatten wir noch nie – dabei ist der Hochmoselübergang, der sicherlich eine Triebfeder ist, ja noch nicht mal eröffnet.“ Da es seiner Meinung nach positiv weitergehe, sagt Klein, falle ihm sein Rückzug aus der Lokalpolitik nun recht leicht. „Mit Sicherheit werden sich irgendwann gewisse Entzugserscheinungen einstellen und jeder Abschied ist mit Schmerz verbunden. Aber keine Angst: Ich werde künftig nicht in der Einwohnerfragestunde des Stadtrates sitzen und mich über zu hohe Bordsteine oder ähnliche Dinge beschweren.“