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Alfred Schmitt verlässt Nikolaus-von-Kues-Gymnasiums in Bernkastel-Kues

Verabschiedung : Ungewöhnliche Drohung machte den Weg frei

16 Jahre leitete Alfred Schmitt die Geschicke des Nikolaus-von-Kues-Gymnasiums in Bernkastel-Kues. Zum Abschied gab es viel Lob und einige lustige Anekdoten aus seiner langen Schullaufbahn.

Das haben Verabschiedungen von Direktoren und Direktorinnen höherer Schulanstalten so an sich: Sie dauern recht lange. Schließlich wollen viele Weggefährten, gleichaltrige, jüngere und noch sehr junge, musizieren, singen, schauspielern und etwas sagen.

Da tut es gut, wenn zwischendrin auch mal gelacht werden darf. Bei der Verabschiedung von Oberstudiendirektor Alfred Schmitt, der 16 Jahre lang die Geschicke des Nikolaus-von-Kues-Gymnasiums in Bernkastel-Kues leitete, ist dies gleich mehrfach der Fall.

Beim Chefquiz zum Beispiel: Da muss sich Schmitt einen Film anschauen und am Gang oder am Hinterkopf erkennen, um welche Kollegin und um welchen Kollegen es sich handelt.

Die Gäste in der Aula erfahren auch, dass das Berufsleben von Alfred Schmitt vielleicht frühzeitig eine Wendung genommen hätte, die es dann nicht in Bernkastel-Kues hätte enden lassen. Nach Abschluss des Studiums war nicht klar, ob er ins Studienseminar nach Bad Kreuznach oder nach Kaiserslautern geht. Bad Kreuznach liegt näher zu Mainz, wo seine jetzige Frau noch Medizin studierte. Ursula Biehl, Leitende Schulrätin, berichtet, was damals geschah. „Er schrieb an die damalige Aufsichtsbehörde, dass sie die Hochzeit verschieben müssten, wenn er nach Kaiserslautern müsste.“ Schmitts Ansinnen wurde erhört, er konnte seinen Weg wie geplant gehen. Von der ersten Lehrerstelle in Bingen nach Daun ins Geschwister-Scholl-Gymnasium und dann vor knapp 16 Jahren nach Bernkastel-Kues.

Die Gäste seiner Verabschiedung erfahren noch etwas. Schmitt hat sich in all den Jahren erfolgreich vor dem Tanz gedrückt, den das Kollegium zur Gaudi der Abiturienten einstudiert. Ob er tanzen kann, bleibt offen. Doch der Gassenhauer, den mehrere Lehrerinnen und Lehrer unter der Leitung von Barbara Theis zum Besten geben, ist nach den Ovationen nach Schmitts Abschiedsrede der zweite emotionale Kracher. „Oh, Schmittchen Schleicher mit den elastischen Beinen, wie der gefährlich in den Knien federn kann. Die Frauen fürchten sich und fangen an zu weinen. Doch Schleicher Schmittchen schleicht sich immer wieder an. Dann liegen sie in seinen Armen, den weichen. Und flüstern: Schmittchen, ist das schön, mit dir zu schleichen!“ So kann man sich in Menschen täuschen.

Es gibt noch einen emotionalen Moment. Als Alfred Schmitt seine Abschiedsrede beendet hat, steht er einige Sekunden regungslos und mit gesenktem Blick neben dem Rednerpult. Obwohl er für sich entschieden hat, ein Jahr früher die Schule zu verlassen, kommt Wehmut auf. „Ich habe allen Grund dankbar zu sein. Ich habe viel mehr empfangen als ich gegeben haben“, hatte er vorher gesagt.

Nicht auf dem Plan hatte er natürlich Corona. „Die letzten zwei Jahre waren die mit Abstand anstrengendsten in meiner Schulzeit. Alle haben aber an einem Strang gezogen“, sagt der 64-Jährige. Einen Vorteil hatte der Mann aus dem Eifelort Schladt. Seine Frau Brigitte arbeitet im Gesundheitsamt des Kreises Bernkastel-Wittlich. Er war also immer frühzeitig aus erster Hand informiert.

„Ich fühlte mich immer getragen“, berichtet er von seiner Zeit in Bernkastel-Kues. Und: „Schule ist ein Lernort, sollte aber auch ein Ort der Menschlichkeit sein. Ein fairer Umgang untereinander war mir immer wichtig.“

Landrat Gregor Eibes, einst selbst Schüler des Gymnasiums, ist angetan von Schmitts Vorgehen, als es um den Ort des Studienseminars ging. „Da hat er ja unverhohlen gedroht“, sagt er lachend. Für den Kreis als Schulträger habe er Schmitts Werdegang elf Jahre lang begleitet. „Es war eine sehr, sehr angenehme Zusammenarbeit“, sagt Eibes und lobt Schmitts „hohe pädagogische und menschliche Kompetenz. „Sie haben Großartiges im Sinne der Schule geleistet.“

Franziska Bauer vom Personalrat spricht vom „Kapitän, der die Mannschaft zusammenhält“. Schmitt habe das gut gemacht. „Dass das Schiff beim durch Corona verursachten Sturm nicht kenterte, lag am Kapitän.“

Jochen Kirch (Schulelternbeirat) bemüht die Physik. „Nur mit richtigem Druck kommt man voran. Bei zu viel Druck fliegt einem alles um die Ohren“, sagt er und lobt: „Sie haben den Druck nicht an die Kinder weitergegeben, sondern immer für Druckausgleich gesorgt.“ Nele, Franka und Vivian von der Schülervertretung beenden ein Gedicht mit dem Satz: „Es wird schwer sein, Sie zu ersetzen.“

Ersetzt wird Alfred Schmitt durch seinen bisherigen Stellvertreter, Studiendirektor Franz-Josef Meyer. Beide können sich auf das Zitat auf der Einladung berufen. Es stammt von Nikolaus Cusanus, dem Namensgeber der Schule. „Eines ist so wichtig wie das andere: rechtzeitig zufassen und rechtzeitig loslassen können.“