Alkohol fährt bei vielen Einsätzen mit

Alkohol fährt bei vielen Einsätzen mit

HUNSRÜCK. (iro) Trinken bis der Arzt kommt - was oft nur flapsig so formuliert wird, wird an Karneval nur zu häufig Realität. Für einige Jugendliche war der Rosenmontag vorschnell zu Ende. Sie wachten im Krankenhaus wieder auf.

"Total verärgert" war der Vater eines 15-Jährigen, der namentlich nicht genannt werden will. Sein Filius habe am Karnevalsmontag "Schnaps aus großen Bechern" von Umzugsteilnehmern bekommen. Der Junge habe "total orientierungslos" gewirkt. Glücklicherweise hat ein fremder Erwachsener seinen Zustand bemerkt und ihn nach Hause gefahren. Auch die Mutter eines 16-Jährigen beobachtet die Entwicklung mit Sorge: Viele Fußgruppen würden Schnäpse verteilen, auch an Jugendliche. Bei welchem Umzug? "Das ist überall so." Sie habe 13-, 14-Jährige am Straßenrand gesehen, die festgehalten werden mussten, weil sie nicht mehr richtig gehen konnten. Was die besorgten Eltern schildern, hält Norbert Geiter für "nicht untypisch". Der Leiter der Rettungswache Morbach schätzt die Zahl der Alkohol-Einsätze an Umzugstagen auf drei oder vier, überwiegend mit Jugendlichen. Und: "Es wird immer schlimmer." Geiter hat Kenntnis von zwei Fällen außerhalb der Einheitsgemeinde Morbach, die auf Intensivstationen gelandet seien. Hochprozentiges hält Geiter für besonders problematisch: "Bevor die Jugendlichen merken, dass sie besoffen sind, sind sie schon weg." Er sieht auch andere Gefahren: "Wenn jemand irgendwo seinen Rausch ausschläft, ist das eines. Aber schließlich kann er auch an seinem Erbrochenen ersticken." Seine Bitte an die Veranstalter, sie mögen künftig vernünftiger mit dem Thema Alkohol umgehen. Die Veranstalter haben wenig Chancen, dem einen Riegel vorzuschieben, ist dagegen Rainer Schneider, der Vorsitzende des Gonzerather Karnevalsvereins überzeugt, auch wenn das Problembewusstsein durchaus vorhanden sei. Die meisten Umzugsteilnehmer würden ohne Anmeldung kommen, so dass er sie am Umzugstag zum ersten Mal sehe. Der Gonzerather Elferrat verteile zwar auch kleine Flaschen mit Alkoholfüllung, doch man achte darauf, dass Jugendliche sie nicht bekommen. Dass die Abgabe von Alkohol an Jugendliche unter 16 und von Schnaps an Jugendliche unter 18 Jahren nicht erlaubt ist, darauf weist Peter Werland, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Morbach, hin. Auch er beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Dennoch hält er es nicht für den richtigen Weg, mit Repressionen gegen die Entwicklung vorzugehen. Es werde kreisweit viel Aufklärung zu diesem Thema geleistet. Werland erinnert an alkoholfreie Veranstaltungen des Arbeitskreises "Jugendschutz und Suchtprävention". Der Dienststellenleiter hofft, dass sich Erwachsene verstärkt ihrer Verantwortung im Umgang mit Alkohol bewusst seien. Umzugsteilnehmer seien schließlich häufig genug selbst Väter und Mütter. Es könne gut sein, dass Mütter, die tagsüber bei einem Umzug Likörfläschchen verteilen, abends selbst mit einem volltrunkenen Sohn konfrontiert seien.