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Alle hoffen auf sonniges Sommerwetter

Alle hoffen auf sonniges Sommerwetter

Negativrekord: Der Mai geht als zweitnassester Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 in die Klimageschichte ein. Die kalt-feuchte Witterung hat ernste Konsequenzen für Landwirtschaft und Tourismus. Wellness-Anbieter profitieren hingegen von der Wetterlage.

Schon ein Laie erkennt, dass auf diesem Feld etwas nicht in Ordnung ist. Bei Neuerburg steht ein Feld unter Wasser. Die Wolken spiegeln sich in den breiten Pfützen. Der Dauerregen der vergangenen Woche hat Konsequenzen für die Landwirtschaft, aber auch für den Tourismus und die Kommunen.

Hotels und Gaststätten: Hoteliers, die auf den seit Jahren anhaltenden Wellness-Trend gesetzt haben, sind derzeit die Gewinner der Situation, wie zum Beispiel die Molitorsmühle in Eisenschmitt. Das berichtet Sabine Heydorn: "Wir sind die Feiertage über gut belegt gewesen. Durch unser Wellness-Angebot sind wir aber auch sehr wetterunabhängig. Wir haben dieselbe Bettenbelegung wie im vergangenen Jahr, obwohl da das Wetter viel besser war. Bei uns schlägt sich das Wetter nicht nieder."

Wanderer scheinen Regen und Kälte bislang nicht zu stören, wie Mike Harskamp, Inhaberin des Hotels Haus Burgblick in Manderscheid feststellt: "Ein einziger Gast hat storniert. Uns wundert das auch, ansonsten sind alle Gäste gekommen, die gebucht haben. Es liegt vielleicht an unserer Lage. Wir sind nahe am Wanderweg. Wir haben sehr sportive Gäste, deshalb ist die Zahl der Buchungen normal. Wir stellen uns auf das Wetter ein. Abends machen wir den Kamin an, wir bieten etwas winterlichere Gerichte wie zum Beispiel Wild. So kann man es sich gemütlich machen."

Roswitha Jarumbawitsch von der Klostergaststätte Himmerod (Großlittgen) sagt: "Die Terrasse ist oft wegen des Regens geschlossen. Aber wir können über den Mai nicht klagen. Die Leute wollen gerne raus und es sind auch viele unterwegs. Die meisten sind Wanderer, die den Eifelsteig gehen. Die sind wetterfest gekleidet mit Regencape und wetterfesten Wanderschuhen. Wir sind jetzt auf den Juni gespannt."

Karsten Mathar von der Touristinformation Wittlich Stadt und Land berichtet von einem deutlich spürbaren Rückgang an Übernachtungen: "Wir haben bei uns in der Tourist Information bis 31. Mai einen Rückgang der Übernachtungsanfragen um 19,04 Prozent. Von den Vermietern werden auch an den beliebten langen Wochenenden "Betten frei" gemeldet, da sie kurzfristige - meist wetterbedingte - Absagen erhalten."
Eine Weinlagenwanderung in Osann-Monzel sei mit 50 Personen noch recht gut besucht gewesen. Wer als Gastronom seinen Hauptumsatz im Terrassenbereich erzielt, stehe derzeit mit einem Umsatzrückgang von bis zu 60 Prozent "im Regen".

Landwirtschaft: Manche Landwirte rechnen mit Ernteausfällen, Paul Brandsma vom Demeterhof in Wittlich bleibt hingegen verhalten optimistisch, da sich das Wetter seit dem Wochenende gebessert hat: "Diese Woche fängt gut an. Für Ökobetriebe ist die Situation noch gut, weil wir im Frühjahr keinen Kunstdünger eingesetzt haben. Deshalb ist das Gras noch nicht so weit entwickelt. Aber es war zum Beispiel für Kartoffeln zu lange kalt, deshalb liegen wir im Ackerbau zurück. Es war höchste Zeit, dass das Wetter sich ändert. Noch rechnen wir nicht mit Ernteausfällen."

Manfred Zelder vom Bauern- und Winzerverband des Kreises Bernkastel-Wittlich berichtet von unter Wasser stehenden Feldern: "Die Situation ist für Landwirte dramatisch. Wir sind auf gutes Wetter angewiesen. Die Ernte hat sich durch die Witterung verschoben. Manche Kartoffeläcker stehen unter Wasser. Das Getreide hat Pilzerkrankungen. Wir kommen mit dem Pflanzenschutz nicht mehr nach."

Ulli Schmitt von Gartenland Schmitt in Wittlich rechnet damit, dass das Hauptgeschäft in diesem Jahr mit einem Monat Verzögerung beginnt: "Für uns ist es ein Auf und Ab. Der kalte März war schlimm. Aber inzwischen haben wir keinen Einbruch im Geschäft. Die Leute pflanzen eben ein paar Wochen später. Das ist bei uns nicht so schlimm wie in der Gastronomie. Die Leute, die jetzt kein Bier im Biergarten trinken, trinken dafür im Sommer ja keine zwei Bier."

Weinbau: Den vielen Reben im Moseltal hat der Regen nichts ausgemacht. "Sie haben auch Feuchtigkeit gebraucht", sagt Ernst-Josef Kees, stellvertretender Vorsitzender des Weinbauverbands Mosel. Was die Reben nicht brauchten, ist die Kälte. Von daher gebe es im Vergleich zum Vorjahr eine Reifeverzögerung von etwa zwei Wochen. Das sei jedoch kein Grund zur Beunruhigung. "Wenn die Sonne kommt, ist das schnell wieder aufgeholt", sagt der Graacher Winzer. Wichtig sei, dass die Blüte problemlos über die Bühne geht. Die dürfte etwa um den 20. oder 25. Juni einsetzen.

Camping und Ausflugsfahrten: "Es hätte schlimmer kommen können." So kommentiert Christiane Schenk (Campingplatz Schenk Wehlen) den Mai. Natürlich sei der Regen nicht gut fürs Geschäft gewesen, aber solche Monate gebe es immer. Wer mit Wohnwagen gebucht habe, sei in der Regel auch angereist. Ferngeblieben seien die Zelturlauber. Buchungen für den Sommer seien nicht storniert worden. Das Gegenteil sei der Fall. Campingurlauber seien hartgesotten. Nur Dauerregen mache ihnen etwas aus. "Wenn es nicht so warm ist, können sie viel unternehmen, bei Hitze sitzen sie nur vor Zelt oder Wohnwagen", sagt Schenk.
1983 sei es im Mai ähnlich schlecht gewesen, weiß Dirk Danielmeier (Mosel-Schiffs-Touristik) vom Hörensagen. Die derzeitigen Zahlen auf seinen fünf Rundfahrtschiffen liegen um etwa 25 Prozent unter vergleichbaren Monaten. "Stark verwässert." So drückt es Danielmeier aus. "Dabei läuft es mit im Voraus gebuchten Busgruppen sehr gut", sagt er. Was derzeit fehle, seien die Passagiere, die als Tagesgast oder Wochenendurlauber kommen. Es gebe bei den Fahrten aber keine Absagen. Der Frühlingsfahrplan laufe aber sowieso noch in etwas abgespeckter Version. Die Hoffnung gibt Danielmeier aber nicht auf. "Wenn der Sommer kommt, geht da noch was", sagt er.

Kommunen: Auch die Freibäder leiden unter dem Wetter. Das Wittlicher Freibad hatte in diesem Jahr bis zum vergangenen Wochenende 26 Tage geöffnet, wie Jan Mußweiler von der Stadt Wittlich erklärt. 2329 Besucher habe es bislang geben. Der besucherstärkste Tag sei der 5. Mai mit 265 Gästen gewesen. Der schwächste Tag war der 26. Mai mit nur 22 Besuchern. Freilich hätten die Bademeister und Angestellten der Freibäder genug zu tun. Bei schlechtem Wetter stehen Wartungsarbeiten, Instandhaltungsarbeiten und Reinigungsarbeiten auf dem Plan.

Das Freibad in Bernkastel-Kues hat bereits seit 12. Mai geöffnet - früher als in den Vorjahren. "Weil in früheren Jahren im Mai oft schönes Wetter war", sagt Monika Coen (VG-Verwaltung). 2013 sieht alles ganz anders aus. An vier Tagen war das Freibad komplett zu. Ansonsten war es morgens für die hartgesottenen Frühschwimmer, 15 bis 20 an der Zahl, geöffnet. Um die Mittagszeit schlossen die Bademeister dann meist zu. Coens Hoffnung liegt auf sonnenreichen Sommerferien. "Dann brummt es im Bad", sagt sie.

Des einen Leid, des anderen Freud. Die Moseltherme in Traben-Trarbach (zwei Becken innen, eines außen) verzeichnete im Mai 15 Prozent mehr Besucher als in Vergleichsmonaten anderer Jahre. "Alleine am Pfingstmontag wurden fast 700 Besucher gezählt", berichtet Ulrich K. Weisgerber, Bürgermeister der VG Traben-Trarbach. "Normalerweise wären vielleicht 200 gekommen", fügt er an. Das Bad reagiert sowieso auf das auch im Sommer nicht immer schöne Wetter. Seit dem 1. Juni muss der Gast nur für zwei Stunden bezahlen, kann aber den ganzen Tag bleiben.