Alle in einem Boot

In Zeltingen-Rachtig werden sich alle Bürger am Zusammenwachsen der beiden Ortsteile beteiligen. Und zwar auf Basis der vor gut zwei Monaten beschlossenen gemeinsamen Abrechnungseinheit. Ein Ratsmitglied will sich damit aber nicht anfreunden.

Zeltingen-Rachtig. (urs) Die Zeltingen-Rachtiger müssen sich auf Beitragsrechnungen für den Ausbau der Straßen zwischen den Ortsteilen einstellen. Seit der jüngsten Gemeinderatssitzung steht die Höhe der "Wiederkehrenden Beiträge" fest. Pro Quadratmeter Veranlagungsfläche werden als Vorausleistung 26 Cent erhoben.

Eigentümer eines durchschnittlich großen Grundstücks von 700 Quadratmetern (rund 1000 Quadratmeter Veranlagungsfläche) werden um die 250 Euro zahlen müssen. Damit werden 60 Prozent der gesamten Summe bezahlt sein. Die Ratsentscheidung fiel nicht einstimmig, sondern mit einer Gegenstimme und einer Enhaltung. Hans-Peter Ehses begründete sein Nein mit dem verspäteten Baubeginn in der Marienstraße. Er verlange "eine plausible Erklärung", weshalb der Ausbau der Straße sich verzögert habe.

Ortsbürgermeister Manfred Kappes rief die im Gemeinderat besprochenen Gründe in Erinnerung. Nach der Vergabe im Sommer 2008 hätte die Baufirma im Herbst beginnen sollen. Als es losgehen sollte, wäre wegen des Frostrisikos jedoch eine Notversorgung erforderlich gewesen. Dies hätte jedoch keinen Sinn gehabt, so dass die Firma gestoppt worden sei.

Ehses hielt an seiner Sicht fest. Es könnte der Eindruck entstehen, "dass hier absichtlich Kosten verschoben wurden". Damit spielte er auf die vor zwei Monaten beschlossene gemeinsame Abrechnungseinheit für beide Ortsteile an. Die Erschließung des Neubaugebietes hatte dies erfordert, wie etwa die Hauptverbindungsstraße zeigt, die von Zeltingen kommend Florentiner- und von Rachtig Marienstraße heißt. Entsprechend wären die Kosten ein und derselben Straße veranlagt worden.

Ehses unterstellt, die Zeltinger seien möglicherweise absichtlich benachteiligt worden. Allerdings äußerte er sich als Einziger so. Die Ratskollegen - darunter etliche aus dem Ortsteil Zeltingen - verwahrten sich bis auf die Ehses-Fraktion dagegen.

Auch noch von einem "Geschmäckle" zu sprechen, erntete Empörung: "Wenn einer so denken will, dann denkt er so." Der Gemeinde ein schuldhaftes Verzögern vorzuwerfen, sei nicht in Ordnung.

Mit der Vorausleistung erhalten die Bürger Abschluss-Rechnungen. Für die vorherige Abrechnungseinheit Zeltingen fallen 0,34 Cent pro Quadratmeter an, für Rachtig 0,025 Cent.

Freuen dürfen sich alle, die für 120 Euro jährlich einen Anliegerparkplatz beantragt haben. Laut Kappes können sie davon ausgehen, dass es damit klappt.