Alle Jahre wieder: Wittlich schwimmt ins Minus

Alle Jahre wieder: Wittlich schwimmt ins Minus

Weiße Weihnacht gab\'s nicht, einen richtigen Sommer auch nicht. Letzteres zeigt die Freibad-Statistik: Nur 48 735 Gäste kamen. Im Hallenbad haben sich die Zahlen auf 44 154 Schwimmer verbessert. Das reicht aber nicht, um aus den roten Zahlen zu kommen. Um dies zu erreichen, müsste der Eintrittspreis bei 18 Euro liegen.

Wittlich. Noch nie hat das Vitelliusbad eine schwarze Null erwirtschaftet. Wer die Badehose einpackt, denkt in der Regel nicht daran. Er will Sport und Vergnügen und fühlt sich nicht als Subventionsempfänger. Doch das ist er. Umgerechnet rund 15 Euro legt die Stadt für jeden Erwachsenen drauf, damit der seine Bahnen ziehen kann. Tatsache ist: Öffentliche Bäder sind generell ein Minusgeschäft. Und mit dem Schwimmvergnügen rutscht Wittlich alljährlich in die roten Zahlen - und zwar immer tiefer. Im Supersommer 2003 legte die Stadt 484 000 Euro drauf. Für das neue Jahr rechnet man mit 664 000 Euro Minus. Und das wird vermutlich wachsen - bis auf 675 000 Euro im Jahr 2015. So steht es im aktuellen Haushaltsplan-Entwurf. Der ist fürs Vitelliusbad immer eine Rechnung mit Unbekannten.
Denn wer weiß schon, wie der nächste Sommer wird? Aber genau der ist entscheidend für die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben. Freibadwetter mindert das Loch in der Kasse. Sinkt das Thermometer, ziehen nur Stammschwimmer ihre Bahnen - trotz beheizter Becken.
Hinzu kommen steigende Energiepreise. Strom und Heizkosten werden auch für die Stadt nicht billiger.
Der Schwimmer merkt davon bislang nichts. Der Eintrittpreis bleibt konstant: Erwachsene zahlen drei Euro, Kinder 1,80 Euro.
Dass das viel zu wenig ist, um kostendeckend zu arbeiten, zeigt die sogenannte Leistungskennzahl. Mit ihr wird berechnet, inwieweit der Eintritt die Ausgaben deckt. Das Verhältnis liegt aktuell bei 16 Prozent. Das heißt, der Eintritt müsste sechs Mal höher sein, sollte die Rechnung null auf null aufgehen. Ein Preis, den wohl niemand bezahlen würde. Und hinblättern kann auch die Stadt nicht mehrere Millionen Euro. Die würde eine seit Jahren geforderte Sanierung des Hallenbads (Baujahr 1971) kosten. Sie ist sozusagen auf den Sanktnimmerleinstag verschoben. Bis dahin behilft man sich mit Zwischenschritten. So investierte die Stadt 2010 54 000 Euro in neue Fensterfronten und 90 Schallschutz-Segel. Eigentlich wünschte sie eine neue Hallendecke, für die einmal 77 000 Euro kalkuliert worden sind. Für das neue Jahr wird ein Zehntel dieser Summe investiert: 7000 Euro für ein Wipptier im Planschbecken, EDV-Software, neue Fahnen und Sonnenschirme. Die sind mit 4500 Euro die größte Ausgabe und machen nur Sinn, wenn es tatsächlich wieder das gibt, was sich nicht nur Schwimmer wünschen: einen sonnigen Sommer in Wittlich.
Extra

Ins Freibad kamen in der vergangenen Saison 48 735 Gäste. 2010 waren es noch 70 676 und im Jahr davor 69 844. Das Hallenbad steigerte in den vergangenen drei Jahren seine Zahlen von 22 800 Schwimmern im Jahr 2009 auf 38 661 im Jahr 2010 auf aktuell 44 154. Für die kommende Saison 2012 und auch die folgenden drei Jahre (bis 2015) kalkuliert die Stadt mit theoretisch 45 000 Hallenbadbesuchern und 65 000 Freibadgästen. Im Vergleich: Wegen steigender Energiepreise geht die Stadt davon aus, dass im Vergleich zu 2010 auf der Ausgabenseite mit einer Kostenerhöhung um mehr als 80 000 Euro auf 534 700 Euro zu rechnen ist. Das ist fast doppelt so viel wie fürs Personal vom Badebetriebsleiter bis zur Kassenbesetzung kalkuliert wird: rund 270 000 Euro - ein über fünf Jahre stets relativ gleichbleibender Ausgabeposten. sos

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