Alle rätseln: Was ist mit Suska ?

Thalfang · Das Band zwischen dem Bürgermeister der VG Thalfang, Marc Hüllenkremer, und dem langjährigen Büroleiter der Verwaltung, Michael Suska, ist offenbar zerschnitten. Nach TV-Informationen hat Hüllenkremer seinen einstigen Kontrahenten um das Bürgermeisteramt fristlos entlassen. Hüllenkremer will sich dazu nicht äußern, Suska war gestern nicht zu erreichen.

Thalfang. Was ist mit Michael Suska? Seit Wochen gibt es Gerüchte, der langjährige Büroleiter des früheren Amtschefs Hans-Dieter Dellwo und kurze Zeit von dessen Nachfolger Hüllenkremer, sei entlassen worden - von Hüllenkremer.
Will man von Mitarbeitern der VG-Verwaltung Genaueres wissen, trifft man auf eine Mauer des Schweigens. "Dazu kann und darf ich nichts sagen", heißt es jedes Mal. Auch von den Fraktionssprechern gibt es keine befriedigenden Antworten auf die Frage, "Was ist mit Suska?"
Keiner will offiziell etwas sagen, stets heißt es: "Das ist eine Personalangelegenheit." SPD-Sprecher Detlef Jochem: "Es gibt so viele Unklarheiten. Das alles ist sehr schwierig."
Auch sein CDU-Kollege Winfried Welter hüllt sich in Schweigen. Er sagt nur: "Hüllenkremer und Suska - das ist ein gestörtes Verhältnis." Nur der FDP-Sprecher Werner Breit wagt sich etwas aus der Deckung. "Über eine Entlassung Suskas kann Hüllenkremer laut Gemeindeordnung nicht allein entscheiden. Dazu braucht er die Zustimmung des Verbandsgemeinderates." Und die hat er offenbar nicht. Am 30. Oktober stand im nicht öffentlichen Teil der VG-Ratssitzung der Punkt Personalangelegenheiten auf der Tagesordnung. Dabei ging es um Suska.Brisante Ratssitzung


Es ging hoch her, berichtet ein Teilnehmer. Ein anderer bestätigt: "Ja, Hüllenkremer hat Suska fristlos entlassen." Der Bürgermeister habe dafür zahlreiche Gründe aufgeführt, diese seien aber "lächerlich gewesen". Nach TV-Informationen haben die Fraktionen von CDU, SPD und FDP deshalb bei der Kommunalaufsicht beim Kreis Beschwerde eingelegt. Die Kreisverwaltung wollte sich dazu nicht äußern.
Hüllenkremer selbst will zu den ganzen Vorgängen um einen seiner wichtigsten Mitarbeiter nichts sagen. Nur so viel: "Das ist eine Personalangelegenheit. Es läuft ein Verfahren, deshalb äußere ich mich zum jetzigen Zeitpunkt nicht."
Suska, der seit mehreren Wochen in der Verwaltung keinen Dienst mehr macht, war gestern nicht zu erreichen.
Zur Vorgeschichte: Bei der Wahl zum Bürgermeister der Verbandsgemeinde Thalfang am 21. April dieses Jahres hatte der bislang in der Kommunalpolitik völlig unbekannte und parteilose 33-jährige Rechtsanwalt Marc Hüllenkremer mit knapp 58 Prozent der Stimmen überraschend gegen seinen einzigen Kontrahenten Michael Suska gesiegt. Als sich am Wahlabend die Niederlage des langjährigen Büroleiters, der seit über 40 Jahren in der Verwaltung arbeitet, abzeichnete, herrschte Betroffenheit unter den meisten Verwaltungsmitarbeitern. Auch die Fraktionen versetzte das Ergebnis in einen kurzen Schockzustand.
Suska (56) war gemeinsamer Kandidat von CDU und SPD, die FDP hatte ihn unterstützt. Allein der Sprecher der FWG, Richard Pestemer, triumphierte. Er hatte für Hüllenkremer mächtig die Werbetrommel gerührt.
Pestemer war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.Finanzabteilung entzogen



Zu einem ersten politischen Zwist kam es, als Hüllenkremer Anfang Juni die Verwaltungsstruktur im Rathaus neu ordnete. Die bemerkenswerteste Veränderung: Hüllenkremer entzog Büroleiter Suska, bis dato Leiter des Fachbereichs Organisation und Finanzen, das Gebiet Finanzen. Außerdem versetzte er die Vorzimmerfrau des Bürgermeisters, Ulrike Malburg, in den Bereich Tourismus. Dagegen gab es heftige Proteste - in erster Linie von der SPD-Fraktion. Ihr Vorwurf: Hüllenkremer habe bewusst das Mitbestimmungsrecht ausgehebelt. "Mit welcher Geschmacklosigkeit enthebt der Bürgermeister verdiente langjährige Rathausmitarbeiter ihrer Aufgaben, allen voran seinen ehemaligen Mitbewerber", fragten die Sozialdemokraten in einer Pressemitteilung. Hüllenkremer hatte außerdem vor seiner Entscheidung die Verwaltung umzuorganisieren, weder die Beigeordneten noch die Ratsfraktionen informiert. In einem Interview mit dem TV Mitte August sagte Hüllenkremer, die Wogen hätten sich geglättet. Er arbeite mit Suska - bei allen Meinungsverschiedenheiten - gut zusammen.Meinung

Hüllenkremers Dilemma
Vorwürfe, Verdächtigungen - vor allem aber Gerüchte: In der Verbandsgemeinde-Verwaltung Thalfang brennt es. Und keiner will Tacheles reden. Klar: Es geht um eine Personalie, die nicht öffentlich behandelt wird. Diese Personalie ist aber von größter Bedeutung. Denn ein Büroleiter ist wichtigster Mitarbeiter und engster Vertrauter des Bürgermeisters. Dieses Vertrauen existiert seit der Wahl des neuen VG-Chefs im Rathaus Thalfang nicht mehr. Wer genau der Schuldige für dieses Zerwürfnis ist, lässt sich derzeit noch nicht ausmachen. Hüllenkremer, das war von Anfang an klar, wird einen sehr schweren Stand haben. Nicht nur, weil er seinem wichtigsten Mitarbeiter eine bittere Niederlage bereitete. Eine Niederlage, die Michael Suska, der sich ob seiner langjährigen Erfahrung für den besseren Verwaltungsfachmann hält, nie überwunden hat. Hüllenkremer hatte auch stets deutlich gemacht: Die VG Thalfang wird als Einheit keine Zukunft haben. Jede Gemeinde solle das bekommen, was sie will. Das kam bei den Bürgern offenbar gut an. Bei den meisten Verwaltungsmitarbeitern hat er sich damit aber sicherlich keine Freunde gemacht. Die Verbandsgemeinde Thalfang zeigt längst Auflösungserscheinungen. Jurist Hüllenkremer wickelt sie ab. Diesen Job wollte er. Dass er aber so viel Zündstoff birgt, hat er wohl nicht erwartet. w.simon@volksfreund.de

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