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Landwirtschaft: „Alles Gute für Haus, Hof und Stall!“

Landwirtschaft : „Alles Gute für Haus, Hof und Stall!“

Auf ihrer Dreikönigstagung diskutieren die Landwirte und Winzer aus dem Landkreis Bernkastel-Wittlich die „sanfte Agrarwende“.

„Alles Gute für Haus, Hof und Stall!“ Mit diesen guten Wünschen, „wie es früher noch üblich war“, begrüßte Manfred Zelder, Kreisvorsitzender des Bauern- und Winzerverbands, etwa 150 Landwirte und Winzer, die sich zur Dreikönigstagung im Jugendheim St. Bernhard in Wittlich eingefunden hatten.

Neben einigen Ehrengästen aus Land-, Bundestag sowie der Kommunalpolitik hatten sich die Bauern und Winzer aus dem Landkreis Bernkastel-Wittlich auch Referenten eingeladen, die ihnen wichtige Informationen dazu vermittelt haben, wie sie die stetig zunehmenden Herausforderungen in der Landwirtschaft meistern können. „Wir Bauern sind dafür bekannt, dass wir gerne jammern und klagen, aber das wollen wir heute mit Zahlen und Fakten untermauern“, sagte Zelder.

Bevor die Fachvorträge starteten, wünschten den Landwirten und Winzern allerdings noch einige Redner ein frohes neues Jahr – darunter Peter Bleser, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Landrat Gregor Eibes sowie Bauernpräsident Michael Horper. „Wir sollten hoffnungsvoll ins neue Jahr gehen“, sagte Horper. Er hoffe auf eine stabile Regierung,  die sich vor und hinter die Landwirte stelle. „Aber die Politik“, sagte Horper, „die eine Öko-Bio-Kuschelzoo-Tierhaltung und Fleisch von Tieren fordert, die nie geschlachtet werden, muss umdenken.“

Als hochkarätigen Referenten hatten sich die Landwirte mit dem Unternehmer Michael Horsch den „Pionier der pfluglosen Bodenbearbeitung“ eingeladen. Der Geschäftsführer des Landtechnikherstellers aus Bayern mit mehr als 1100 Mitarbeitern bot den Landwirten einen sowohl selbst- als auch gesellschaftskritischen Vortrag mit dem Titel „Brauchen wir eine sanfte Agrarwende?“ Horsch, der als Hersteller von Landtechnik weltweit herumkommt, erklärte den Zuhörern, dass die Landwirtschaft seiner Meinung nach keine extreme,  sondern eine sanfte Agrarwende brauche. „Ganz ohne den Einsatz von Chemikalien geht es nicht. Aber noch schneller, als die Gesellschaft eine nachhaltigere Landwirtschaft mit weniger Gentechnik und Chemikalieneinsatz fordert, erklärt uns das die Natur.“ Das sehe man an den aufkommenden Resistenzen beim Unkraut und bei Pflanzenschädlingen,  die man mit keiner Chemikalie mehr in den Griff bekomme.  „Die Natur will Vielfalt“, sagte Horsch.

„Zudem ändern sich unsere Ernährungsgewohnheiten.“ Neben dem „Öko“ komme vermehrt der Ernährungstyp des „Flexitariers“ vor, der sich schlicht bewusst und gesund ernähren wolle anstatt auf strikt ökologischen Anbau zu bestehen. Der Flexitarier esse etwas weniger Fleisch als der Normalverbaucher, dafür aber mehr Salat und Gemüse, erklärte Horsch, und er achte auf die Inhaltsstoffe seiner Nahrung, sagte Horsch. „Aber das schadet den Landwirten nicht  – ganz im Gegenteil! Es passiert etwas auf der Welt, und wir müssen nur verstehen, was da vor sich geht!“

 Michael Horsch, Geschäftsführer der Horsch Maschinen GmbH.
Michael Horsch, Geschäftsführer der Horsch Maschinen GmbH. Foto: Christian Moeris

Zudem seien die Supermarktketten mehr und mehr dazu bereit, den Landwirten ihre Feldfrüchte, die unter dem verminderten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln produziert würden, zu bezahlen. Darin liege die Chance der Betriebe von kleinstrukturierten Anbaugebieten wie dem Landkreis Bernkastel-Wittlich, der mit Regionalität wuchern könne, und dessen Betriebe bei nachhaltiger Produktion zukünftig mit mehr Erfolg rechnen könnten, sagte Horsch. „Die Großen, die sagen: ‚Wir produzieren das für den halben Preis und liefern euch das dafür auch noch’, wissen teils noch gar nicht, dass sie da nicht werden mithalten können.“ Günter Meierer, Winzervorsitzender des Verbands im Landkreis, hatte das Schlusswort: „Noch mehr als die kleine Ernte hat uns 2017 die öffentliche Diskussion über die Landwirtschaft zugesetzt wie beispielsweise beim Thema Glyphosat. Dabei diskutiert man meist nicht mit, sondern über uns.“