Alles Gute kommt von oben

WITTLICH. Zwei Tage verteilte ein Hubschrauber 450 Tonnen Kalk über dem Grünewald. Die Stadt Wittlich will damit die Qualität des Waldbodens günstig beeinflussen. Eine Investition, die sich langfristig im Ertrag beim Einschlag auszahlen soll.

Bienenfleißig surrt der Hubschrauber über dem Grünewald. Er sammelt im Sekundentakt naturgemäß keinen Nektar, sondern Kalk. Und das gleich in 800-Kilo-Portionen, die er sogleich über den Baumkronen verteilt. Jede Menge Staub liegt in der Luft. Der Hubschrauber verharrt über der kleinen Lichtung, bis der Hublader den herabhängenden Kübel gefüllt hat. Stadtförster Joachim Rodenkirch muss beim Erklären laut werden: "800 Kilo passen da rein. Insgesamt werden 450 Tonnen Kalk auf 142 Hektar verteilt." Wittlicher Wald ist gesund

Abflug - wieder rieselt eine Staubwolke herab. Das Waldgrün ist rings um den Verladeplatz zu einem matten Beige geworden. Aus Ahütte in der Eifel kommt der "erdfeuchte Magnesiumkalk", der jetzt nahe der höchsten Erhebung des Stadtwaldes, der Staudt mit 454 Metern, für dauerhaft guten Boden sorgen soll. Neben Joachim Rodenkirch steht Bürgermeister Ralf Bußmer und sagt: "Der Wald in Wittlich hat ja Tradition und ist einer der größten kommunalen Waldbestände in Rheinland-Pfalz. Wir sind froh, dass der Stadtrat die Unterstützung gibt, dass dieser Wald in seinen vielfältigen Funktionen erhalten bleibt. Wir wollen Bäume und Boden gesund halten und in Folge auch das Grundwasser." Ja, ist der Wittlicher Wald denn krank? "Nein! Der ist gesund", sagen Joachim Rodenkirch und Ralf Bußmer unisono, und der Stadtchef fügt hinzu: "Wir kalken nicht wegen sauren Regens." Es hätten sich Defizite in Teilbereichen des Waldbodens gezeigt. Diese Schwachstellen in der Bodenchemie wolle man verbessern. Kein "Gießkannenprinzip"

"Unser Waldzustand liegt wegen der früheren Kalkung auch deutlich über dem Landesdurchschnitt. Deshalb wird hier nicht nach dem Gießkannenprinzip alles behandelt, sondern nur ausgesuchte Flächen. Grundlage dafür ist die Bodenuntersuchung, die wir nach der Kalkung fast aller Waldflächen zwischen 1987 und 1999 gemacht haben", erklärt der Stadtförster. Besonders die untersuchten eichenreichen Bestände seien bodenchemisch gesehen stabil. Störungen zeigten sich bei einigen Douglasienbeständen durch überhöhte Manganfreisetzung. Dort wird jetzt gekalkt. Auch wegen dieser zielgerichteten Auswahl der Teilflächen gibt es Fördermittel für die Aktion. 26 000 Euro kostet die Gesamtaktion. "Wir gehen von 19 000 bis 20 000 Euro Landes- und EU-Mitteln aus. Ein paar tausend Euro werden an uns hängen bleiben", sagt Joachim Rodenkirch. "Aber das steht in keinem Verhältnis dazu, was wir langfristig erwirtschaften. Auch bei einer vernünftigen kaufmännischen Rechnung werden wir einen Ertrag haben. Wo die Bodenchemie stimmt, gibt es ausgewogenen, gleichmäßigen Holzzuwachs", fügt Bürgermeister Ralf Bußmer an. "Das zeugt auch von langfristigem Denken bei den politischen Entscheidungsträgern. Ohne den Stadtrat wäre der Stadtwald nicht was er ist und wird", sagt Rodenkirch. Die beiden Männer wischen den Staub von ihren Jacken und steigen ins Auto. Der Hublader streckt die gefüllte Schaufel wieder in den Himmel. Und der Hubschrauber schwenkt wieder mit leerem Kübel zurück zum Kalkberg am Boden. "Hell Cargo" steht auf seiner Unterseite. Doch er bringt keine Höllenfracht. Für seine Wittlicher Mission gilt: Alles Gute kommt von oben.