Als an Weihnachten das Chorgestühl bebte - Organist und Dekanatskantor ist über Feiertage ein gefragter Mann

Wittlich · Wer kennt den Unterschied zwischen Advents- und Weihnachtszeit? Reinhold Schneck auf jeden Fall. Darüber und seiner auch beruflichen Beziehung zu diesen Wochen spricht der Organist und Dekanatskantor im TV-Interview.

Der Organist Reinhold Schneck stört sich an der Kommerzialisierung der Weihnachtszeit. TV-Foto: Klaus Kimmling

Foto: (m_wil )

Wittlich. Er hört schon beim zweiten Ton, ob bei den Menschen in der Kirche der Funke überspringt: Reinhold Schneck hat jetzt besonders als Organist viel zu tun.
Dennoch hat er Zeit, etwa durch seine seit 25 Jahren von ihm angebotene Freitagsmusik im Advent in der St. Markuskirche, anderen ein wenig Besinnung zu schenken. Im TV-Interview spricht er über die Berieselung durch Weihnachtslieder im Kaufhaus und welches Lied, die Weihnachtsbotschaft für ihn bewegend erklingen lässt. Die Fragen stellte Redakteurin Sonja Sünnen.

Wie sehen eigentlich die kommenden Wochenenden bis Neujahr für Sie aus: Inwieweit haben Sie musikalischen Dauereinsatz und wie bereiten Sie sich auf diese besonderen Tage vor?
Reinhold Schneck: Tatsächlich ist jeder Tag belegt. Nicht nur mit Gottesdiensten sondern auch vielen Proben, Vorbereitungsarbeit, auch am Schreibtisch mit dem Schreiben von Programmen und Gottesdienstabläufen. Im Gottesdienst selbst ist dann alles ganz relaxed. Das macht Spaß, das ist keine Arbeit für mich.

Welches Lied gehört aus welchen Gründen für Sie unbedingt zur Weihnachtszeit dazu?
Schneck: In der Adventszeit: ,Wachet auf', was jeder als Choralvorspiel kennt und ein Lied aus dem neuen Gotteslob Nummer 748: ,Das Volk, das noch im Finstern wandelt, bald sieht es Licht.' In der Weihnachtszeit dann, die ja erst nach Heilig Abend beginnt und bis zum Sonntag nach dem sechsten Januar, Taufe des Herrn, dauert, ist es ein Lied aus dem Bereich der neueren geistlichen Lieder: ,Jesus ist geboren in Bethlehem und überall.'

Was verlangen vielleicht solche Stücke von Ihnen an der Orgel an Besonderem ab? Es ist ja vermutlich etwas anderes als zu Ostern zu spielen?
Schneck: Die Liedbegleitung im Gottesdienst unterscheidet sich nicht viel etwa von Ostern. Da macht es Spaß, wenn die Gemeinde mitsingt, der Funke überspringt.

Beim zweiten Ton hört man das sofort, ob die Leute motiviert sind. Dann ist das ein Geben und Nehmen: sehr schön!
Welche Textzeile bedeutet Ihnen womöglich viel, rührt Sie noch, obgleich Sie ja professioneller Musiker sind?
Schneck: Das eben schon genannte: ,Jesus ist geboren in Bethlehem und überall. Das Wunder, das uns menschlich macht, beginnt im armen Stall.‘ Das ist doch die Weihnachtsbotschaft: dass Gott als Mensch auf die Erde kommt, und dass das auch mein Menschsein auf eine andere Ebene hebt.

Was macht für Sie denn die besondere Qualität einer schönen Melodie in dieser besonderen Zeit aus? Was könnte sie in uns zum Klingen bringen?
Schneck: Wenn die Gemeinde mitmacht, kann mich das persönlich berühren oder so wie heute, als Kindergartenkinder im Altenheim, Wir tragen dein Licht in die Welt hinein‘ gesungen haben: Das ist zwar ein ganz einfaches Lied aber so vorgetragen etwas Beglückendes.

Die Lieder der Moderne von Jingle Bells bis Last Christmas werden ja in den schlimmsten Klangqualitäten unentwegt auf die Menschen abgespielt, sozusagen. Wie gehen Sie mit dem akustischen Overkill dieser Tage um, was nervt Sie denn persönlich womöglich?
Schneck: Ich versuche dann, wegzuhören. Ich finde es schlimm, wenn man im November zum ersten Mal ,Stille Nacht‘ in einem Kaufhaus hört. Mich stört vor allem die Kommerzialisierung der Adventszeit. Und die Weihnachtszeit gibt es eigentlich schon nicht mehr, dann ist schon Vorbereitung auf Karneval.

Gibt es einen Chor, Sänger, der aus Ihrer Sicht ein weihnachtliches Lied besonders schön interpretiert?
Schneck: In St. Paul hat mal der Jazzpianist Markus Burger ,Kommet Ihr Hirten‘ ganz toll gespielt. Ansonsten läuft bei uns häufig eine CD des ,Anderen Chores‘ aus Dillingen im Saarland aus den 90er Jahren, der damalige Kaplan Clemens Mohr hat mitgesungen, die gehört für mich jedes Jahr dazu.

Was ist womöglich ein Lied, das Sie schon seit der Kindheit zu den Festtagen begleitet, immer noch anrührt, Ihnen sehr gefällt?
Schneck: Ich habe eine persönliche Kindheitserinnerung an ,Menschen, die ihr wart verloren‘. Als kleiner Messdiener habe ich im Chor mit dem Rücken zum Chorgestühl gestanden. Wenn dann bei ,Ehre sei Gott‘ der Organist im Pedal die Posaune durchgezogen hat, dann habe ich das Mitvibrieren der Holzwand in meinem Rücken gespürt. Da muss ich oft dran denken. Vielleicht hat diese Erfahrung mit dazu beigetragen, dass ich von dem Instrument Orgel fasziniert bin.

Zwei, drei Stücke, die an Weihnachten für Sie dazugehören: …
Schneck: Das Weihnachtsoratorium von Bach , Jesus ist geboren‘ ist mir ganz wichtig und aus Händels Messias ,Denn es ist uns ein Kind geboren.‘ sosExtra

Reinhold Schneck ist Organist und Kirchenmusiker in St. Markus, Dekanatskantor für das Dekanat Wittlich und kirchlicher Orgelsachverständiger im Bistum Trier. Der Wittlicher ist 57 Jahre alt, verheiratet und hat vier erwachsene Kinder. sosExtra

Weihnachtszeit: Freut ihr euch auch schon sehr auf den 24. Dezember, Heilig Abend? Wisst ihr, dass strenggenommen erst in der Heiligen Nacht die Weihnachtszeit beginnt? So ist das. Sie ist damit viel kürzer als die Adventszeit, in der wir uns jetzt noch - also vor Weihnachten - befinden. Und die Weihnachtszeit endet mit dem Fest der Taufe des Herrn am Sonntag nach dem 6. Januar. Für viele ist aber mit dem Ende etwas anderes verbunden: Nämlich der Tag, an dem spätestens der Weihnachtsbaum abgebaut und verschwunden ist. Und das ist an Mariä Lichtmess (Darstellung des Herrn) am 2. Februar. Das ist 40 Tage nach Weihnachten. sos