Als das Hochwasser die Kegelbahn zerstörte

Als das Hochwasser die Kegelbahn zerstörte

In den 100 Jahren, die das Rachtiger Hotel-Restaurant "Chur Köln" in mittlerweile fünfter Generation geführt wird, haben die Nachfahren von Adam Meyer gute wie schwere Zeiten gemeistert.

Zeltingen-Rachtig. Die 100-jährige Tradition wird im Hotel-Restaurant "Chur Köln" hoch gehalten. Überall gibt es Hinweise auf die Geschichte des Hauses zu entdecken. Sei es die Original-Schankerlaubnis von 1907 oder einer der schweren Steinkrüge mit dem Wappen "Chur Köln", die im Schankraum ihren Platz haben.Nebenan, im Restaurant mit Blick auf die Mosel, legt Besitzerin Hannelore Christoffel Wert auf eine moderne Ausstattung im "Haus der besten Schoppen". Die begehrte Auszeichnung hat sich das Restaurant, das Wert auf regionale Produkte und einen Nichtraucherbereich legt, seit 2003 ununterbrochen sichern können. "Wir gehen zum Mäja"

Heutigen Ansprüchen Rechnung trägt aber auch die Ausstattung der Gästezimmer. Allerdings findet sich in jedem der zehn Räume, davon fünf mit Blick auf Fluss und Weinberge, auch etwas Altes. Mal ist es ein Stuhl aus dem früheren Saal, der sich unter neuere Modelle mischt. Mal eine Leuchte, die zeigt, wie zeitlos sie ist. Oder ein Bild aus der alten Gaststätte.Wie die Chefin des Hauses scheinen aber auch die Rachtiger dem Haus verbunden zu sein. Sie sagten noch heute, wir gehen zum "Mäja"", freut sich die 56-Jährige, dass auf diese Weise der Urgroßvater ihres Mannes, Adam Meyer, in Ehren gehalten wird. Als dieser das Hotel eröffnete, war es laut Christoffel das erste Hotel in Rachtig. Für sie ist es eine beachtliche Leistung, dass Meyers Nachfahren - Tochter Maria heiratete einen Jakob Christoffel - das Haus heute in fünfter Generation führen: "Hundert Jahre - das ist eine lange Zeit", denkt sie dabei an schwere Zeiten wie Kriegsjahre oder die Währungsreform.Im Jahr 2007 steht aber nicht nur dem Hotel ein runder Geburtstag ins Haus, sondern auch der heutigen Besitzerin. 30 Jahre ist es her, dass sie das Anwesen samt Weinbaubetrieb mit ihrem Mann von dessen Mutter Martha übernommen hat. Das sei damals ein schwieriger Start gewesen. Sie hätten sehr viel investieren müssen. Den Anfang hatte die Renovierung des Lokals gemacht sowie der Bau einer Kegelbahn. Ab 1979 nahmen sie dann nach und nach Fenster, Außenfassade und die Modernisierung der Zimmer in Angriff. 1992 musste die gebürtige Ürzigerin dann mit dem frühen Tod ihres lange kranken Ehemanns einen schweren Schicksalsschlag verkraften. Ein Jahr später setzte das Jahrhunderthochwasser ihr und den Kindern Danilia und Jörg zu. Sämtliche Kellerräume waren überflutet - auch die Kühlräume - und die Kegelbahn vollkommen zerstört. An Heiligabend saßen sie ohne Heizung da und größtenteils ohne Strom.Familie packt nach Hochwasser mit an

Dank der Hilfe der ganzen Familie habe es an Silvester schon wieder besser ausgesehen. Sohn Jörg, der als gelernter Koch nun im Betrieb eigentlich unabkömmlich war, kam aber dennoch nicht um die Einberufung zur Bundeswehr vorbei. Ungeachtet dessen musste weiter investiert werden. Nachdem noch 1993 das Dach erneuert worden war, kam 1994 die Reihe an die Kegelbahn mit Kegelstübchen. Drei Jahr später wurde eine neue Heizung mit Gas-Brennwertgerät eingebaut und 2002 eine Solaranlage. Denn erneuerbare Energien liegen der Familie am Herzen. Ein entscheidender Schritt war 2001 der Umbau des über dem Restaurant gelegenen Saals in Gästezimmer. Besonders stolz ist die Familie auf die Teilnahme am Tag des offenen Denkmals, der 2006 unter dem Motto "Gärten und Parks" gestanden habe. Qualifiziert dafür hat das Haus der zur Mosel gelegene Wein- und Biergarten mit den mehr als 100 Jahre alten Ulmen.