Als der Wein an die Mosel kam

WOLF. Bei optimalem Wanderwetter ist der Bürgerverein Wolf zu seiner dritten Themenwanderung "Auf den Spuren der Kelten und Römer" gestartet und hat an der Klosterruine sogar einige "Kelten" getroffen.

Gut zu Fuß sollte schon sein, wer sich mit dem Bürgerverein Wolf auf die Spuren der Geschichte begibt. Immerhin liegt der Stadtteil von Traben-Trarbach am Fuße steiler Weinberge, dessen Wege teils binnen kürzester Zeit in den Hunsrück führen. Das ausdauernde Auf und Ab lohnt jedoch die Mühe, da die sich bietenden Ausblicke reichlich für sämtliche Strapazen entschädigen. Doch allzu beschwerlich empfinden die rund 20 Teilnehmer der Themenwanderung "Auf den Spuren der Kelten und Römer" offensichtlich nicht. Lob für die Anekdoten der Wanderführer

"Es ging ganz allmählich hoch", geht eine Frau bei der abschließenden Rast an der Klosterruine die Route noch einmal in Gedanken durch. Im Halbkreis sitzen alle herum, genießen auf Strohballen oder Bänken sitzend ein Gläschen Wein oder Apfelsaft oder üben sich im Bogenschießen, in dem sie die Keltengruppe "Celtoi Volvecum" unterrichtet. Auch drei Wanderer aus Kröv machen nach vierstündiger Exkursion einen entspannten Eindruck. "Wir haben davon gelesen, und weil wir das immer schon mal vor hatten, hat es gepasst," begründet Heinz Stadfeld, weshalb er sich mit Ehefrau Heitrud und Pia Schnitzius den Wolfern angeschlossen hat. Heinrich Rüthlein, ein Urlauber aus Kaarst, ist froh, dabei gewesen zu sein. Der Weg sei gut zu laufen gewesen. "Die Strecke war schön und auch die Berichterstattung", lobt er die Informationen und Anekdoten der Wanderführer Ingo Seebach, dem Pfarrer der Kirchengemeinde, und Reinhold Höffken. Der von ihnen gewählte Weg führt von Wolf aus Richtung Kindel zur keltischen Ausgrabung und von dort parallel zur Mosel durch den Wald Richtung Kloster. Seebach begleitet die Etappen mit aufschlussreichen Erklärungen wie etwa der, wie der Wein an die Mosel kam. Dort habe er nämlich schon lange vor Eintreffen der Römer gemundet und nicht etwa erst zur Zeit des Dichters Ausonius, der der Region mit seinen Versen ein Denkmal setzte. "Im fünften vorchristlichen Jahrhundert haben Adlige für teures Geld Wein aus dem Mittelmeerraum bekommen", so Seebach. Wohl deshalb wacht auch seit jeher der in Kinheim ausgegrabene gallo-römische Gott Sucellus über die Moselwinzer und Küfer, während der griechisch-römische Bacchus mehr für die Konsumenten verantwortlich zeichnet. Ursprünglich waren die Winzer Sklaven

Vom frühen Weinhandel zeugt zum Beispiel, dass Cicero schon 70 vor Christus einen Beamten verteidigte, dem vorgeworfen wurde, in Gallien überhöhte Zölle in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Der Beruf des Winzers sei zudem ursprünglich ein Sklavenberuf gewesen, klärt Seebach die Wanderer auf: "Der ist in den Sachkosten erschienen." Bei der Rast am Kloster ist die Etappe durch die regionale Geschichte dann bereits in der Neuzeit angekommen. Denn an diesen Standort - ursprünglich wohl schon zur Römerzeit ein Wachposten, an dem später eine große Wallfahrtskirche stand - siedelten die Nachfahren der Sponheimer Brüder an, die Kogelherren.