Als die Flieger nach Wengerohr kamen

Wittlich-Wengerohr · Im Sommer des Jahres 1939 landeten erstmals Flugzeuge auf dem ehemaligen Einsatzhafen Wengerohr. Während des Zweiten Weltkrieges nutzte die Luftwaffe den Flugplatz insbesondere für Einsätze im Frankreichfeldzug. Im Mai 1940 setzte sogar das seinerzeit größte Landflugzeug der Welt auf dem unbefestigten Flugfeld auf. Heute starten und landen dort Modellflugzeuge der Lieserfalken.

Wittlich-Wengerohr. Ein Jahr vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges begannen auf den sogenannten "Rorer Wiesen" zwischen Platten und Wengerohr erste Arbeiten zur Errichtung eines Stützpunktes für die Luftstreitkräfte der Wehrmacht. Dort sollte nach Plänen des Reichsluftfahrtministeriums ein sogenannter Einsatzhafen entstehen, der sowohl für Jagdflieger als auch für Bomber und Versorgungsflugzeuge ausgelegt war. Zwecks besserer Tarnung wurde ein Teil der Flughafengebäude am Rande der Ortschaft Wengerohr inmitten der Wohnbebauung errichtet.
Stadt geschichte(n)


Obwohl sich einige Teile der Einrichtung noch im Bau befanden, wurde der Flugplatz schon im Sommer des Jahres 1939 eröffnet. Von nun an starteten und landeten dort täglich Flugzeuge und es wurden fliegende Verbände stationiert. Erst im Frühjahr des darauffolgenden Jahres war der gesamte Fliegerhorst fertig.
Zu Beginn des Westfeldzuges im Mai 1940 wurden die ersten Jagd- und Zerstörer-Flugverbände eingesetzt, wonach ein reger Verkehr auf dem Einsatzhafen entstand.
In dieser Zeit landete auch eine Transporteinheit mit der Junkers G 38, dem seinerzeit größten Landflugzeug der Welt auf dem unbefestigten Grasnarbenplatz. Dies war möglich, da das Gelände beim Bau des Flugplatzes mit kilometerlangen Drainagerohren trockengelegt wurde. Trotzdem kam es bei nasser Witterung auf dem stellenweise feuchten Flugfeld zu Unfällen. So überschlug sich der 25-jährige Feldwebel Hans Bauer am 14. Mai 1940 beim Landeanflug mit seiner Messerschmitt Bf 109 E-1 und wurde tödlich verletzt.
Als die Luftkampfverbände während des Frankreichfeldzuges näher zur Front verlegt wurden, verringerte sich der Flugverkehr auf dem Einsatzhafen wesentlich. Anfang Juni 1940 kam eine Bombergruppe nach Wengerohr, die von dort aus mehrere Feindflüge unternahm.
Nach dem Ende des Westfeldzuges wurde auch diese Gruppe nach Frankreich versetzt. Aufgrund der weiten Distanz zur Front legte man den Flugplatz in der folgenden Zeit still.
Im Jahre 1942 erlangte der Einsatzhafen Wengerohr eine neue Funktion als Segelflugübungsstelle des nationalsozialistischen Fliegerkorps (NSFK). Zum Starten der Segelflugzeuge nutzen die Flugschüler eine Winde oder den Hangstartplatz am sogenannten "Schirbelberg" auf der Gemarkung Platten/Wahlholz. Da jedoch ab April 1944 alliierte Angriffe auf den mittlerweile zum Feldflugplatz degradierten Fliegerhorst erfolgten, musste die Segelflugausbildung noch im September desselben Jahres eingestellt werden.
In den folgenden Monaten diente der Flugplatz nur noch als Notlandeplatz der Luftwaffe. Am 11. März 1945 wurde der Fliegerhorst von amerikanischen Kampfeinheiten eingenommen. Zuvor brachte man das Flugplatz inventar auf die rechtsrheinische Seite. Nach Kriegsende besetzte eine französische Panzerbrigade die Anlage.
Ab den 1950er Jahren diente das Areal der französischen Militärregierung zur Versorgung der Wittlicher Garnison. Darüber hinaus wurde dort die zivile Fahrbereitschaft des Militärs (Famo) stationiert. In den 1980er Jahren erfolgte der Abriss der Einrichtungen. Heute wird das Gelände von den Lieserfalken, einem Verein für Modellflugsport, genutzt.
Extra

Die Junkers G 38 war das weltgrößte Land-Verkehrsflugzeug seiner Zeit. Mit einer Spannweite von 45 Metern, einer Länge von 23 und einer Höhe von 5 Metern ragte das viermotorige Flugzeug weit über die damals üblichen Proportionen hinaus und konnte lediglich mit dem Flugschiff Dornier Do X verglichen werden. Die 14 920 Kilo schwere Maschine erreichte eine maximale Reisegeschwindigkeit von 175 Kilometern pro Stunde. Es wurden nur zwei Flugzeuge dieses Typs von den Junkers-Werken hergestellt. Die "Generalfeldmarschall von Hindenburg", die auch in Wengerohr landete, wurde im Zweiten Weltkrieg als Transportflugzeug eingesetzt und im Mai 1941 von britischen Jägern auf dem Flugplatz Athen-Tatoi zerstört. phi