Alte Geschichten und neue Sagen
Wittlich · Schon in ihrer Jugend haben die Freunde Erich Gerten und Walter Feltes nach heimischen Sagen und Legenden gesucht. Nun stellten sie ihr neues Buch vor, das sich um allerlei Geschichten aus dem Raum Wittlich dreht.
Wittlich. Wer kennt noch den Namen "Hatzdorf"? Eine Legende besagt, dass diese ehemalige Siedlung bei Wittlich einst von der Pest heimgesucht und fast vollkommen ausgerottet wurde. Der letzte wundersam Überlebende verließ das ausgestorbene Dorf, nachdem er alle Opfer ehrenhaft begraben hatte. Einige Kilometer entfernt schuf er sich ein neues Zuhause, das er Neuerburg nannte. Noch heute erinnert die Hatzdorfer Straße dort an das längst vergangene Ereignis.
Mit dem Vorurteil, Sagen und Legenden seien altbacken, räumen der Autor Erich Gerten und sein Kollege Walter Feltes in ihrem neuen Buch kräftig auf. Im vollbesetzten Dachgiebel der Wittlicher Stadtbücherei stellen sie es vor. "Neue Sagen, alte Legenden und unterhaltsame Geschichten zwischen Kyll, Salm und Lieser" beinhaltet genau das, was der Name suggeriert: 120 neu entstandene und längst bestehende Sagen und Geschichten rund um Wittlich. Schon im Eingangsbereich werden die circa 50 Gäste mit einem Glas Wein empfangen und haben vorab die Gelegenheit, sich mit den Gastgebern zu unterhalten. Die lockere und gemütliche Atmosphäre hält an, als die Gäste Platz nehmen und den Worten Gerten und Feltes' lauschen. Walter Feltes ist der Illustrator des Buches, der mit seinen Tuschezeichnungen die von Erich Gerten niedergeschriebenen Sagen bebildert hat.
Ihm obliegt an jenem Abend die Aufgabe, ausgewählte Sagen vorzulesen. Gespannt lauschen die Zuhörer auch den Worten des Autors selbst, der zu jeder vorgetragenen Sage und Erzählung seine persönlichen Eindrücke zur Entstehung und Recherche schildert. Nicht zuletzt berichtet er auch von der jüngsten Sage in der Region: Im Jahr 2006 drohte ein Flugzeug über dem Eifelort Oberkail abzustürzen. Der Legende nach verhinderten die 14 Nothelfer und die Statue der heiligen Mutter Gottes der nahegelegenen Frohnertkapelle den Absturz der Maschine in bewohntem Gebiet. Bereits am nächsten Tag verbreitete sich diese Geschichte unter den Bewohnern des Dorfes.
"Teilweise kennt man die Geschichten schon, die man eben gehört hat. Einige neue sind aber auch dabei", sagt Marie Luise Spreier. Die Wittlicherin hält das Buch in der Hand. "Heute Abend wurde mir bewusst, dass alle Sagen einen wahren Kern haben, nicht so wie bei Märchen", erzählt Gerhard Kien aus Wittlich. Und: "Es wird nur zur Wahrheit etwas dazu gedichtet."Extra
Seit den 1980er-Jahren begeben sich die Jugendfreunde Erich Gerten und Walter Feltes auf die Suche nach alten und neuen Legenden der Region. "Neue Sagen, alte Legenden und unterhaltsame Geschichten zwischen Kyll, Salm und Lieser" ist bereits Gertens 30. Werk. Viele Ortschroniken und Bücher über heimische Flussläufe stammen aus der Feder des Autors. Illustriert werden diese meist von seinem langjährigen Freund Walter Feltes. Als Überraschung hält der Autor ein weiteres kleines Buch bereit: ein Prototyp von "Sagenhaftes Wittlich". Es ist ein Büchlein, in dem alle Wittlicher Sagen enthalten sein sollen. Entstanden ist es innerhalb weniger Wochen, jedoch ist es noch nicht fertig. Mit dessen Vorstellung geht demnach auch eine Aufforderung an alle Wittlicher einher, dem Autor bekannte Sagen über ihren Wohnort telefonisch oder per Mail mitzuteilen. Kontakt: E-Gerten@web.de "Wir würden uns freuen", fasst Erich Gerten zusammen. jas