Altes Foto, frische Erinnerungen

Helmut Reichert (66) aus Traben-Trarbach freute sich unlängst, als ihm sein früherer Sportfreund Frank Molz aus Emmerich eine alte Fotografie sandte. "Das Bild wird im Dezember 1945 entstanden sein", meint Reichert, "die Mosel führte damals noch kein Hochwasser."

Traben-Trarbach. In Trümmern liegt die Moselbrücke, die am 13. März 1945 von zurückziehenden deutschen Truppen gesprengt wurde. Im Vordergrund ist die Behelfsbrücke, die so genannte "Barbarabrücke" zu sehen, die nach dem Krieg am 4. Dezember 1945, dem Barbaratag, fertiggestellt und am 5. Dezember dem Verkehr übergeben wurde. Nur kurze Zeit verband sie die beiden Stadtteile, am 15. Februar 1946 wurde sie durch ein Hochwasser zerstört. In der Ferne ist der weiße Rauch der dampfenden Moseltalbahn zu erkennen.Zwischen den beiden Brücken liegen die Anlegestellen der Fähre, die Josef Buddinger, genannt "Joba" betrieb. "Mittels einer Kurbel wurde die Fähre am Seil über den Fluss gezogen", erinnert sich Helmut Reichert. "Es war eine ganz besondere Auszeichnung, wenn wir Kinder dem Joba dabei helfen durften." Herrschte allerdings viel Betrieb auf der Fähre, kurbelte der Fährmann selbst und verzichtete auf seine kleinen Helfer. Der Fluss war damals noch nicht kanalisiert, und es herrschte eine starke Strömung. Die Fähre wurde etwas moselaufwärts gezogen und fuhr dann schräg moselabwärts ans Trabener Ufer. "Das Anlegen war wieder Sache vom Joba, wir Kinder durften nur in der Mitte der Mosel kurbeln", sagt Reichert.Das alte Foto ruft in ihm viele Erinnerungen wach, die noch ganz frisch sind. So gab es am Trarbacher Ufer vor dem Krieg einen Fußballplatz, der nach Kriegsende wieder aufgebaut wurde. Vor der Brücke befand sich damals die Bleichwiese für die Wäsche. "Wenn wir Jugendliche Fußball spielten, kam schon mal die Polizei", erinnert sich Reichert schmunzelnd. Nicht immer gelang es den Kickern nämlich, den nötigen Abstand zur Bleiche zu halten, und die Hausfrauen waren wenig erfreut, wenn die Fußbälle über die Wäsche rollten. Mancher Ball wurde von der Polizei konfisziert. Mit seinem Sportfreund Frank Molz, der am Trarbacher Gymnasium Abitur machte und jetzt als pensionierter Studiendirektor am Niederrhein lebt, schaffte Reichert einst im FC Traben-Trarbach den Aufstieg in die damalige Landesliga.Die weiße Mauer neben dem Forstamt am Trabener Ufer weckt weitere Erinnerungen in Reichert. "Das war damals ein windgeschützter warmer Platz, die Mütter schoben da gerne ihre Kinderwagen auf und ab. Und das war immer ein Zeichen, dass der Frühling Einzug gehalten hatte."