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Am Bach klappert schon lang keine Mühle mehr: Handwerkskammer zeichnet letzten Müller in der Region aus

Am Bach klappert schon lang keine Mühle mehr: Handwerkskammer zeichnet letzten Müller in der Region aus

Müller ist zwar der häufigste Familienname in Deutschland, aber mittlerweile einer der seltensten Berufe: Der Rentner Günter Simon aus Kesten ist einer der letzten Vertreter dieser aussterbenden Berufsgruppe. Im TV erzählt er über die Mühen und Freuden dieses einst stolzen Handwerks.

Kesten. "Ich hätte nie gedacht, dass dieses Handwerk eines Tages so ausbluten würde", sagt Rentner Günter Simon aus Kesten. Als der heute 75-jährige im Jahr 1954 in der Mühle seines Vaters in Platten in die Lehre ging, saß er in der Berufsschule Trier neben 25 weiteren Lehrlingen, die Müller werden wollten.Keinen Lohn vom Vater


In der teils mit Wasser und teils mit Strom betriebenen Mühle seines Vaters am Bieberbach in Platten schaffte Simon jeden Tag von morgens 7 Uhr bis abends um 23 Uhr. Damals habe man Korn und Mehl noch in 100-Kilo-Säcken gelagert, erinnert sich Simon. "Wenn man die nicht gestemmt bekam, hieß es: Für den Beruf taugst du nichts."
Doch zu Beginn der Lehre, im Alter von 15 Jahren, sei er noch zu schmächtig gewesen, um die schweren Säcke zu heben. Erst mit 17 Jahren habe er sie sich auf die Schulter laden dürfen. "Da gehört viel Technik zu. Zum Glück habe ich davon keine Rückenschäden bekommen." Mit 18 Jahren durfte Simon dann mit dem Lastwagen über die Dörfer zu den Kunden fahren. "In den 1950er Jahren hatte ja kaum ein junger Mann schon ein Auto. Ich bin viel rumgekommen."
Bei den Bauern in Erden, Osann-Monzel, Wehlen und Zeltingen-Rachtig lud der junge Müller Roggen und Weizen auf. Eine Woche später lieferte er 65 Prozent Mehl und 25 Prozent Kleie bei den Bauern wieder ab. Die Getreideschalen werden auch heute noch als Tierfutter verwendet. Für 100 Kilo Korn kassierte der Müller fünf Mark. "Das war damals viel Geld."
Trotzdem zahlte ihm der Vater keinen Lohn, wie es heute üblich ist. "Aber für den Sonntag hat er mir immer ein paar Mark in die Hand gedrückt. In der Woche brauchte ich zu Hause kein Geld." Vor, während, und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg sei Müller ein angesehener und stolzer Beruf gewesen, sagt Simon.
1964 legte er bei der Handwerkskammer in Trier seine Meisterprüfung ab. 1966 verabschiedete sich der junge Müllermeister aus dem elterlichen Betrieb und arbeitete als Angestellter bei einer Großmühle im Saarland. "Ich habe damals schon gesehen, dass Kleinmühlen keine Zukunft mehr haben, was mein Vater aber nie glauben wollte."
100 Tonnen Getreide pro Tag


Die kleine Mühle des Vaters mahlte täglich zwei Tonnen Getreide, bis sie 1967 aus betriebswirtschaftlichen Gründen stillgelegt wurde.
In Blieskastel (Saarpfalz-Kreis) war Simon im Tag- Nachtbetrieb für die Verarbeitung von 100 Tonnen Getreide pro Tag zuständig. "Die Großen haben die Kleinen kaputtgemacht", sagt er. Heute gebe es in Rheinland-Pfalz nur noch rund zehn Getreidemühlen.
1968 kehrte Simon aus dem Saarland zurück in die Region und arbeitete bei einer Mühle in Neumagen-Dhron, die wie alle kleinen und mittelständischen Mühlen mittlerweile Geschichte ist.
Danach mahlte Simon bei der Mühlenbäckerei in Wittlich-Lüxem das Getreide, die 2013 ihr Mahlwerk stilllegte. Damit legte auch Simon nach knapp 60 Jahren sein traditionsreiches Handwerk nieder. "Ich bin der letzte Müller hier in der Gegend." 50 Jahre nach seiner Meisterprüfung hat ihn die Handwerkskammer Trier mit dem goldenen Meisterbrief geehrt.