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Am Bahnhof in Wittlich darf man nicht mal müssen

Öffentlicher Nahverkehr : Am Bahnhof in Wittlich darf man nicht mal müssen

Die Toilettensituation am Hauptbahnhof Wittlich hat sich 2014 verbessert. Eine Behindertentoilette wurde damals eingerichtet. Wer sich allerdings vor seiner Reise keinen Schlüssel dafür besorgt hat, kommt nicht rein. Nichtbehinderte Menschen sollen das WC auch nicht benutzen.

Anna-Lena Guttenson ist gerade am Hauptbahnhof Wittlich angekommen. Die junge Frau aus der Nähe von Frankfurt will Freunde in Wittlich besuchen. Bevor sie mit dem Bus in die Innenstadt weiterfährt, möchte sie noch auf die Toilette gehen. Doch da hat sie am Bahnhof in Wittlich keine Chance. Denn es gibt keine allgemein zugängliche, öffentliche Toilette. Von einem wartenden Besucher bekommt sie den Tipp, es bei einer Gaststätte, in der Nähe zu versuchen. Wenn sie Glück hat, kann sie dort das WC nutzen.

Auch Hans-Jörg Krames aus Wittlich findet, dass die Bahn bei der Toilettensituation in der Bringschuld sei. Er sagt: „Was ist mit den nichtbehinderten Menschen, die eine Toilette benutzen möchten? Es kann doch nicht sein, dass Fahrgästen, die mit der Bahn fahren wollen, und auf Züge warten müssen, eine vorhandene Toilettenanlage nicht zur Verfügung steht?“ Weiter führt er an: „Jeder kleine Betrieb wird verpflichtet, eine Toilettenanlage zur Verfügung zu stellen, respektive Vorschriften zu beachten. Die Bahn stellt sich hier taub. Das ist ein Armutszeugnis.“  

Dabei gibt es grundsätzlich Toiletten auf dem Bahnhof in Wittlich. Zum einen die Behindertentoilette auf dem Gelände zwischen Bahnhof und den Bus- und Taxiständen. Sie wurde 2014 für 22 000 Euro gebaut. Die Kosten haben sich die Stadt Wittlich und der Landkreis geteilt. Für die laufende Reinigung ist die Bahn zuständig. Dieses WC kann nur mit einem speziellen Schlüssel geöffnet werden, den  Menschen unter Nachweis ihrer Behinderung entweder in Darmstadt bei einer speziellen Stelle für 20 Euro anfordern können, oder bei  der Kreisverwaltung erhalten können. Dazu Manuel Follmann, Pressesprecher des Kreises: „Die Schaffung einer Möglichkeit, den Einheitsschlüssel quasi als „Generalschlüssel“ am Schalter zu hinterlegen, wurde bislang nicht durch die Kreisverwaltung verfolgt, da Menschen mit Behinderung in der Regel um diesen Umstand wissen und im Übrigen Behindertentoiletten gerade nicht für jedermann zugänglich sein sollen.“

Die deutsche Bahn erklärt dazu, warum man keinen Schlüssel am Schalter für das Behinderten-WC bekommen kann: „Es handelt sich um einer von der Stadt errichtete Behindertentoilette. Von der Bahn vorgesehene Toilettenanlagen bzw. WC-Center sind nur an großen Umsteigebahnhöfen vorzufinden. Da stellt Wittlich keine Ausnahme dar.“

In welchem Zustand die Toiletten im Bahnhofsgebäude sind, die sich hinter einer verschlossenen Glastür vor der ehemaligen Gaststätte befinden, und ob man diese nicht mit einem geringen finanziellen Aufwand wieder herrichten und in Betrieb nehmen kann, entzieht sich der Kenntnis der Kreisverwaltung. Die Bahn hat momentan keine Pläne, baulich etwas am Hauptbahnhof in Wittlich zu ändern. „Vor einigen Jahren wurde die Verkehrsstation Wittlich umfassend modernisiert und barrierefrei ausgebaut“, so eine Bahnsprecherin.

Beim Kreis und der Stadt gibt es ebenfalls keine Aussichten, dass sie eine weitere Toilette für Menschen ohne Behinderung bauen. „Wenn das Vorhandensein einer öffentlichen Toilette am Hauptbahnhof erwartet wird und wünschenswert wäre, handelt es sich nicht um eine Aufgabe des Kreises. Insofern kann die Errichtung oder finanzielle Beteiligung durch den Landkreis nicht in Aussicht gestellt werden“, so Manuel Follmann. Die Stadt argumentiert: „Wir vertreten die Auffassung, dass es Aufgabe der Deutschen Bahn ist, ein attraktives Reise- und Personentransportangebot zu schaffen. Dazu gehört auch die Bereitstellung von öffentlichen Toiletten im Wartebereich. Auch die Stadt hält in ihren öffentlichen Einrichtungen Toiletten für ihre Kunden bereit.“ Zusammenfassend sagt Rainer Stöckicht, Pressesprecher: „Es gehört nicht zu den Aufgaben der Stadt Wittlich, die Infrastruktur der Deutschen Bahn aus Steuermitteln zu finanzieren.“

Es sieht also nicht gut aus, für Menschen wie Anna-Lena Guttenson. Sie meint nur: „Da ist man selbst in Südamerika weiter. Dort gibt es Toiletten, die man mit einem Code auf dem Ticket öffnen kann. Bei den Bahnpreisen, müsste ein WC-Besuch eigentlich drin sein.“