Am Klavier fällt der Frust ab

Knapp 7000 Einwohner und ein 16-Millionen-Euro-Etat: Stadtbürgermeister Wolfgang Port wäre mit diesem Amt ausgelastet. Aber er hat noch einen Hauptberuf, der ihn ebenfalls fordert. Trotzdem bleibt Zeit für Mußestunden.

Bernkastel-Kues. Er spielt Klavier und Trompete, er singt und malt, hat schauspielerische Qualitäten, ist handwerklich begabt und kocht gut. Was kann Wolfgang Port eigentlich nicht? "Er spült nicht ab", ruft Ehefrau Helga aus dem Hintergrund. "Und ich bügele nicht", antwortet der Gatte.

Wer das Haus des Bernkastel-Kueser Stadtbürgermeisters betritt, wird von viel Atmosphäre empfangen. Da steht und liegt alles, wo es hingehört. "Wir sind aufgeräumte Menschen", sagt Port, der seit dem 21. November 2000, nach dem Rücktritt von Helmut Gestrich, der Stadt vorsteht. 2001 stellten er und drei Mitbewerber sich zur vorgezogenen Urwahl, 2004 stand Port alleine zur Wahl. Am 7. Juni wird es genauso sein.

Das Amt des Stadtbürgermeisters ist ein Ehrenamt. "Von der Arbeit her hat es aber mit einem Ehrenamt nichts zu tun", sagt der 55-Jährige. "Unter sechs Stunden am Tag komme ich nicht weg. Dazu kommen die Samstage und Sonntage", erläutert er den Aufwand.

Dem Diplom-Ingenieur kommt zugute, dass er sich in seinem Hauptberuf - Port ist öffentlich bestellt und vereidigter Sachverständiger der Industrie- und Handelskammer Trier und amtlich anerkannter Sachverständiger des Landes für Kraftfahrzeuge — seine Zeit relativ frei einteilen kann. Aufwendig ist dieser Job aber schon dadurch, dass Port in der ganzen Region unterwegs ist (30 000 Kilometer im Jahr) und als Chef-Sachverständiger des Technischen Überwachungsvereins (Tüv) im Bezirk Trier auch Mitarbeiter betreut.

Warum tut sich der Vater zweier erwachsener Kinder bei diesem Aufwand das Bürgermeisteramt in einer Stadt von knapp 7000 Einwohnern (Hauptwohnsitz) an. "Weil ich es gerne mache", sagt er. Die Position beinhaltet viel Verantwortung. Immerhin liegt der Etat der Stadt bei 16 Millionen Euro. Port: "Das entspricht einem mittleren Unternehmen."

Als "sachlich und nüchtern" bezeichnet er seine hauptberufliche Tätigkeit. Diese Attribute sind auch als Bürgermeister gefragt, auch wenn der gebürtige Kueser in der geschichtsträchtigen Stadt oft im hellen Licht der Öffentlichkeit steht. Gleichwohl sei der Ausgleich, zum Beispiel im künstlerischen Bereich, wichtig. Ports Kindheitstraum war, Musiklehrer zu werden. Der Traum erfüllte sich nicht. Aber vom ersten ersparten Geld als Diplom-Ingenieur kaufte er sich vor etwa 25 Jahren für 6000 Mark einen Flügel.

Der Bürgermeister nimmt sich selbst aufs Korn



Klavierklänge sind für die Nachbarschaft ein untrügliches Zeichen, dass das Stadtoberhaupt zuhause ist. "Manchmal spiele ich mir den Frust von der Seele. Dann haue ich auch etwas kräftiger in die Tasten", gibt er zu. Einem größeren Publikum sind er und die nicht mit ihm verwandte Anni Port als "Hannes und der Bürgermeister" bekannt. Sie traten mit einem Sketch aus der Fernsehserie schon im Karneval auf.

"Es gehört Mut dazu, sich selbst aufs Korn zu nehmen", sagt Eric Achtermann, Vorsitzender des Karnevalsvereins "Huckebein". Hier wie dort strebt Port nach Perfektion. "Ich habe einen hohen Anspruch an mich", sagt er.