Amateure sind wirkliche Liebende

WITTLICH-WENGEROHR. Vereinsleben von seiner schönsten Seite betrachtet: Zum Neujahrsempfang buchte der Polizeisportverein den "Ver-rücker" Franz-Joseph Euteneuer – und machte seinen Gästen damit ein Geschenk der besonderen Art.

Die Vorfreude auf den Spaß, den er gleich haben würde, war Axel Henrichs anzusehen. Als der Vereinsvorsitzende des PSV den Ehrengast zum Neujahrsempfang 2007 ankündigte, stimmte er sich und die anderen Vereinsmeier im Clubhaus auf einen kabarettistischen Auftritt ein, der ihnen den Spiegel vorhalten würde, ohne im Geringsten verletzend zu wirken. "Eigentlich bin ich heute gekommen, um Sie zu loben", begann Franz-Joseph Euteneuer, an seiner vollgestopften Schultertasche nestelnd, der er nach und nach merkwürdige Utensilien entnahm: Sportkappe, Glocke, Wecker und Videokamera ergänzten seinen Vortrag zum Wohle des Ehrenamtes vortrefflich. Nachdem die Runde mit perlendem Sekt angestoßen hatte - "Prosit heißt ja auch: Möge es nützen!" - tröstete er zunächst die große Gruppe der 60- bis 70-Jährigen im Raum: Dieser Zielgruppe gilt 2007 nämlich das besondere Augenmerk des PSV. Wer vergesse, brauche das keineswegs auf das fortschreitende Alter zu schieben. Im Gegenteil, so der empirisch forschende Euteneuer, kenne man das Zeit seines Lebens, man habe lediglich als Mittzwanziger die eigene Vergesslichkeit als Zerstreutheit ob der schmucken jungen Dame von nebenan interpretiert. Irgendwo hole sich der Homo Sapiens seine Wertschätzung ab, sei es durch die Teilnahme an der bio-negativen Olympiade - "Ich muss doch noch was wert sein, wenn meine Tabletten 400 Euro kosten" - oder aber durch die Mitarbeit im Verein. Ohne soziale Kontakte funktioniere halt niemand, und schließlich dürfe man im Verein sogar unverschämt sein. Zum Beispiel als Heldin für Schwarzwälder Kirsch. Den Satz "Ich weiß nicht, ob mir mein Hefezopf heute gelungen ist", empfiehlt Euteneuer zu vergessen: Diese Art von Verschämtheit sei schlicht fehl am Platze. Warum die Menschen bei Versammlungen nicht wild in den Raum schreien "Wähl mich! Wähl mich!" weiß der komödiantische Philosoph auch. Leider, leider machten sich die meisten, besonders die Frauen, lieber kleiner als sie sind. Seine besonderen Fähigkeiten einbringen, sie mit anderen teilen, seine eigene Geschichte schreiben und damit die der anderen gleich mit: Das halte frisch, das baue auf, das schenke einem selbst und den Mitmenschen Freude, Sinnhaftigkeit und Ermunterung. Und bereichere in einem Aufwasch die einzige menschliche Zukunft, unseren Nachwuchs: Denn wo sonst als im Non-Profit-Bereich verbreitere sich heute noch an Kinder und Jugendliche die lebenswichtige Botschaft: Du bist wichtig, du bist wertvoll. Und diese anderen geschenkte Freude schlägt, das bewies Euteneuer einprägsam, tausendfach auf den zurück, der sich da einsetzt: durch Stärke, Selbstbewusstsein und Sozialkompetenz bis ins hohe Alter. Diese Unsumme an Geschenken, die das ehrenamtliche Engagement im Verein also garantiert, lohne doch unbestritten den Einsatz der läppischen 30, 50 oder 70 Euro pro Monat! Am Ende landete Euteneuer bei 90 Euro und gratulierte allen Vereinsmeiern im Raum: "Es ist total toll, wenn man, wie Sie, Amateur ist." Das Wort leite sich schließlich aus gutem Grund von Amor ab.