Amerikaner-Siedlungen: Nachmieter gesucht

Amerikaner-Siedlungen: Nachmieter gesucht

"Fast so, als lebten Sie in den USA": Von diesem Werbespruch lassen sich bislang wenige Mieter für die Wohnsiedlungen in Binsfeld und Speicher begeistern, in denen nur noch zum Teil Amerikaner wohnen. Seit Oktober sind die Unterkünfte auf dem freien Markt.

Binsfeld/Speicher/Bitburg-Prüm. Die Namensschilder an den Briefkästen sind nicht beschrieben, die Rollläden heruntergelassen, die Parkplätze leer. Wer durch die amerikanische Wohnsiedlung in Binsfeld fährt, der sieht nur vor wenigen Türen Dreiräder für Kinder oder Blumenschmuck. Viele Familien sind ausgezogen - so will es auch die Airforce. Zu groß sei die Gefahr, das Ziel von Terroranschlägen zu werden, wenn viele US-Soldaten und ihre Angehörigen auf einem Fleck wohnen.
Ende 2010 war daher beschlossen worden, die 200 pauschal angemieteten Wohnungen in Binsfeld und Speicher aufzugeben. Seit dem 1. Oktober 2011 stehen sie privaten Mietern offen. Einige Amerikaner sind geblieben: Nach Auskunft der Airbase Spangdahlem wohnen aktuell 44 amerikanische Familien in der Wohnsiedlung in Binsfeld und 35 in Speicher.
Wie Helmut Schwert berichtet, Eigentümer der Anlagen aus Duisburg, steht ein Drittel der Wohnungen leer. Einfamilien- und Reihenhäuser werden weiter nur an Amerikaner vermietet, Mehrfamilienhäuser auch an Deutsche. Aber deren Interesse, hier heimisch zu werden, scheint bislang begrenzt.
Wer auf die Internetseite www.immowelt.de schaut, erfährt, dass die Warmmiete für eine 90 Quadratmeter große Wohnung 600 Euro im Monat beträgt. Geworben wird mit dem Satz: "Sie leben hier in einer exklusiven Nachbarschaft unter Mitgliedern des US-Militärs und ihren Familien, fast so, als lebten Sie in den USA."
Im Paket sind die gesamten Siedlungen auch zu verkaufen. "Den ein oder anderen Interessenten gibt es", sagt Schwert. Der Verkauf einzelner Häuser sei derzeit nicht geplant, aber auch darüber könne nachgedacht werden. Der Abriss stehe in jedem Fall nicht zur Debatte.
Abriss steht nicht zur Debatte


Zahlreiche Häuser werden für die Amerikaner jenseits der Siedlungen gebaut. 2650 Häuser oder Wohnungen sind derzeit außerhalb der Airbase an US-Soldaten und deren Familien vermietet. Sie müssen vorgegebenen Standards entsprechen. 57 Mal sind im Eifelkreis Bitburg-Prüm seit 2008 Zuschüsse aus dem Dorferneuerungsprogramm geflossen, um Wohnungen für Amerikaner herzurichten und das Wohnumfeld zu verbessern (siehe Extra). Die Fördersumme beläuft sich nach Auskunft der Kreisverwaltung auf 855 000 Euro, mit denen private Baumaßnahmen in Höhe von rund 6,7 Millionen Euro angestoßen wurden.
Ursprünglich waren die Soldaten und ihre Familien in Kasernen und Wohnblocks innerhalb umzäunter Housings untergebracht. Nach und nach bezogen sie immer mehr Privatquartiere. In der Bitburger Housing leben derzeit noch 143 Familien. Ende 2016 soll sie aufgegeben werden.
Rudolf Becker, Bürgermeister der VG Speicher, ist zuversichtlich, dass die Gebäude gut an den Mann gebracht werden. Das habe auch funktioniert, als vor vier Jahren in Herforst und Speicher ältere Wohnsiedlungen aufgegeben wurden. Familien hätten die Häuser damals zum günstigen Preis gekauft, die im Gegensatz zu heute einzeln angeboten wurden. Becker: "Ich bin froh, dass die Amerikaner mehr in die Dörfer ziehen, das ist besser für das Miteinander." In Binsfeld gibt es Befürchtungen, dass wegen der leerstehenden Wohnungen kein neues Baugebiet ausgewiesen werden kann. Aus Sicht von Wittlich-Lands Bürgermeister Christoph Holkenbrink ist das nicht ganz von der Hand zu weisen. Zur Planung gehöre eben auch die Frage, ob der Bedarf mit der vorhandenen Bausubstanz bedient werden kann. Und freie Wohnungen gibt es ja genug.

Extra

Aus dem Dorferneuerungsprogramm fließen im Rahmen der Housing-Initiative Rheinland-Pfalz Fördermittel, wenn Wohnraum für Angehörige der US-Streitkräfte geschaffen wird. Da auf diese Weise die Ortskerne gestärkt werden sollen, gilt dies nur für ältere, ortsbildprägende Gebäude. Wohnungen müssen für mindestens zehn Jahre an Soldaten vermietet werden, müssen mindestens 120 Quadratmeter groß und dürfen nicht mehr als 30 Minuten Fahrzeit zur Airbase entfernt sein. Da die Fördermittel im Eifelkreis verbraucht sind, ist das Programm, das auch das Engagement der Amerikaner in der Region sichern soll, vor kurzem ausgelaufen. uq

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