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Amok-Fehlalarm in Wittlich: Auch Polizisten können irren

Kostenpflichtiger Inhalt: Sicherheit : Amok-Fehlalarm in Wittlich: SEK steht vor falscher Schule

Zum Glück war es kein Ernstfall: Teile der Polizei fanden beim Einsatz in Wittlich nicht den richtigen Einsatzort.

Zum Glück war es kein Ernstfall: Nach den Aussagen und Behauptungen eines Wittlicher Bürgers, der Augenzeuge des Polizeieinsatzes beim Amok-Fehlalarm in Wittlich war, soll der Einsatz alles andere als geschmiert abgelaufen sein.

Die bislang bekannte Version, die allein auf den Informationen der Polizei beruhte, lautete wie folgt:

Amok-Alarm in der Kurfürst-Baduin-Realschule plus in Wittlich: Am Montagmorgen, 19. August, wurde vom Mobiltelefon eines Lehrers ein Alarm ausgelöst. Die Polizei rückte wenige Minuten später mit einem Großaufgebot samt Spezialeinheiten an (der TV berichtete). Für die Schüler und Lehrer bedeutete der Alarm, sich in den Klassenräumen einzusperren und auf Rettung zu warten.  Um 9.16 Uhr konnten alle aufatmen, als die Polizei verkündete: „Der Alarm hat sich nach ausführlicher Abklärung definitiv als Fehlalarm herausgestellt.“

Doch ganz so glatt scheint der Polizeieinsatz zum Amok-Fehlalarm vergangene Woche gar nicht abgelaufen zu sein, behauptet der Anrufer, der die TV-Lokalredaktion in den vergangenen Tagen kontaktiert hat. Er meint, Teile der Polizeikräfte hätten sich beim Einsatz in Wittlich sogar peinlich blamiert.

Behauptung Der Bürger, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, behauptet, das SEK habe in Wittlich zunächst die falsche Schule gestürmt. Nach der Amok-Alarmierung habe die Polizei nicht zuerst die Kurfürst-Balduin-Realschule plus, in welcher der Alarm ausgelöst worden war, sondern versehentlich die Berufsbildende Schule in der Rudolf-Diesel-Straße „gestürmt“.

Und auf dem Weg zur falschen Schule, sagt der Anrufer, habe die Polizei dazu auch noch einen Unfall gebaut und ein Dienstfahrzeug zerlegt.
„Das ist ein Skandal“, sagt der Anrufer. „Ich stelle mir das so vor: Wenn es eine Reallage gewesen wäre und jemand schießt und ballert da rum, dann habe ich 20 bis 30 Minuten das SEK woanders, was ich ziemlich bedenklich finde.“ Das sei so eine Sache, erklärt der Anrufer, wie wenn ihm seine Frau sage, er solle zum Bungert einkaufen fahren und er fahre jedoch zum Real. „Das darf doch nicht passieren. Ich würde sagen,  das ist ziemlich peinlich.“

Aber treffen diese Behauptungen, welche die Polizei in der Tat etwas dumm aussehen lassen würden, wenn sie denn wahr wären, überhaupt zu? Der TV hat die Pressestelle des Polizeipräsidiums  Trier um eine Stellungnahme gebeten.

Polizei Nach Aussage der Polizei ist die Behauptung des anonymen Anrufers nicht richtig – aber auch nicht ganz falsch. Pressesprecher Karl-Peter Jochem erklärt, der Alarm zum Amok-Verdacht an der Realschule plus habe die Polizei um 8.11 Uhr erreicht. „Umgehend wurden Einsatzkräfte der Polizeiinspektion Wittlich zum Einsatzort entsandt und Verstärkungskräfte anderer Dienststellen angefordert. Wenige Minuten später trafen die ersten Einsatzkräfte an der Kurfürst-Balduin-Realschule Plus ein.“ Die Polizisten der Dienststelle Wittlich hätten da bereits von außen festgestellt, dass der Schulbetrieb normal laufe.Es seien keinerlei Auffälligkeiten erkennbar gewesen. Jochem: „Eine Kontaktaufnahme mit der Schule führte zum gleichen Ergebnis. Die polizeilichen Einsatzmaßnahmen wurden planmäßig durchgeführt und gegen 9.06 Uhr beendet.“

Allerdings seien aufgrund eines Kommunikationsfehlers „auswärtige Teilkräfte“ zunächst zur Berufsbildenden Schule, die nur wenige Meter von der Kurfürst-Balduin-Realschule plus entfernt liege, gefahren. Um welche Einheit es sich bei diesen „auswärtigen Teilkräften“ gehandelt hat, beantwortet die Polizei hingegen nicht. Nach TV-Informationen soll es sich dabei um ein Spezialeinsatzkommando (SEK) gehandelt haben, also um Einsatzkräfte, denen  aufgrund ihrer Spezialausbildung bei brisanten Lagen die größte Bedeutung zukommt. Ach ja: Genau genommen sind es von der BBS zur Realschule  820 Meter.

Jochem sagt, nachdem die Polizeikräfte am falschen Einsatzort Kontakt mit den Verantwortlichen in der Schule aufgenommen hätten, sei der Irrtum „sehr schnell aufgeklärt worden“. Gregor Jahn, stellvertretender Schulleiter der BBS, erklärt auf TV-Anfrage, das SEK habe das Schulgebäude Raum für Raum gesichert, was etwa eine Stunde Zeit in Anspruch genommen habe. Jahn: „Die haben ihre Job sehr gewissenhaft erledigt und waren freundlich.“

Nun zum Unfall: Bei der Anfahrt zum Einsatz sei es auf der B­ 49 in Wittlich zu einem „Auffahrunfall zwischen zwei Dienstfahrzeugen“ gekommen, sagt Jochem.  Dabei sei ein Sachschaden von circa 12 000 Euro entstanden. Der Verkehrsunfall habe jedoch keinen Einfluss auf das Einsatzgeschehen gehabt, sagt Jochem. Auch wenn der Polizeieinsatz sich nach Angaben des Präsidiums bei Weitem nicht so desaströs begeben haben soll, wie der anonyme Anrufer ihn schilderte: Ein reibungsloser Einsatz sieht bestimmt anders aus. Allerdings kann die Polizei nicht erklären, wie es nun genau zu diesem „Kommunikationsfehler“ gekommen ist. War es menschliches Versagen oder gab es vielleicht einen Fehler im technischen und automatisierten Informationssystem, das bei Amok-Alarmen ausgelöst wird? Diese Frage lässt die Pressestelle unbeantwortet.

Welche Bilanz zieht die Polizei aus diesem Einsatzgeschehen in Wittlich? Jochem: „Der gesamte Einsatz wird – wie andere vergleichbare Einsätze auch – nachbereitet werden.“ Eine abschließende Bewertung durch die Polizei steht also noch aus.