Aus dem Archiv (Mai 2013): Amt verkauft, aber viele Fragen offen

Aus dem Archiv (Mai 2013) : Amt verkauft, aber viele Fragen offen

Gebäude und Grundstücke des Amtes für Geoinformationswesen der Bundeswehr in Traben-Trarbach sind verkauft. Das bestätigt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Den Namen des Käufers will die Behörde nicht nennen. Nach TV-Informationen steckt hinter dem Investor ein Niederländer. Er soll eine schillernde Figur im Bereich der Internet-Dienstleistungen sein.

Traben-Trarbach. Dienstagmorgen kurz vor halb neun. Das große Tor vor dem ehemaligen Amt für Geoinformationswesen der Bundeswehr auf dem Mont Royal in Traben-Trarbach ist verschlossen. Am Gitter hängt ein Zettel, auf dem eine Handy-Nummer steht. Plötzlich öffnet sich das Tor. Ein schwarz gekleideter Mann mit langen blonden Haaren kommt aus dem Pförtnerhäuschen. "Ja, wir haben das hier alles gekauft. Wir werden in dem Bunker eine Sicherheits-Datenbank einrichten. In den Büros werden Mitarbeiter Computerprogramme entwickeln. Das könnten schon um die 100 Leute sein", sagt er. Seinen Namen will der Niederländer nicht nennen, auch nicht die Firma, die hinter der Investition steckt.
Die Recherche ergibt: Der Mann mit den langen blonden Haaren, ist auch derjenige, der das Nutzungskonzept in nichtöffentlicher Sitzung des Stadtrates vorgestellt hat. Den Namen gibt keines der Ratsmitglieder preis. Ein Anruf auf der Handy-Nummer, die am Eingangstor auf einem Zettel steht: Eine Dame, ebenfalls mit niederländischem Akzent, antwortet auf die Frage, ob der Chef zu sprechen ist: "Ich danke Ihnen, haben Sie noch einen schönen Tag." Sofort legt sie auf.
Alexander Lehnen vom Verkaufsteam Trier der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ist ebenfalls nicht sehr auskunftsfreudig. Er hat mit den Niederländern verhandelt und schließlich die Immobilie an sie verkauft. Den Kaufpreis nennt er nicht, auch nicht den Namen des Käufers - aus Datenschutzgründen, wie er sagt.
Ideal für sensible Daten


Monatelang stand die 13 Hektar große Immobilie mit ihren mehreren Bürogebäuden und Garagen als "modernes Datenzentrum der Bundeswehr mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten" auf der Internetseite der Bundesbehörde. Herzstück ist der mehrstöckige Schutzbau (Bunker) unter der Erde mit einer Nutzfläche von 5500 Quadratmetern - ideal als Zentrum zur Sicherung und Aufbewahrung sensibler Daten aus allen Bereichen von Wirtschaft und Technik.
Nach TV-Recherchen könnte es sich bei dem unbekannten Niederländer um den früheren Eigentümer des Unternehmens CyberBunker handeln. CyberBunker ist Anbieter von Speicherplatz im Internet, ein sogenannter Webhoster. Er akzeptiert nach eigenen Angaben jede Art von Kundengeschäft "mit Ausnahme von Kinderpornografie und allem, was mit Terrorismus zu tun hat".
Anbieter von Speicherplatz


Die niederländische Tageszeitung "De Telegraaf" bezeichnet einen führenden Mitstreiter von CyberBunker als Hackerkönig, Internetanarchisten und Internet-Freiheitskämpfer. Auch der frühere Eigentümer von CyberBunker sei "so ein Technoanarchist" gewesen. Das Unternehmen soll hinter einer der weltweit größten Attacken im Internet stehen und dabei Rechner lahmgelegt haben. Angriffsziel war die schweizerische Spamhaus-Gruppe, eine Organisation zur Bekämpfung von Werbemüll im Internet. Die Attacke soll zeitweise den Verkehr im gesamten Internet verlangsamt haben.
Am Donnerstag meldete sich ein Hans Verhoeven bei der TV-Redaktion. Er sei der technische Berater für das Projekt in Traben-Trarbach und wolle nicht, dass jetzt bereits etwas über das Projekt veröffentlicht werde. Zitat: "Über so eine hochsichere Anlage soll nicht so viel geschrieben werden. Das ist nicht im Interesse der Kunden." In eineinhalb bis zwei Monaten werde man aber detailliert die Presse informieren. Auch Verhoeven wollte nicht sagen, wer der Käufer der ehemaligen Militäranlage ist.
Noch kann der Käufer die Immobilie wirtschaftlich nicht nutzen, denn dazu braucht er die Zustimmung des Stadtrats, der einen Bebauungsplan beschließen muss. Das ist noch nicht geschehen. VG-Chef Weisgerber sagte dem TV, dass sich in der kommenden Woche zunächst der Ältestenrat der Stadt mit dem Thema Konversion befassen werde.
Extra

Im Traben-Trarbacher Amt für Geoinformationswesen waren bis vor zehn Jahren noch über 300 Leute beschäftigt. 2007 hatte der damalige Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung bekanntgegeben, dass das Traben-Trarbacher Amt nach Euskirchen verlegt wird. Bis zum Jahr 2011 sollte der Umzug abgeschlossen sein, hieß es damals. Doch es kam zu Verzögerungen, weil sich die notwendigen Bauarbeiten in den Euskirchener Kasernen in die Länge zogen. Die letzten Mitarbeiter sind Ende Juni dieses Jahres von der Mosel nach Euskirchen versetzt worden. sim

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