Amtsgericht Wittlich verhandelt über Diebstahl und Schächtung eines Schafes

Kostenpflichtiger Inhalt: Gericht : Prozess: Männer sollen gestohlenes Schaf bei Wittlich geschächtet haben

Ein möglicher Viehdiebstahl und die Schlachtung des Diebesguts mit vermutlich illegalen Mitteln –  darum geht es in einem Verfahren vor dem Amtsgericht Wittlich.

Bei Richterin Silke Köhler vom Wittlicher Amtsgericht fließt derzeit das Blut in Strömen – jedenfalls verbal und nach Aktenlage. Allerdings wurden in dem anstehenden Fall keine Zweibeiner gemeuchelt, denn dann wäre das Trierer Landgericht am Zuge. Bei dem Opfer handelt es sich stattdessen um ein Schaf.

Auf der Anklagebank sitzen der 24-jährige L. und der gleichaltrige A. Sie seien einmal Freunde gewesen, aber durch die „vorliegende Sache“ habe sich das geändert. „Wir sprechen nicht mehr miteinander“, erklärt der aus Wittlich stammende A. Wie sich später herausstellt, zählt der junge Bauhilfsarbeiter beim Amtsgericht schon zu den „Stammkunden“ – wegen Diebstahldelikten und Fahren ohne Fahrerlaubnis. L. stammt aus Aserbaidschan, hat dort nach eigenen Angaben eine höhere Schulbildung genossen und ist nun Türen- und Fenstermeister im Prümer Land.

Dann folgt die Anklage von Staatsanwältin Laura Lorenz: Diebstahl und Tötung eines Wirbeltiers ohne vernünftigen Grund. Im Mai 2018 sollen die Angeklagten ein Jungschaf von einer Weide in der VG Wittlich-Land gestohlen und geschächtet (abgestochen und ausgeblutet) haben. Dann hätten sie das Fleisch gegrillt und gegessen. Die Kadaverreste seien in einen Müllsack gesteckt und in einem Teich versenkt worden. Als Transportmittel zum Tatort und zurück habe ein Roller gedient.

Für seinen Mandanten L. erklärt Verteidiger Marco Kissel, dass der sich nicht zur Sache äußern werde. Der Mitangeklagte A. ist ohne Rechtsbeistand erschienen - „wozu brauch‘ ich den, hab‘ doch nichts getan.“ A. räumt immerhin ein, beim Zerteilen des Schafs geholfen zu haben – „ich kann das, denn ich habe früher mit meinem Onkel eine Karnickelzucht betrieben“. Als L. mit dem Schaf in der Nacht angekommen sei, sei es aber schon tot gewesen. „Er hat wohl gesagt, er hat es bei einem Bauern gekauft, oder so.“ Wie das Schaf denn ausgesehen habe, will die Richterin wissen. Antwort: „Ja wie so ein totes Schaf eben aussieht.“ Frage: „Ich meine, war es sehr blutig.“ Antwort: „Ja, ja, viel Blut im Fell.“

Dann tritt die Ex-Freundin von A. als Zeugin auf. Sie waren einmal ein Paar, da sind vier Kinder, von denen sie behauptet, die seien alle von ihm, während er das in Teilen bestreitet – „da läuft noch eine Vaterschaftsfeststellung“. Nun sind sich die beiden spinnefeind. In der fraglichen Nacht war das noch nicht so ausgeprägt, da feierte man im Haus von der Tante von A.. Da will die Zeugin gehört haben, dass die beiden von „Schaf klauen“ geredet hätten. Später seien sie dann mit Wollmützen vermummt weg. Eine der Mützen, schwarz mit einem Zeichen vorne, wird im Verfahren auch noch eine Rolle spielen. Ein bei Familie L. eingeheirateter Mann hatte auch beim Zerlegen geholfen und war beim Grillen dabei, aber woher das Schaf kam, das weiß er nicht.

Dann tritt der Bestohlene, ein Hobbyschäfer, in den Zeugenstand. Er schildert, wie er am Morgen auf die Weide kam und ein Jungtier fehlte. Stattdessen fand er eine Blutlache, von der eine blutige Schleifspur ausging, der er gefolgt sei. Der Zeuge: „Dann kam ich an die Stelle, wo man es auf ein Fahrzeug geladen haben muss.“ Nur eine schwarze Wollmütze mit Zeichen vorne habe da noch gelegen – „die habe ich später der Polizei überreicht“.

Der Mann ist sicher, dass zwei Täter am Werk waren. „So ein Tier wiegt 40 bis 50 Kilo und man muss es auch erst mal einfangen. Vom Fleischwert her hätte es mir rund 100 Euro gebracht“, sagt er. Außerdem seien fünf Schafe vergiftet worden – fünf Tage nachdem er die Ladung zum Gericht erhalten habe.

Schließlich schlägt Verteidiger Kissel vor, das Verfahren gegen 100 Euro Entschädigung an den Schäfer – „es kann auch etwas mehr sein“ – einzustellen. Doch die Staatsanwältin möchte sich auf diesen Handel nicht einlassen.

Am Montag, 9. September, 11 Uhr, soll nun noch eine weitere Zeugin gehört werden.

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