An der Mosel ist der Ärger besonders groß

An der Mosel ist der Ärger besonders groß

Die Entscheidung der Sparkasse Mittelmosel - Eifel Mosel Hunsrück zum 1. Februar zahlreiche Filialen und Geldautomaten zu schließen, schlägt weiterhin hohe Wellen. In den betroffenen Gemeinden ist der Unmut groß. Nicht eingebunden in die Entscheidung war der Kreistag. Das muss er rechtlich auch nicht. Wir haben bei den Fraktionssprechern nachgefragt.

Bernkastel-Wittlich. Der Vorstand der Sparkasse Mittelmosel - Eifel Mosel Hunsrück hat in den vergangenen Tagen zahlreiche Gespräche geführt. Und auch in den kommenden Wochen werden die Bankmanager aufgebrachten Bürgern und Ortsbürgermeistern erklären müssen, warum sie einen so drastischen Einschnitt vollzogen haben. Die Bank schließt zum 1. Februar dieses Jahres 13 Geschäftsstellen, 15 Standorte mit Selbstbedienungsterminals, und sie legt die fahrbare Geschäftsstelle still (der TV berichtete).
Der Bausendorfer Gemeinderat hat am 20. Dezember das Thema kurzfristig auf die Tagesordnung genommen. Beschluss: Ortschef Hans-Peter Heck wird noch einmal persönlich beim Bankvorstand vorsprechen. Er soll erreichen, dass wenigstens noch ein Geldautomat und Selbstbedienungsterminal im Ort erhalten bleibt.
Die SPD-Fraktion im VG-Rat Bernkastel-Kues hat eine Sondersitzung beantragt. Ziel ist es, eine Resolution gegen die Filialschließungen zu verabschieden (siehe Extra), denn an der Mittelmosel ist der Ärger besonders groß.
Die Fraktionssprecher im Kreistag zeigen grundsätzlich Verständnis für die unternehmerische Entscheidung der Sparkasse, aber es wird auch Kritik laut.

Jürgen Jakobs (CDU)
teilt die Auffassung von Landrat Gregor Eibes. Die Bank stehe noch gut da, aber wenn man nicht frühzeitig reagiere, werde sich die Lage für die Sparkasse in den kommenden Jahren deutlich verschlechtern. Jakobs weist darauf hin, dass die Versorgung mit Bargeld für die Bürger weiterhin gewährleistet sei. Kunden der Sparkasse, der VR Bank Hunsrück Mosel und der Vereinigten Volksbank Raiffeisenbank Wittlich könnten jeweils an den Automaten dieser drei Banken kostenlos Geld abheben. Jakobs: "Ein solches Angebot gibt es nicht überall im Land."
Es sei selbstverständlich zu bedauern, wenn in den betroffenen Gemeinden ein wichtiges Serviceangebot fehlen werde und es sei auch schwer, dies den Kunden und Ortsbürgermeistern zu vermitteln. Letztlich sei die Entscheidung aber notwendig gewesen.

Bettina Brück (SPD)
, die sich bereits als Mitglied des Verwaltungsrates gegenüber dem TV geäußert hat, steht ebenfalls zu der Entscheidung. Brück: "Es gilt, die Sparkasse dauerhaft zukunftsfähig aufzustellen. Mir ist wichtig, dass die Servicequalität für alle Kunden auch in Zukunft auf hohem Niveau flächendeckend erbracht wird, sei es in Geschäftsstellen, an Geldautomaten oder über das neue mediale Kundenservicecenter und das Kunden-Service-Team." Sie verweist ferner auf den persönlichen Bargeld-Bringservice und moderne Kartenzahlungssysteme.

Norbert Kraff, Sprecher der FWG-Fraktion
, sagt deutlich: "Diese Entscheidung musste sein. Es geht nicht um eine Gewinnmaximierung, wie manche meinen, es geht schlicht ums Überleben der Sparkasse." Aufgrund der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank sei das wichtigste Geschäftsfeld der Sparkasse, das Zinsgeschäft, weggebrochen. Auch der Personalrat der Bank stehe zu dem Entschluss des Vorstandes und des Verwaltungsrates.

FDP-Sprecher Dr. Dirk Richter
übt hingegen Kritik an der Geschäftsstellenpolitik der Sparkasse. Zwar habe er Verständnis für die grundsätzliche Entscheidung, die Bank zukunftssicher zu machen, ihm missfällt aber die Vorgehensweise. Richter verweist auf die großen und touristisch bedeutsamen Mittelmoselorte Lieser (1230 Einwohner), Mülheim (1000 Einwohner) und Brauneberg (1200 Einwohner), aus denen sich die Sparkasse komplett zurückzieht. Dort gebe es ab dem 1. Februar überhaupt keine Geldautomaten mehr. Richter: "Die Mosel wird total ausgedünnt. Die Leute fühlen sich alleingelassen."
Die Entscheidung der Sparkasse hat Richter wie alle Kreistagsmitglieder, sofern sie nicht im Verwaltungsrat sind, aus der Presse erfahren. Richter: "Am 12. Dezember tagte der Kreistag, da wusste noch niemand etwas. Drei Tage später fällt dann die Entscheidung. Das war nicht gut."

Gertrud Weydert (Die Grünen)
hält die Entscheidung der Sparkasse für richtig. Jetzt sei es aber wichtig, das neue Konzept mit den verbesserten Beratungs- und Serviceleistungen der Bank durch eine gute Öffentlichkeitsarbeit den Kunden zu erläutern.

Rainer Stablo, Sprecher der Fraktion Die Linke/ÖDP
, hat Verständnis für den Schritt der Sparkasse. Sie habe aus der Not heraus so handeln müssen. Die Sparkassen würden darunter leiden, dass Banken mit einem anderen Geschäftsmodell staatlich gestützt werden.Extra

Foto: Winfried Simon (sim) ("TV-Upload Simon"
Foto: Winfried Simon (sim) ("TV-Upload Simon"
Foto: (m_mo )
Foto: Winfried Simon (sim) ("TV-Upload Simon"
Foto: Winfried Simon (sim) ("TV-Upload Simon"

Die SPD-Fraktion im Verbandsgemeinderat Bernkastel-Kues hat eine Sondersitzung des VG-Rates beantragt. Die SPD strebt eine Resolution gegen die geplanten Schließungen von Zweigstellen der Sparkasse Mittelmosel - Eifel Mosel Hunsrück an. Ferner solle der Sparkasse die Gelegenheit gegeben werden, das "untragbare Vorgehen" zu erläutern. Fraktionsprecher Peter Licht: "Gerade die Verbandsgemeinde als Dienstleister unserer Gemeinden steht in einer besonderen Verantwortung." sim

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