An der Mosel werden weniger Sonderbusse fahren können

Kostenpflichtiger Inhalt: Kapazitätsgrenze erreicht : An der Mosel werden weniger Sonderbusse fahren können

Die umfangreiche Ausweitung des Linienverkehrs im ländlichen Raum bringt die Busunternehmen an die Kapazitätsgrenze. Die Folge: Zu später Stunde  gibt es auf manchen Weinfesten keine Sonderfahrten mehr.

Zum Weinfest gehen, das Auto zu Hause lassen, ein paar Schoppen trinken und am späten Abend mit dem Sonderbus nach Hause fahren: Das wird bald nicht mehr so einfach möglich sein.  Ab September tritt das neue Konzept des Öffentlichen Personennahverkehrs in Kraft, um mehr Orte in einer verbesserten Taktung anzufahren (der TV berichtete mehrfach).  Dadurch fehlen aber die Kapazitäten, die für Sonderfahrten in den späten Abendstunden an Wein- und Straßenfesten nötig sind. Diese Antwort erhielten jüngst die Veranstalter des Wein- und Straßenfestes in Lieser, als sie - wie viele Jahre zuvor - die Sonderbuslinien für das Weinfest organisieren wollten, das vom 6. bis 8. September stattfindet.

Fahrten müssen genehmigt werden

Markus Knop, Erster Beigeordneter der Moselgemeinde sagt: „In den vergangenen Jahren hat die Moselbahn den Sonderlinienservice für unser Wein- und Straßenfest übernommen, sowohl als Zubringer als auch für die Rückfahrt zwischen Mitternacht und zwei Uhr morgens. Das war sehr beliebt, denn die Leute konnten ihr Auto daheim stehen lassen.“ Als er aber für dieses Jahr bei der Moselbahn anfragte, musste diese jedoch  passen. Knop: „Uns bleibt jetzt nichts anderes mehr übrig, als zu versuchen, das Ganze privat zu organisieren. Der Sonderverkehr ist damit gestorben.“

Dasselbe Problem in Traben-Trarbach

Die Macher vom Straßenfest im Traben-Trarbacher Stadtteil Wolf, das eine Woche später startet,  haben dieselbe Erfahrung gemacht. Alexandra Boor-Krüger sagt: „Unser Straßenfest gibt es schon über 30 Jahre und wir arbeiten seit vielen Jahren mit der Moselbahn zusammen. Bis zu 2000 Gäste haben den Busservice zwischen Traben-Trarbach und Wolf  in Anspruch genommen. Aber in diesem Jahr wird es den Shuttle-Bus nicht mehr geben. Unsere Anfrage wurde abgelehnt - der Service fällt damit ins Wasser.“

Auch der mit zwei Euro pro Fahrt bislang kostengünstige Bus-Shuttle zwischen den Weihnachtsmärkten in Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach wird in diesem Jahr nicht mehr angeboten, wie die Tourist-Info in Traben-Trarbach mitteilt. Ursache: Der LBM konnte keine Sondergenehmigung ausstellen, da es jetzt auch einen regulären Busverkehr zwischen den Orten gibt. Dafür muss aber der normale Tarif bezahlt werden.

Lenk- und Ruhezeiten beachten

Rolf Tödtmann von der Moselbahn erklärt die Situation: „Bei der ab September geforderten Taktung kommen wir mit unseren Fahrern mit den Lenk- und Ruhezeiten nicht mehr hin, wenn wir Sonderfahrten anbieten.“  Bis 31. August sei die Moselbahn eigenwirtschaftlich unterwegs gewesen. Ab 1. September jedoch bestelle der Aufgabenträger, der Zweckverband Verkehrsverbund Region Trier (VRT), in dem der Kreis Mitglied ist, den Verkehr und bezahle diesen an die Moselbahn. Der Fahrkartenerlös hingegen geht direkt an den Verband. Dadurch würde bei Sonderfahrten der Moselbahn in Zukunft sogar in bestimmten Fällen eine rechtlich nicht erlaubte Konkurrenzsituation entstehen.

Es gibt also zwei Gründe dafür, dass Sonderfahrten in Zukunft kaum mehr möglich sind: Die rechtliche Situation lässt das - sofern der Ort ohnehin vom normalen Busverkehr angefahren wird - nicht so einfach zu. Und:  Die Moselbahn ist an der Kapazitätsgrenze, da sowohl Fahrer als auch Busse durch den neuen Fahrplan, der tagsüber viel mehr Fahrten auch in entlegene Orte bietet, ausgelastet sind.

Eine unternehmerische Entscheidung

Manuel Follmann von der Kreisverwaltung erklärt: „Sonderverkehre sind und waren schon immer genehmigungspflichtig. Die erforderlichen  Genehmigungen erteilt der Landesbetrieb Mobilität. Die Linienverkehre des Linienbündels „Mosel“ wurden nach Beschlussfassung in den Kreisgremien und in den Verbandsversammlungen des Zweckverbandes Verkehrsverbund Region Trier  und des Zweckverbandes SchienenPersonenNahverkehr Nord   ausgeschrieben und vom LBM genehmigt. Diese genehmigten Fahrpläne sind verbindlich.”

Daher könne  die Linienplanstruktur im Linienbündel „Mosel“ selbst nicht entsprechend den Wünschen der jeweiligen Veranstalter angepasst werden. Follmann fügt hinzu: „Die Veranstalter können auch weiterhin Sonderverkehre in Auftrag geben, allerdings dürfen diese Sonderverkehre keinen Parallelverkehr und keine Konkurrenz zu den Verkehren des Linienbündels „Mosel“ darstellen.”

Eine solche Konkurrenzsituation  wäre demnach zwar  bei sehr späten Rückfahrten nicht gegeben - die Frage stelle sich dann jedoch, ob ein externer Busunternehmer auf eigene Rechnung  bereit sei,  zu dieser Zeit noch Busse und Fahrer zur Verfügung  zu stellen. Follmann: „Es bleibt den Veranstaltern jedoch unbenommen, in der Angelegenheit auch andere Verkehrsunternehmen zu kontaktieren.”

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