An der Schwelle zur Neuzeit

TRIER/BERNKASTEL-KUES. (hme) Zum zweiten Teil des internationalen wissenschaftlichen Cusanus-Doppel-Symposiums trafen sich Cusanus-Wissenschaftler aus 13 Nationen in Trier. In acht Vorträgen und vertiefenden Gesprächen diskutierten die Teilnehmer die Predigten des Nikolaus von Kues.

Etwa 100 Wissenschaftler ersten Ranges aus 13 Ländern waren in einem Symposium in der Promotionsaula der Theologischen Fakultät Trier versammelt: Das gibt es nicht oft in Trier. Doch zur Diskussion des geistesgeschichtlich bedeutsamen Cusanus-Erbes trafen sich die Koryphäen der Cusanus-Forschung bereits zum zweiten Mal in zwei Jahren an der Mosel. Anlass für den Doppelkongress, dessen erster Teil im Oktober 2004 stattfand, war der Abschluss der Edition der 293 Predigten, die der bedeutende Denker des 15. Jahrhunderts hinterlassen hat. Doch nicht nur die Herausgabe dieser Predigtsammlung im Auftrag der Heidelberger Akademie der Wissenschaften führte die Tagungsteilnehmer zum Trierer Institut für Cusanus-Forschung. Es galt auch, Querverweise zwischen den Predigten und den philosophisch-theologisch-mathematischen Schriften des Kirchenmannes zu diskutieren. Cusanus, im Jahr 1401 im heutigen Bernkastel-Kues geboren, gilt als Universalgelehrter. Er studierte Mathematik, Physik, Medizin, Astronomie, Jura und Philosophie, beschäftigte sich außerdem mit Kartografie und Medizin. Sein Denken und seine Spekulationen spiegeln den philosophischen Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit wider. Nikolaus von Kues' Predigten muss man sich nun nicht wie eine heutige Kirchenpredigt vorstellen. Seine Predigten, die Sermones, waren philosophischer Natur. Wie sie aussahen, lässt sich heute nur anhand der erhaltenen Entwürfe vermuten. Seine Zuhörer äußerten sich positiv bis begeistert: "Er hat über die schönste Sache gepredigt, die ich je gehört habe", äußerte sich ein Nürnberger Chronist im April 1451. Erklärtes Ziel der Predigten des Kardinals war es, "Christus zu verkünden". Diese Thematik fand sich auch in den Vorträgen des Symposiums wieder. Professor Klaus Kremer aus Trier, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Cusanus-Gesellschaft und Leiter der Tagung, referierte über "Wege und Art der Gotteserkenntnis in den Predigten". Hermann Schnarr aus Trier betrachtete die cusanische Hinführung des Menschen zu Jesus: "Wer den ganzen und wahren Menschen sucht, ist auf dem Weg zu Jesus Christus." Weitere Informationen über das Institut für Cusanus-Forschung Trier bietet dessen Internetseite www.uni-trier.de/~cusanus.