An die Dosen, fertig, los!

Bei den Projekttagen in der Manderscheider Realschule plus konnten die knapp 290 Schüler unter anderem bei Schach oder Selbstverteidigung das Schulleben einmal anders erleben. Als ein weiteres besonderes Angebot konnten die zehnten Klassen an einem Graffiti-Workshop teilnehmen, und durften eine Wand gestalten.

Manderscheid. Ob Bubblestyle, bei dem Buchstaben aussehen wie große Kaugummiblasen, Bombing, bei dem die Zeichen oft groß, chromfarben und schwarz sind: Graffiti ist seit vielen Jahren eine Kunstrichtung, deren Szene sich vergrößert und die ihr Schmierereien-Image immer mehr ablegt.
Das liegt vor allem daran, erklärt Nuhan Alp, der selbst seit vielen Jahren Graffiti sprüht und schon etliche Flächen gestaltet hat: "dass von Firmen oder Kommunen Flächen zur Verfügung gestellt werden, auf denen man legal seinem Hobby nachgehen darf und soll." Deshalb weist Nuhan Alp die Schüler deutlich darauf hin, dass sie nur auf erlaubten Flächen sprühen dürfen.
Auf Anregung einer Schülerin, hat ihn die Realschule plus gefragt, ob er seine Erfahrungen bei den Projekttagen der Schule weitergeben wolle. Und so sitzt er gemeinsam mit zehn weiblichen Teilnehmerinnen und der Schulsozialarbeiterin Ramona Eiserlo im Spongebob-Raum, der so heißt, weil er von Schülern mit der Comicfigur gestaltet wurde. Dazu Ramona Eiserlo: "Die Schule ist für die Schüler Lern- und Lebensort, deshalb sollen sie sich damit identifizieren, sich hier wohlfühlen und auch mitgestalten."
Als Grundidee wollen sie in einem weiteren Raum, den Slogan "starke Schule" an die Wand bringen. Das bedeutet, jede Schülerin kann einen Buchstaben gestalten.
Um einen Zugang zum Thema zu bekommen haben sie erst einmal gesammelt, was sie mit Graffiti in Verbindung bringen. Das sind für sie: Gangster, Bandenfilme, Vandalismus und Züge bemalen. Nuhan Alp erzählt, dass die Ursprünge des Graffiti in der Bronx in New York liegen. Zudem berichtet er über die Stile, dass es leserliche, nicht leserliche und perspektivische Styles gibt.
Er greift das Thema Sprühdose auf, und wie man mit dem Werkzeug umgehen muss, damit bestimmte Effekte entstehen. Wichtig ist Nuhan Alp, dass das Graffiti frei Hand gesprüht wird, keine Schablonen genutzt werden. "Das ist sonst Streetart und kein Graffiti", grenzt er ab.
Züge sind übrigens besprüht worden, als es darum ging, Reviere zu markieren. "Dann wanderte das Graffiti, und nicht der Sprüher musste wandern", erklärt Alp. Die Teilnehmerinnen sind jetzt dabei, ihre Buchstaben zu skizzieren, in verschiedenen Stilen. Nuhan Alp gibt ihnen immer wieder Tipps, wie sie den Buchstaben mehr Ausdruck verleihen können und lobt die Schüler. "Für mich ist es eine Bereicherung, dass ich mein Wissen weitergeben kann. Ich merke, dass viel Potenzial vorhanden ist, und freue mich, wenn die Jugendlichen dabei bleiben." Für die Schüler hat der Kurs ebenfalls eine besondere Bedeutung. Sara Metzeroth, Nina Jang und Nicole Wollweber meinen: "Wir können hier unsere Kreativität mit professioneller Unterstützung ausleben."
Den Slogan "Starke Schule" haben sie ausgesucht, weil die Realschule plus 2015 einen Preis bekommen hat, der diesen Titel trägt, und die Berufsorientierung auszeichnet. chb
Extra

Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, kann sie an Mauern, Brücken oder Zügen sehen: Graffiti. In Wittlich sind welche am Haus der Jugend oder im Stadtpark. Anfang der 1970er Jahre tauchten die ersten Autogramme in New York auf. Als die Zeitungen darüber berichteten, kamen immer mehr Sprayer auf die gleiche Idee. Aus einfachen Buchstaben wurden immer buntere aufwendigere Bilder. Doch das unerlaubte Sprühen gefiel nicht jedem, deshalb hat Graffiti nicht nur Freunde. Die Stars der Szene wie Keith Haring machten das Graffiti bekannter und es gilt inzwischen als Kunst, die auch in Ausstellungen und Museen gezeigt wird. Heute können Graffiti sogar mit dem Computer gemacht werden. chb