Anbau an Binsfelder Kindertagesstätte kostet 1,6 Millionen Euro

Anbau an Binsfelder Kindertagesstätte kostet 1,6 Millionen Euro

Weil die Kindertagesstätte (Kita) Binsfeld zu klein ist, um in Zukunft alle Kinder aufzunehmen, muss das Gebäude vergrößert und umgebaut werden. Das kostet 1,65 Millionen Euro. Der Gemeinderat hat das Projekt am Dienstagabend einstimmig beschlossen.

Binsfeld. Vor drei Jahren bereits musste die Kindertagesstätte Binsfeld vergrößert werden. Das kostete seinerzeit 550 000 Euro. Jetzt muss noch mal angebaut werden.
Derzeit werden dort in drei Gruppen 75 Kinder betreut. 18 davon sind jünger als drei Jahre alt. Das ist auch das Maximum, denn eine Gruppe darf nicht mehr als 25 Kinder haben. Weil in den kommenden Jahren der Bedarf um mindestens weitere 40 Plätze steigen wird, muss die Kita vergrößert werden. Das Architekturbüro Stuckart in Binsfeld hat das Projekt geplant und dem Gemeinderat am Dienstagabend vorgestellt.Küche für 100 Kinder


Der Anbau ist zweigeschossig. Im Erdgeschoss sind unter anderem die zwei Gruppenräume, Neben- und Lagerräume und im Obergeschoss ein großer Mehrzweck-Bewegungsraum, Personalraum, eine Erwachsenen-Toilette und ein Elternsprechzimmer vorgesehen. Eine neue, moderne Küche ist erforderlich, weil in Zukunft etwa 100 Kinder beköstigt werden müssen. Weitere Rettungswege, Flur, Garderobe, Kühl- und Lagerräume sind ebenfalls notwendig. Insgesamt vergrößert sich die Fläche der Kita um 355 Quadratmeter. Auch der Außenbereich muss neu gestaltet und die Zaunanlage erneuert werden. Alleine das schlägt inklusive der Freianlagenplanung mit knapp 110 000 Euro zu Buche.

Insgesamt ergibt sich eine Bruttosumme von 1,65 Millionen Euro. Mehrere Ratsmitglieder hakten wegen der immens hohen Kosten nach: "Wo soll denn das Geld herkommen? Ich glaube, wir packen das nicht." Ein anderer meinte: "Wie sieht es in sieben, acht Jahren aus? Dann haben wir einen teuren, großen und modernen Kindergarten, aber möglicherweise nur noch 60 Kinder, die betreut werden müssen."

Kritik wurde auch an der Politik laut. Sie mache die Vorgaben, die Kosten würden aber auf die Kommunen abgewälzt. Eltern, die wegen eines fehlenden Kitaplatzes nicht arbeiten gehen können, haben beispielsweise einen Anspruch auf Schadensersatz gegenüber ihrer Kommune.
Ein Ratsmitglied ereiferte sich: "Das ist schon fast pervers." Gefördert wird das Projekt vom Land und dem Kreis. Nach Aussage von Ortsbürgermeister Walter Faber zahlt das Land 203 000 Euro, der Kreis 276 000 Euro, verbleiben 1,17 Millionen Euro für die Ortsgemeinde. Diesen Betrag muss die hoch verschuldete Gemeinde komplett über Kredite finanzieren.

Zusätzlich will man Fördermittel aus dem Investitions-Stock des Landes für die Schallschutzmaßnahmen beantragen. Die Airbase Spangdahlem befindet sich in unmittelbarer Nähe. Weil auch Kinder aus Arenrath den Binsfelder Kindergarten besuchen - zurzeit sind es zehn - werden noch Verhandlungen mit der Nachbargemeinde Arenrath geführt, damit diese sich entsprechend an den Kosten beteiligt.
Trotz der großen Bedenken wegen der hohen Kosten stimmten alle Ratsmitglieder für das Projekt.Meinung

Und wir zahlen und zahlen . . .
1,65 Millionen Euro soll der Um- und Anbau des Kindergartens Binsfeld kosten, damit zwei weitere Gruppen untergebracht und alle Kleinen betreut und versorgt werden können. Sorry, aber da setzt mein gesunder Menschenverstand aus. Für diese Summe könnte man, je nach Ausstattung, vier oder fünf Einfamilienhäuser bauen. Es ist ein Dilemma: Jede Partei, egal welcher Couleur, macht sich für Bildung stark. Garantierte und kostenlose Kita-Plätze - wer will da schon dagegen sein? Die Kosten sind aber immens. Das bekommen die Gemeinden zu spüren, die die größeren Kitas bauen müssen. Ein weiterer Punkt: Die Anforderungen an die Sicherheit und Gesundheit der Kinder sind extrem hoch. Sie gehen richtig ins Geld. Und wenn es noch um teure Sonderwünsche geht, traut sich niemand den Sinn und Zweck zu hinterfragen. Es geht ja schließlich um unsere Kinder. Außerdem: Beim Bau öffentlicher Einrichtungen wird immer noch zu wenig kontrolliert. Der Architekt legt einen Plan vor und fertig. Wird schon gut sein. Geht ja nicht anders. Es gibt ja noch Zuschüsse. Binsfeld ist nur ein Beispiel von vielen anderen im Kreis. Muss man sich noch wundern, warum sich die Kommunen trotz gut laufender Konjunktur immer mehr verschulden? w.simon@volksfreund.deExtra

Für den Um- und Erweiterungsbau des Kindergartens Binsfeld, um zwei weitere Gruppen zu schaffen, sind unter anderem folgende Nettokosten veranschlagt: Abbruch-, Erd-, Maurer-, Beton- und Entwässerungsarbeiten: 272 000 Euro; Trockenbauarbeiten: 53 500 Euro; Fliesen- und Plattenarbeiten: 23 000 Euro; Bodenbelag: 25 300 Euro; Schreiner: 27 400 Euro; Fensterbau: 75 000 Euro; Metallbauarbeiten (Treppen, Vordach etc.): 32 000 Euro; Putz- und Stuckarbeiten innen und außen: 87 000 Euro; Malerarbeiten: 31 000 Euro; Sanitär, Heizung, Lüftung, Elektroanlage, Küche: 271 500 Euro; Mobiliar, Spielgeräte: 55 600 Euro; Landschafts- und Verkehrswegebau inklusive Planung: 118 000 Euro; Architektenleistung: 111 700 Euro; Planung Statik: 54 000 Euro; Haustechnikhonorar: 93 200 Euro. sim

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