Anbieter von schnellem Internet stoppt Kundenwerbung

Anbieter von schnellem Internet stoppt Kundenwerbung

Zu wenige Menschen in mehreren Dörfern in Morbach und Thalfang zeigen Interesse an schnellem Internet. Darum stoppt das Flensburger Unternehmen mr.net-services seine Vertriebsaktivitäten, mit denen es Kunden für sein DSL-Angebot gewinnen wollten. Viele Unternehmen leiden unter den Übertragungsraten, die sich vorläufig nicht ändern werden.

Deuselbach/Immert/Morbach. Vorläufig gibt es in Morbach sowie in Immert und Deuselbach kein schnelles Internet. Das Flensburger Unternehmen mr.net-services hatte die vorhandenen Rohre der RWE nutzen wollen, um Surfern DSL-Verbindungen per Glasfaserkabel mit einer Geschwindigkeit bis zu 50 000 kbit anbieten zu können.
Quoten unter fünf Prozent


In einem ersten Schritt hatte mr.net-services 4200 Haushalten in Deuselbach, Gutenthal, Hoxel, Hundheim, Immert, Morbach, Morscheid-Riedenburg, Rapperath, Wenigerath und Wolzburg die Möglichkeit geboten, sich an das Glasfasernetz anschließen zu lassen. Weitere Orte hätten folgen sollen. Doch 18 Monate, nachdem das Unternehmen das Projekt im Morbacher Gemeinderat vorgestellt hat, beendet es seine Vertriebsaktivitäten. Der Grund: Das geringe Interesse der Bürger, sagt Bente Petersen von mr.net-services. In Deuselbach habe man 20 Prozent Interessenten gehabt, in allen anderen Orten sei die Quote unter fünf Prozent geblieben, sagt Petersen. Damit mr.net-services die Orte wirtschaftlich versorgen kann, hätten in den jeweiligen Dörfern jeweils 40 Prozent der Haushalte einen Vertrag abschließen müssen. In der letzten Oktoberwoche hatte das Unternehmen nochmals vier Informationsveranstaltungen abgehalten. In Deuselbach waren elf Interessenten erschienen, in Hundheim niemand, sagt Petersen. Der vorläufig einzige Ort weit und breit mit schnellem Internet bleibt damit Wenigerath: Dieses Dorf hatte mr.net-services als Musterort für eine Breitbandversorgung ausgewählt und an das Glasfasernetz angebunden. Jedoch bedeutet das Ende der Vertriebsaktivitäten nicht, dass mr.net-services nicht am weiteren Ausbau interessiert ist.
Petersen: "Wenn doch absehbar ist, dass wir die 40 Prozent Beteiligung erreichen, kommen wir."
Doch warum ist das Interesse an schnellem Internet so gering? Petersen vermutet, dass die Leute mit den bisherigen Geschwindigkeiten zufrieden sind und noch kein "Druck" für schnelleres Internet da sei. Der Gutenthaler Ortsvorsteher Lorenz Gemmel glaubt, dass sich viele Bürger bereits über die Funktechnologie LTE mit schnelleren Internetverbindungen versorgt hätten.
Standortnachteil befürchtet


Doch hinter vorgehaltener Hand kritisieren einige Politiker auch die Vertriebsaktivitäten von mr.net-services. Deutlich wird der Deuselbacher Ortsbürgermeister Klaus Hölzemer: Er kritisiert die Termine der Infoveranstaltungen, die das Unternehmen während der Woche tagsüber angesetzt hat. In Deuselbach war diese an einem Dienstagvormittag zwischen neun und 13 Uhr. "Die jungen Leute, die Interesse haben, arbeiten dann. Da wundere ich mich nicht, dass keiner kommt." Für die Morbacher Firmen bedeutet das mangelnde Interesse und der dadurch bedingte Stopp des Breitbandausbaus weiterhin einen Standortnachteil, sagt der Morbacher Autohändler Nikolaus Gorges. "Wir haben zwar einen Anschluss mit 16 000 kbit, aber wenn viele Surfer gleichzeitig online sind, geht die Geschwindigkeit runter bis 2500 kbit.", sagt er. Dies könne zu längeren Reparaturzeiten führen, denn die Ablesungen der Wartungscomputer werden teilweise ans Werk geschickt und dort analysiert. Gorges: "Die Reparaturkosten bleiben für den Kunden zwar gleich, aber unsere Kosten steigen."
Ähnlich enttäuscht ist Peter Klein vom Hoxeler Schmuckhersteller Klein und Schütz, der über die Funktechnologie LTE über eine Anschlussgeschwindigkeit von 21 000 kbit verfügt, aber lieber eine schnelle Verbindung per Glasfaserkabel hätte. "Wir sind auf schnellstmögliches Internet angewiesen", sagt er. Die Verbindung per Funk gehe zwar einigermaßen, jedoch sei diese Technik sehr störanfällig. Klein: "LTE ist Mist."
Extra

Je nach Entfernung vom nächsten Anschlussknoten sind über Glasfaserkabel Internet-Geschwindigkeiten zwischen 50 000 und 16 000 kbit möglich. Um im Internet einen Film in guter Qualität ruckelfrei anschauen zu können, benötigen Surfer eine Mindestübertragungsrate von 16 000 kbit. Laut dem Breitbandatlas des Bundeswirtschaftsministeriums wird bei den vom Vertriebsstopp betroffenen Dörfern derzeit nur im Ortskern von Morbach diese Geschwindigkeit erreicht. cst