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Angst, dass er seinen Plan umsetzt

Angst, dass er seinen Plan umsetzt

Er versuchte, den Lebensgefährten seiner Ex-Frau mit einer Gaspistole zu töten. Das Opfer überlebte. Der 60-jährige Täter aus Osann-Monzel sitzt seit der Tat im Juni 2013 in Untersuchungshaft. Über seinen Anwalt hat er eine Revision des Verfahrens erreicht. Die Bundesrichter verlangen vom Landgericht Trier, das verhängte Strafmaß von fünfeinhalb Jahren Freiheitsstrafe erneut zu prüfen.

Trier/Osann-Monzel. "Das Tatgeschehen, das sich in der Nacht auf den 1. Juli 2013 in Osann-Monzel abspielte, steht fest", sagt Armin Hardt, Vorsitzender Richter am Landgericht Trier. In dieser Nacht hatte sich ein heute 60-jähriger Mann gewaltsam Zutritt zur Wohnung seiner geschiedenen Ehefrau verschafft und mehrfach eine Schreckschusspistole auf deren Lebensgefährten abgefeuert. Das Landgericht Trier hatte den Mann wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Bedrohung im März 2014 zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt (der TV berichtete). Der Verteidiger des Angeklagten legte danach Rechtsmittel ein: Seinem Mandanten habe in dem Prozess keine Tötungsabsicht nachgewiesen werden können.
Der Bundesgerichtshof (BGH) verwies den Fall jedoch aus anderen Bedenken zurück ans Landgericht Trier. Den Bundesrichtern reichte die Begründung nicht aus, mit der das Landgericht Trier einen minderschweren Fall der versuchten Tötung verneinte. Der BGH verlangt eine eingehendere Prüfung dazu, in welchem Umfang der Täter strafrechtlich verantwortlich gemacht werden kann.
Richter Armin Hardt ließ dafür gestern am ersten Verhandlungstag des Revisionsverfahrens erneut ärztliche Gutachten des Angeklagten verlesen, die jedoch bereits bei dessen Verurteilung im vergangenen Jahr berücksichtigt worden sind. Hierbei interessiert insbesondere, dass der Angeklagte vor seiner Tat zur Wodkaflasche gegriffen und beim Angriff mit der Schreckschusspistole rund 1,3 Promille Alkohol im Blut hatte.
Keine zwanghafte Störung


Zudem diagnostizierten Ärzte ihm 2013 eine depressive Störung. Doch diese Gesichtspunkte, so urteilte das Gericht bereits 2014, hatten keinen erheblichen Einfluss auf seine Denk- und Wahrnehmungsfähigkeiten. Zu dieser bedeutenden Feststellung gelangte das Landgericht auch gestern, sodass eine zwanghafte Störung des Angeklagten ausgeschlossen werden kann. Alle Parteien sind sich darüber einig.
Das Gericht prüft auch erneut die Folgen, die die Tat bei der Ex-Frau, ihrem Lebensgefährten und den beiden Töchtern, die der Angeklagte mit seiner geschiedenen Frau hat, hinterlassen hat. Denn die Kinder haben den Angriff des Mannes miterlebt und sind seit dieser Juninacht 2013 in psychologischer Behandlung. Der Täter hatte sich mit einem Hammer Zutritt zur Wohnung seiner Ex-Frau verschafft und auch die Tür des Badezimmers aufgebrochen. Dort hatten sich seine Töchter, damals acht und 16 Jahre alt, aus Angst vor ihrem Vater eingeschlossen. Der Täter vermutete dort allerdings auch seine Ex-Frau und ihren Lebensgefährten. Diese kamen jedoch erst kurze Zeit später nach Hause, worauf der Angeklagte dem Lebensgefährten seiner Ex-Frau aus zwanzig Zentimetern Entfernung mit einer Gaspistole ins Gesicht schoss. Dann setzte der Schütze dem 45-Jährigen den Gasrevolver auf den Hinterkopf und drückte erneut ab. Doch dieser überlebte auch die zweite - aus direkter Nähe - abgefeuerte Gasdruckwelle und konnte sich mit einem Sprint in das Dunkel der Nacht von Osann-Monzel vor weiteren Attacken des Täters retten. Der 60-Jährige wurde noch in der gleichen Nacht verhaftet.
Ob und wie weit schuldmindernde Gesichtspunkte das bereits verhängte Strafmaß reduzieren können, möchte das Landgericht Trier am nächsten Verhandlungstag, Mittwoch, 13. Mai, ab 10 Uhr abschließend klären. Die Opfer des Angeklagten empfinden das Revisionsverfahren als eine Zumutung: "Für jeden normaldenkenden Menschen war das versuchter Mord", erklärte das 45-jährige Opfer gegenüber dem TV. "Er hat die Tat mehrfach angedroht und geplant. Wir haben Angst, dass er seinen Plan umsetzt, wenn er aus der Haft entlassen wird." Der 60-Jährige hatte in Gegenwart seiner Töchter und weiteren Personen mehrfach damit gedroht, seine Ex-Frau und deren Lebensgefährten umzubringen. cmo