Anlaufstellen für Ratsuchende

Wenn am Sonntag auf dem Erbeskopf das zweite "Integrative Bergfest" durchstartet, wird auch die Arbeit der Trierer "Sekis", der Schaltstelle für das Netzwerk der Selbsthilfegruppen, wieder mehr in den Vordergrund rücken.

Erbeskopf. Wer mit einer schweren Krankheit oder einem Schicksalsschlag konfrontiert wird, weiß oft nicht, wo er sich Rat holen oder mit wem er sich austauschen kann. In dieser Situation bieten Selbsthilfegruppen Hilfe. Sie geben Tipps, wo es Ärzte und Therapeuten gibt und bieten eine Plattform für Gespräche. Doch woher soll der Betroffene wissen, ob es für die eigenen Nöte eine solche Gruppe in Wohnortnähe gibt? Ärzte oder Fachstellen wissen oft nur bedingt, welche Gruppen aktuell aktiv sind. Seit einigen Jahren gibt es daher in Rheinland-Pfalz vier vom Land geförderte Kontaktstellen, die diese Gruppen netzwerkartig verbinden. In einem gemeinsamen Faltblatt sind rund 200 Themen aufgelistet. Etwa 100 davon sind im "Selbsthilfewegweiser" der Trierer "Sekis" zu finden, dem Verein "Selbsthilfe Kontakt- und Informationsstelle". Die Beispiele reichen von Adipositas (Fettsucht) und Adoptiveltern über Borreliose, Burn Out, Missbrauch oder Umweltgeschädigte bis zu Zwänge.Berggottesdienst für Familien

Neuerdings bietet zudem das "Integrative Bergfest" rund ums Hunsrückhaus am Erbes- kopf eine Orientierungshilfe. Nach der Premiere 2005 öffnet an diesem Sonntag zum zweiten Mal eine "Informationsmeile" zu Themen wie Integration, Gesundheit und Selbsthilfegruppen. Die Stände öffnen nach dem Familien-Berggottesdienst (11 Uhr). Neben Workshops wie Trommeln wird zu Musik und arabischem Tanz auch Kindertheater geboten. Veranstalter ist die Deutsche Heredo Ataxie Gesellschaft, unterstützt vom Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter Mittelmosel.Wie wichtig solche Plattformen oder Kontaktstellen wie die Sekis sind, wissen vor allem diejenigen, die selbst haben kämpfen müssen, um an Informationen zu kommen. So wie Marina Stüber, eine junge Frau aus Malborn, die seit 1994 mit der Diagnose "Friedreiche Ataxie" lebt. Informationen über die schwere Muskelstörung erhielt die heutige Bundesvorsitzende der "Deutschen Heredo Ataxie Gesellschaft" aber erst vier Jahre später: "Durch hartnäckiges Nachfragen während meiner Reha." Anfangs hatte die Angst vor der Gewissheit, was es mit dieser Krankheit auf sich hat, ihre Wissbegier gebremst. Dennoch bereut sie es nicht, den Schritt nach vorn gewagt zu haben: "Ich weiß nun, ich bin nicht alleine mit quälenden Ängsten, und die Hoffnung verbindet uns." Über eine Kontaktstelle wäre vieles für sie einfacher gewesen. Oft noch Scheu vor Selbsthilfegruppen

Martina Berneck von der Morbacher Krebs-Selbsthilfegruppe hat die Sekis zu schätzen gelernt. Bei ihr habe sogar schon jemand aus Mainz angerufen und um Rat gefragt wegen eines erkrankten Angehörigen in Birkenfeld. Die Vernetzung erleichtere auch den Wechsel zu einer näheren Gruppe oder zu anderen Gruppen. Im ländlichen Raum tun sich viele dennoch etwas schwer, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen, weiß Gaby Hörzer, Vorsitzende der Morbacher Selbsthilfegruppe "Trauernde Eltern". Um diejenigen zu erreichen, die lieber "im Stillen leiden", setzt sie daher neben Amtsblatt, Tageszeitung oder Infoblatt vor allem auf Mundpropaganda.Kontakt Sekis: Telefon 0651/141180, Kontakt@sekis-trier.de oder www.sekis-trier.de. Ansprechpartner: Elke Zang oder Carsten Müller-Meine.