Anne Frank: Premiere des Theaterstücks in Hetzerath

Theater : Ein Versteck in dunkler Vergangenheit

Es dürfte das bekannteste Tagebuch der Welt sein: Die Aufzeichnungen von Anne Frank, die sie zwischen 1942 und 1944 in ihrem Versteck in Amsterdam anfertigte. Mit großem Erfolg wurde die Premiere des gleichnamigen Theaterstücks in Hetzerath gefeiert.

Auf der Bühne des Bürgerhauses in Hetzerath ist das Hinterhaus der Prinsengracht 263 in Amsterdam aufgebaut. Um die Räume, in denen die Familien Frank, van Daan und später auch Dr. Peter Dussel sich vor den Nazis versteckt hielten, auf der Bühne unterzubringen, sind sie versetzt, über kleine Treppenstufen zu erreichen.

Im Vordergrund, der Gemeinschaftsraum mit einem großen Tisch, an dem alle Platz haben, ein Ofen, auf dem nach 18 Uhr, wenn die Arbeiter gegangen waren, gekocht wurde. Bei der Ausstattung haben sich die Bühnenbildner der Theatergruppe Hetzerath eng an das Originalgebäude in Amsterdam gehalten. Seit eineinhalb Jahren hat die Gruppe unter der Regie von Ottmar Hauprich das Stück von Frances Goodrich und Albert Heckett in einer Neufassung von Wendy Cassedy geprobt, in den vergangenen neun Monaten sogar zweimal pro Woche.

Und das hat sich ausgezahlt, denn die Schauspieler haben sehr gute Leistungen gezeigt. Das gesamte Stück wird aus Sicht Anne Franks und der Opfer erzählt.

Katharina Tibo-Stemper, als Anne Frank hat hervorragend herausgearbeitet, wie naiv und lebenslustig Anne am Anfang war und versuchte sich das Verstecken vor den Nationalsozialisten als Abenteuer vorzustellen. Daneben hat Kevin Zimmer Peter van Daan dargestellt, der erst nichts mit Anne anfangen konnte, aber später immer mehr zu ihrem Vertrauten wurde. Seine Unsicherheit und sein langsames Vertrauen fassen zeigte er mit seiner Gestik, hier ein unbeholfener Griff an die Mütze, da sich verschämt die Hände an der Hose abwischend. Otto Frank wurde von Dieter Brisch verkörpert, der weltmännisch, sachlich und positiv denkend versuchte, die Konflikte im Hinterhaus nicht ausufern zu lassen und der einen engen Draht zu seiner Tochter Anne hatte.

Die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit war Edith Frank, gespielt von Yvonne Willwert anzumerken, während Margot Frank, Annes Schwester, gespielt von Tina Karls oft in sich gekehrt war und sehr ruhig mit der Situation umgehen wollte, wobei ihr auch eine vertraute Person oder Freundin gefehlt hat.

Die langen Stunden im Hinterhaus, in denen die Bewohner sich ruhig verhalten mussten, weil die Arbeiter unter ihnen waren, wurden mit Glockenschlägen angedeutet. Nach vier Glockenschlägen saßen sie still am Tisch, nach fünf ebenso und erst nach dem sechsten, wenn die schwere Eisentür des Betriebs zugeschlagen worden ist, haben sie sich langsam begonnen zu regen.

Hin und wieder schallte aus dem Radio, das  Herr Kraler (Jörg Thielen) besorgt hatte, „Sieg Heil“ oder die Stimme von Politikern. Wenn ein Martinshorn ertönt, verfallen die Bewohner gleich in Schockstarre. Konflikte gibt es zwischen Anne und ihrer Mutter sowie ihrem Zimmermitbewohner Dr. Alfred Dussel gespielt von Heinz-Peter Eberhard. Er spielte den Charakter eines Mannes, der seine Frau Charlotte und seine Privatsphäre vermisst, dabei manchmal schroff ist, der aber auch einen sehr eigenen Humor hat. Petronella van Daan, von Daniela Minnebeck verkörpert, setzte immer wieder Akzente, indem sie Lacher in dem nachdenklichen Stück provozierte.

Als Otto Frank, seiner Frau Edith beispielsweise eine Spieluhr zeigt, die er für sie gerettet hat, fragt sie ihren Mann suffisant. „Und, was hast du für mich gerettet?“ Als er allerdings ihren geliebten Pelzmantel verkauft, weil sie kein Geld mehr haben, ist sie genauso in der Lage, die Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit der Figur zu verkörpern. Hermann van Daan, ist Herrn Frank sehr dankbar und geht den Zwistigkeiten mit seiner Frau oft aus dem Weg indem er auf den Dachboden geht und dort Holzarbeiten fertigt. Hoffnung bringen Herr Kraler (Jörg Thielen) und Miep Gies (Jutta Klaes-Berg) mit positiver Ausstrahlung, guten Nachrichten und manchmal sogar Kuchen.

Die Besucher im vollbesetzten Bürgersaal applaudierten den Schauspielern am Ende stehend.

Die begleitende Ausstellung „Lasst mich ich selbst sein“ ist noch bis zum 2. Dezember im Bürgerhaus zu sehen. Die weiteren Theatervorstellungen sind ausverkauft.

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