Antike Kelteranlage in Piesport wird belebt: Kochen wie die Römer

Antike Kelteranlage in Piesport wird belebt: Kochen wie die Römer

In der Dorfmoderation ist vor sechs Jahren die Idee aufgekommen. Wie kann man die historisch bedeutende Kelteranlage Piesport mehr in den Blick der Öffentlichkeit bringen? Das war eine Frage im Zuge der Dorfmoderation. Die Antwort war die Idee, ein Vinum Culinarium zu bieten. das ist eine Veranstaltung, bei der eine Gruppe von acht Frauen ein römisches Buffet für 80 Personen in der Kelteranlage auftischt.

Piesport. Früchte in Quittenessig, Variationen des Moretum (Frischkäse) oder gebeizter Lachs im Kräuterbeet: das klingt lecker und das ist alles nach Original-Rezepten aus der Römerzeit zubereitet. Genau das können nämlich acht Frauen der Interessengemeinschaft Tourismus Piesport. Sie richten seit sechs Jahren das Vinum Culinarium am zweiten Wochenende im Juli aus. "Wir wollten die römische Kelteranlage, die schließlich die größte nördlich der Alpen ist, präsenter machen und haben uns überlegt, was dazu passen würde und sind so auf die Idee mit dem römischen Buffet gekommen", erklärt Heidi Spang, die auch Wein- und Kulturbotschafterin ist.

Ihre Kochkenntnisse haben die Frauen aus römischen Kochkursen und aus Büchern. "Es gibt vom Römer Apicius ein Kochbuch, in dem einiges steht. Und es finden sich weitere Aufzeichnungen, die uns Informationen liefern", sagt Spang.

Was genau ist anders als heute? Die römischen Speisen unterscheiden sich von unserem Essen besonders durch die vielen Kräuter, die verwendet wurden und durch das fehlende Salz, denn das kannten die Römer noch nicht. Wer überhaupt es verwenden konnte, musste reich sein: Salz war sehr teuer. "Es wurde im römischen Reich sehr süß und scharf gekocht. Mit Honig Pfeffer, Chili, Knoblauch und ungewohnt vielen Kräutern", sagt Susanne Franzen, Mitglied der IG Tourismus. Weiter erklärt Carmen Schmitt, auch von der IG Tourismus: "Der Geschmack ist nicht unbedingt für die breite Masse, aber es gehört für uns zur römischen Kultur, und es kommt gut an."

Wenn die Frauen ihr besonderes Essen in Piesport anbieten, kommen im Schnitt 80 Personen, darunter viele Stammgäste. Gefüllte Weinblätter und dicke Bohnen nach römischem Rezept sind bei dem kulinarischen Treffen immer sehr beliebt, wobei es auch auf die Witterung ankommt, was in welchen Mengen gegessen wird.

Und nicht jedes Jahr wird ein komplett neues Buffet gezaubert. Es gibt einige Gerichte, die zum Standard gehören, wie süßer Honigkuchen. Dazu wird Neues ausprobiert. Anfang des Jahres setzen sich die Frauen zusammen und überlegen, was es im Sommer Leckeres geben soll und stellen das kulturelle Rahmenprogramm zusammen, damit man ab Ostern mit der Werbung beginnen kann. Im vergangenen Jahr war beispielsweise Silvia Nells zu Gast.

Rund fünf Wochen vor dem Fest werden alle Speisen gekocht und probiert. "Man bekommt schon einen römischen Geschmack", so Heidi Spang. Was es in diesem Jahr gibt, haben die Damen noch nicht entschieden. Am 10. Juli findet dieses Jahr das Vinum Culinarium an der Kelteranlage in Piesport statt.
Weitere Informationen gibt es bei der Touristinformation.Extra

Neben dem Vinum Culinarium organisiert die IG Tourismus auch eine Fackelwanderung Anfang Oktober, bei der rund 60 Personen mitgehen. Zudem will die Interessengemeinschaft die Veranstaltungen im Dorf zusammentragen und bündeln, was aber schleppend anläuft, denn einige Veranstalter melden ihre Termine nicht. Ideen für neue Projekte haben die Frauen noch einige, aber aktuell ist es aus Zeitgründen kaum möglich weitere Veranstaltungen zu organisieren und durchzuführen. chbExtra

Marinierte Geflügelspieße nach römischem Rezept: 500 Gramm Hähnchenbrust in Würfel schneiden und auf einen Holzspieß stecken, dann eine Marinade aus einem Teelöffel Safran, einem Esslöffel Kreuzkümmel, vier bis fünf Knoblauchzehen in Scheiben, Salz, einen halben Teelöffel Chilipulver, einen halben Teelöffel Weinessig, 200 Milliliter Olivenöl, drei Esslöffel Oregano, Petersilie und je eine Prise Schnittlauch und Basilikum herstellen. Die Hähnchenspieße darin wenden und über Nacht im Kühlschrank durchziehen lassen. Dann können sie gegrillt oder gebraten werden. chb

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