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Antike Rennbahn inklusive Gestüt in der Eifel entdeckt?

Antike Rennbahn inklusive Gestüt in der Eifel entdeckt?

Der Hobby-Archäologe Christian Credner aus Lambertsberg ist während einer Fototour mit seiner Drachenkamera bei Dudeldorf womöglich auf eine antike Trainingsrennbahn gestoßen.

Bitburg/Dudeldorf/Lambertsberg. Seit mehr als zehn Jahren fotografiert der pensionierte Kardiologe Christian Credner auf der Suche nach archäologischen Schätzen die Eifel aus der Luft (der TV berichtete) - jetzt könnte er eine sensationelle Entdeckung gemacht haben: Bei Dudeldorf, Eifelkreis Bitburg-Prüm, schlummert womöglich eine antike Trainingsrennbahn unter dem Ackerboden - in der Größe eines Fußballfeldes. Der Flugdrache - er ist Credners Markenzeichen: Mithilfe des Geräts und einer daran angebrachten Kamera schießt der Vorsitzende des Geschichtlichen Arbeitskreises Bitburger Land (GAK) vom Boden aus Fotos per Fernauslöser. Die Technik setzt er für archäologische Zwecke ein.
Und auf eben diese Weise hat Credner bereits im Sommer 2011 die Luftbilder bei Dudeldorf gemacht. Und das kam so, erzählt Credner: Edgar Comes, Bürgermeister von Pickließem, habe ihn auf eine Stelle mit römischem Siedlungsschutt aufmerksam gemacht und zu ihm gesagt, er solle dort doch auch mal Fotos schießen. Zu dem Zeitpunkt habe aber keiner geahnt, was später dann auf den Bildern zum Vorschein kommen sollte: "Ich habe einen einmaligen Grundriss fotografiert und im nahen Umfeld weitere Strukturen", erzählt Credner. Und die lassen den Schluss zu, dass es sich um ein Gestüt mit angeschlossener Trainingsrennbahn für Wagengespanne handeln könnte.
Ein Verdacht, eine Art "Diagnose", wie Credner sagt, auf die er zunächst aber gar nicht kam. "Ich habe viel überlegt, die Fotos auch auf Tagungen gezeigt - aber niemand hatte so etwas je gesehen", erzählt er. Dann aber kommt die studierte Archäologin Dagmar Elsenbast aus Bitburg zu einem von Credners Vorträgen, hat eine "Eingebung", wie er erzählt, - und überzeugt den 72-Jährigen von der Rennbahn-Theorie.
Experten aus Trier waren anderer Meinung: Sie hatten, auch aufgrund des Fundes einer kleinen abgegriffenen Münze, dort eher eine Gartenarchitektur aus der Zeit des ersten Jahrhunderts nach Christus vermutet. Eine Einschätzung, die Credner nicht für überzeugend hält: Die Lage und Größe des Langmauerbezirks, des offenen Viertelkreises und des T-förmigen Gebäudes, das aussehe wie eine Tribüne, spreche für eine Trainingsrennbahn - etwa aus dem dritten bis vierten Jahrhundert nach Christus. Um den Befund sicher einordnen zu können, müssten die archäologischen Untersuchungen noch ausgeweitet werden, sagt er. Aber Credner hat vor kurzem selbst ein paar Grabungen gemacht - und eben jene 80 Meter lange Mauer tatsächlich gefunden, die von den Experten bisher negiert wurde. Auch die weiteren Überlegungen Credners haben Sinn: Der Circus, eine Pferderennbahn, sei im antiken Trier nachgewiesen - "und die vier Parteien, wie die Rennstalleigner damals genannt wurden, müssen ja auch irgendwo trainiert haben", sagt Credner. Und vermutlich nicht alle hätten dafür auch in Trier Platz gehabt. Auf der Rennbahn bei Dudeldorf könnte der Eigentümer seine Pferde und die Wagenlenker auf die Wettkämpfe vorbereitet haben.
Credner, als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger des Rheinischen Landesmuseums Trier ein gern gesehener Mitarbeiter auf Ausgrabungsstellen, arbeitet mit der Kite Aerial Photography, das ist eine alternative Luftbildtechnik. Sein Drachen steigt bis zu einer Höhe von 100 Metern, die daran befestigte Digitalkamera überträgt die Fotos drahtlos an einen Minibildschirm an seinem Handgelenk und liefert erdnahe, detailreiche Bilder. eib